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Gesehen! Queen feat. Paul Rodgers / 06.07.05, Köln, RheinEnergieStadion

Lang lebe die Regentin

Text: Klaus Reckert   Live-Foto: Richard Young

Es sollte ein Dankeschön an die deutschen Fans werden – das Zusatzkonzert zur aktuellen Tour von Queen mit Paul Rodgers im RheinEnergieStadion in Köln. Und ein wenig Gewinn einfahren sollte es wohl auch, ablesbar an Ticketpreisen bis zu 71 Euronen und den 3,30, die für ein labbriges Gildenkölsch aufgerufen wurden. Das Dankeschön gelang - und zwar prächtig. Ob das mit dem Profit geklappt hat, ist hierorts nicht bekannt. Denn trotz konstant an die Medien gesandter Botschaft, dass noch allerletzte Karten an der Abendkasse erhältlich sein würden, waren "nur" 26.700 Fans erschienen. Daran war aber Petrus zumindest mitschuldig, denn es regnete an diesem Abend wirklich nahezu pausenlos und "ergiebig".

Queen feat. Paul Rodgers

Dem Auftritt vorausgegangen war ein beispielloser Aufbauakt: Seit Freitag hatten 170 Menschen an der Riesenbühne (280 Tonnen Stahl) inklusive eines gigantischen Laufstegs und mit zwölf gegeneinander verschwenkbaren Metalltraversen im Bühnenhimmel gearbeitet. Eine belgische Spezialfirma hatte die 60 Meter breite Bühne in zehn LKWs angeliefert. Zehn "Rigger" hatten die Beleuchtung in die Takelage gehängt, 40 "Scaffolder" die Gerüste errichtet, 50 "Stagehands" mehrere Kilometer Kabel verlegt.

Der Aufwand hat sich gelohnt, denn im gigantischen ehemaligen Müngersdorfer Stadion würden kleinere Aufbauten einfach verschwinden. Auch die zwei 48 Quadratmeter großen topmodernen, brillanten LED-Leinwände links und rechts von der Bühne sowie ein zentraler Bildschirm über der Bühne haben sich bewährt, nur so können auch Besucher auf den Tribünen etwas vom Geschehen mitbekommen.

Ziemlich pünktlich geht es um 20:15 Uhr los, fast a capella, nur von sparsamen Orgelakkorden begleitet, tritt Paul Rodgers zu mutmachendem Applaus auf den monströsen Laufsteg, der tief ins Publikum hineinläuft, und singt einen souligen Part, der sich ab dem Auftritt von Brian May (zu tosendem Applaus) in "Tie Your Mother Down" verwandelt. Der offensichtlich alterslose Rodgers (Jahrgang '49, seit den 60ern mit Free, später Bad Co., The Firm sowie solo sehr erfolgreich) geht absolut freundlich und einladend auf sein Publikum zu, das diese Songs naturgemäß nur mit dem verstorbenen Freddie Mercury kennt. Natürlich – Gott sei dank – klingen die Queen-Songs mit ihm als Sänger anders: Wo vorher das Tuntig-Pompöse, das Operettenhafte dominierte, erhalten die Stücke heute einen mehr souligen bis erdig rockigen Touch. Und das tut ihnen gut, funktioniert jedenfalls heute Abend, auch für’s Publikum, das zum Popsong "I Want To Break Free" langsam die Tropfen von Schirmen und Südwestern schüttelt. "Fat Bottom Girls" heißt die nächste Station – und abermals bekommt eine zuvor etwas "bubblegum"-hafte Nummer so etwas wie Rock Credibility.

Mit der wunderbaren Free-Nummer "Wishing Well" (u.a. auch von Blackfoot gecovert) hat der Ausnahmesänger Rodgers zwangsläufig ein Heimspiel, der anschließende Killergroove verrät es gleich – nun kommt "Another One Bites The Dust", allerdings im modernen Gewand, dezent angerappt und von Sequenzerschleifen durchwirkt.

Dass sich Rodgers selbst (nach der Zusammenarbeit mit den Weltklassegitarristen Paul Kossoff – '76 verstorben –, Mick Ralphs und Jimmy Page) zu einem phantastischen Gitarristen entwickelt hat, soll er heute Abend nicht zeigen, doch immerhin darf er das aufreizend swingende "Crazy Little Thing Called Love" mit einigen Akustikgitarren-Akkorden einleiten.

Nun verlässt der deutlich angejahrte Roger Taylor sein Drum-Höckerchen, um auf dem Laufsteg die Anti-Aids-Ballade "Say It's Not True" anzustimmen. Seine heiserhohe Stimme und das sympathische Lächeln haben sich jedenfalls kaum verändert.

Wenn Brian May nun zur akustischen 12-String greift, um "In The Year Of '39" anzustimmen, weht einen schon Geschichte an, und man erinnert sich, wie man das (z.B. auf "Live Killers" von '79) erstmals gehört hat.

Endgültig schmilzt das Publikum beim Freddie zugewidmeten "Love Of My Life" dahin – und liefert dabei den geradesten und besten Auditoriumsgesang ab, den unsereiner je gehört hat. Das Stadion klingt wie ein gigantischer Gesangsverein! "Hammer To Fall" beginnt mit Gesang von Brian May, bis der inzwischen in Lederhose und kawasaki-grünes Muscle-Shirt gewandete Rodgers einsetzt und dem Stück deutlich mehr Power verleiht. Dafür darf er nun auch den Bad Company-Hit "Feel Like Making Love" intonieren, den überraschend viele der Queen-Fans zu kennen (und zu mögen scheinen).

Ungemein spielfreudig, lässig und locker in den Handgelenken zeigt sich Roger Taylor beim nun folgenden Schlagzeugsolo, das er mit einer – wie immer – von ihm gesungenen phantastischen Version von "I'm In Love With My Car" krönt. Weiter geht’s mit dem berühmten Solo, bei dem Brian May, sich zunächst vor seiner Wand aus neun Vox-Verstärkern windend, sich per Hallgerät selbst begleitet. Dieses zieht sich heute Abend allerdings erheblich in die Länge und lässt trotz nun erstmals zugeschalteter mittlerer Leinwand und Video-Zuspielungen von Auto- und Wolken-Jagden sowie Lava-Lampen-Projektionen (sic!) plötzlich wieder den unausgesetzt fallenden Regen spüren.

"These Are The Days Of Our Lives", gesungen von Roger Taylor, ist und bleibt eine Schnulze, doch als hierzu teils nach Privatfilmen aussehende Videos vom ehemaligen Queen-Sänger Mercury zugespielt werden, tobt das Colosseum. Fehlt noch, richtig, "Radio Gaga". Das eigentlich doch recht blöde Nümmerchen führt erstaunlicherweise zu Dieter-Thomas-Heck-Szenen – man erhebt sich von den Tribünenplätzen, um mitzuklatschen. Gegengift ist "Can't Get Enough" – wieder eine alte Bad Co.-Komposition, gefolgt von "It's A Kind Of Magic" und einer heavymetalmäßig zulangenden, beeindruckenden Version von "I Want It All", bei dem endlich auch einmal May nicht zu leise gemischt ist – bei übrigens im Infield einfach tadellosem, hifi-verdächtigen Sound. Den Klang auf den Riesentribünen können wir nicht beurteilen, allerdings wurden nach ersten Protesten nach Konzerten inzwischen über großflächig aufgehangene "Soundteppiche" Abhilfe zu schaffen versucht.

Bei "Bohemian Rhapsody" hilft Mercury aus: Den ersten Teil singt er quasi von der Leinwand (enorm clever geschnittene Konzert- und alte Video-Takes), begleitet von seiner alten Band, bis dann Rodgers übernimmt. Das ist gerade bei diesem Stück sehr geschickt, wirkt "pietätvoll" und verschafft den Fans nochmals den Kick, Freddie singen zu sehen und zu hören, bis dann wieder ihr Part kommt: Und sie singen verblüffend gut.

Die einzig passende Zugabe ist natürlich "The Show Must Go On", gefolgt vom Free-Mega-Hit "All Right Now" (das Publikum ist begeistert). Für "We Will Rock You" kommen die Sänger des in Köln seit längerem enorm erfolgreichen gleichnamigen Queen-Musicals auf die Bühne, tanzen und singen (praktisch unhörbar) mit – ohne große musikalische Relevanz, aber ein cleveres Cross-Marketing. Wie es sich gehört, wird das Publikum mit "We Are The Champions" nach Hause und in den auf sie wartenden Regen geschickt, nachdem sie 2 ¼ Stunden engagierte Rockmusik zwischen nostalgischen Schauern und seriöser Neubestimmung erleben konnten. Long Live The Queen.

PS: Auch nach Plattenverkäufen und Charts sind Queen die Champions – am 05.07. waren sie in den UK-Rekordcharts mit 1.322 Wochen an den Beatles (1.293 Wochen) vorbeigezogen. Am 06.07. hatte es Platin für die DVD "Live At The Bowl" gegeben. Die Veröffentlichung eines neuen Live-Albums der aktuellen Besetzung sowie einer DVD wurde für Oktober angekündigt.

Links:

>> Künstlerinfo Queen bei POP FRONTAL

>> Homepage Queen

>> Homepage Queen & Paul Rodgers

>> Homepage Paul Rodgers

>> Homepage Brian May

 

 

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Queen feat. Paul Rodgers

 

 

 

 

 

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