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Gesehen! Progressive Promotion Records Festival mit Lazuli, Moon Safari, Seven Steps To The Green Door, Figuresmile / 22.09.2012, Rüsselsheim, Das Rind

Der Rinderwahnsinn!

Text: Klaus Reckert      Live-Fotos: >> Klaus Bornemann

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Wir haben jetzt auch eins! Es darf zwar (noch?) nicht "ProgPower Germany" heißen. Aber trotzdem hat es schon die volle Power des Prog, wie wir miterleben durften, das Progressive Promotion Records Festival nämlich, oder in Kurzkosenamenform: PPR Festival. Mindestens mal, was die geschmackssichere Auswahl des Billings und die fröhliche Durchmischung von Bands, Publikum und schreibender Zunft angeht, ist die schon seit 2011 im Das Rind zu Rüsselsheim stattfindende Veranstaltung sehr vergleichbar und ebenbürtig mit dem traditionsreichen ProgPower Europe Festival (das ja bekanntlich schon seit 1999 im grenznahen, niederländischen Baarlo gefeiert wird).

Progressive Promotion Records Festival 2012

Lazuli

Nun ja, Rüsselsheim selbst scheint nicht gaaanz so idyllisch wie das entzückende Mittelalterdorf Baarlo mit seinen zahlreichen Burgen und der Wassermühle zu sein. Und das dortige Casteel als kultiger Hauptunterbringungsort für Bands und Besucher ist eh nicht zu toppen. Aber sonst: Pluspunkte sind ein freundliches, fachkundiges, teils weit gereistes und vor allem begeisterungsfähiges Publikum, leidenschaftliche Veranstalter, denen es noch primär um die Musik geht und nicht zuletzt mit dem Rind ein größenmäßig wie atmosphärisch schon ideal zu nennender Veranstaltungsort (das nebenbei bemerkt bedeutend bessere akustische Verhältnissen als das Sjiwa in Baarlo bietet). Auch an der optisch eher unauffälligen JBL-PA gab es nichts zu meckern.

Den Vortag des zweitägigen Festivals hatten wir noch auslassen müssen, dem Vernehmen nach sind aber Sunchild aus der Ukraine, Believe aus Polen und unsere kurzfristig für The Tangent eingesprungenen Kumpels von Cryptex exzellent angekommen - bis auf leichte Meinungsverschiedenheiten über die Lautstärke der Cryptiker.

Der Samstag brachte neben prächtigstem Spätsommerwetter auch mit Figuresmile (ehemals Three Wishes) aus Polen eine mehr als angenehme Neuentdeckung. Die Band wird vom deutschen Vertrieb mit Porcupine Tree oder Archive verglichen. Uns fielen schon aufgrund des dramatischen Agierens und der tragfähigen Stimme des Frontmannes Krzysztof Borek noch eher Twelth Night und frühe Marillion ein. Der Eindruck wurde später u.a. durch ein knackiges Cover von "Lavender" bestätigt. Vorher schon bewiesen starke Songs wie "Let's Rush Out", dass das Quartett exzellent ohne Keyboards auskommt. Beim eindringlichen "When I Die" bedient der selbst ausgezeichnet Akustikgitarre spielende Sänger kniend für den E-Gitarristen das Wah-Wah-Pedal. In das glänzende "In Between" vom gleichnamigen Debütalbum wurden elegant Mini-Fassungen von Rammsteins "Du Hast" sowie das von richtigen Musikern stammende "Riders On The Storm" und "The Wall" eingeflochten - das Publikum bedankte sich mit warmem, lang anhaltendem Applaus.

Die Setlist von Figuresmile:
Marks Of Sin
Only Reason
Let's Rush Out
Will I Die
Some Part Of You
Lavender
All Night Mother
In Between
Code of Death
One Of Them

Die Musiker von Seven Steps To The Green Door hatten das Geschehen schon länger gespannt, aber auch mit offen kommuniziertem Lampenfieber verfolgt. Verständliche Aufregung, schließlich ging es bei ihnen um die Live-Premiere von "The ? Book". Dieses Gesamtkunstwerk aus Buchtext, Bildern und Konzeptalbum (die iPhone App dazu kommt in wenigen Tagen heraus) zählte für manche Kritiker zu den >> stärksten Veröffentlichungen des Jahres 2011. Nun erschien die Truppe in aufeinander abgestimmten T-Shirts auf der Bühne des Rinds - und lösten die wohl auch von sich gestellten hohen Erwartungen mehr als ein. Die komplexe, anspruchsvolle und doch überwiegend so melodiöse und eingängige Musik der Alben wurde auf höchstem Niveau reproduziert, was gerade für die Sänger(in) Anne Trautmann und Lars Köhler (sowie Thomas Schulz, Hintergrundgesang, key) eine Herausforderung gewesen sein muss. "The ? Book" wurde in voller Länge und Schönheit gegeben, wobei die Keyboard- (was für ein Orgelsound!) und Saxofon-Parts von Mastermind Marek Arnold (Ex-Stern-Combo Meißen) besondere Höhepunkte bildeten. Gitarrist Martin Schnella (u.a. Flaming Row) ist ein besonderer Zugewinn, wie u.a. seine messerscharfen Tappings, aber auch seine gutdraufige Bühnenpräsenz belegen. In Summe sind SSTTGD der Beweis, dass Anspruch Spaß machen kann. Höhenkammkultur zwischen Barbershop und ProgMetal!

Die Setlist von SSTTGD:
Paid For Glance
New Rising
Stay Beside
Melissa Attract Me
My Lovely Mr. Singing Club

[The ? Book]
Prologue
Empty Room
Dividing Water
Last Supper
Deadly Crucifixion
The Green Door
Epilogue

Apropos Barbershop: Moon Safari sind u.a. für ihre Sangeskünste berühmt. Wie gerechtfertigt dies ist, ließ sich im Rind bestens nachvollziehen. Stücke wie das nach einer Mischung des Besten von Flower Kings und Ritual klingende "A Doorway To Summer", das beschwingte "Dance Across The Ocean", "Heartland", "A Kid Called Panic", "Yasgur's Farm", "New York City Summergirl", vor allem aber das so flammenneue wie idyllische "Lover's End Part 3" bezauberten nicht zuletzt durch die brillanten stimmlichen Beiträge. Dabei sind alle sechs Schwedenhappen so routiniert, dass sie die kühnsten Gesangslinien hinbekommen, während sie gleichzeitig recht fordernde Parts auf ihren Instrumenten spielen.

Noch besser - gerade beim nennenswert vorhandenen weiblichen Teil des Publikums - kam der Headliner an. Lazulis zugängliche, verführerische, oft tanzbare Mischung aus Progrock, Folklore/Ethno und Chanson begeisterte schließlich selbst Menschen wie unsereinen, der von den Franzosen vorab noch gar nichts kannte. Gerade optisch wird von dem Quartett um einiges mehr als von Standard-Prog-Bands geboten. Um es vorsichtig auszudrücken. Dazu kommen noch die durchsetzungsfähige Stimme von Dominique Leonetti ("Domi") sowie die vielen Nuancen und zusätzlichen Klangfarben, welche die Instrumentierung mit u.a. Akkordeon, Léode und vor allem Marimba mit sich bringt. Dies kulminierte schließlich im Showstopper, dessen Haupteffekt mit dem Titel "Nine Hands Around The Marimba" gut beschrieben ist. Danke Lazuli.

Die Setlist von Lazuli:
Je Te Laisse Ce Monde
Laisse Courir
L'Arbre
L'Azzur
Le Moroir Aux Alouettes
Dans Le Formol Au Museum
15h40
Les Malveillants
L’essentiel (a capella)
Capitaine Coeur De Miel
On Nous Ment Comme On Respire
Festin Ultime
Abime
Cassiope
Film D'Aurore
Naif
Aimants
Nine Hands Around The Marimba

Dank an alle Bands, an Oli und Maskottchen Lilly von PPR sowie an Flo und seine tollen Cowgirls and -boys - jederzeit gerne wieder!

Und so waren schließlich alle ganz glücklich. Ganz glücklich? Nein! Ein normalerweise unbeugsamer Fotograf beklagte sich. Allerdings nur über ein Manko: Das Licht war während der gesamten Veranstaltung für seine Zwecke zu dunkel gewesen - dunkel wie im Rinderarsch.

 

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Links:

>> Festival-Info Progressive Promotion Festival bei POP FRONTAL

>> Live-Tipp (31.08.12): Progressive Promotion Festival - Der Rinderwahnsinn

>> Video "Seven Steps To The Green Door - Prologue to 'The?Book'" bei youtube.com

>> Video "Moon Safari - Heartland" bei youtube.com

>> Homepage Progressive Promotion Records

>> Homepage Lazuli

>> Homepage Progressive Moon Safari

>> Homepage Seven Steps To The Green Door

>> Homepage Figuresmile

>> Homepage Das Rind

 

Progressive Promotion Records Festival 2012

Seven Steps To The Green Door

 

Progressive Promotion Records Festival 2012

Moon Safari

 

Progressive Promotion Records Festival 2012

Figuresmile

 

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