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Getroffen! RhEINKULTUR - Interview mit Holger Jan Schmidt / Juni 2011

Das "Ökosystem" oder "No Ökosystem of a Down"

Interview: Helen Schepers     Bilder: Pressefreigabe

 

Die RhEINKULTUR in Bonn hatte schwere Stürme zu überstehen im vergangenen Jahr. Eine Laune der Natur auf einem der, vor allem im grünen Sinne, führenden Festivals europaweit. Am kommenden Wochenende erleben wir glücklicherweise eine Neuauflage und sprachen ganz kurz vor Ultimo mit dem Veranstalter Holger Jan Schmidt über nachhaltige Themen. Und sehen, dass es weder für sein Festival, noch für ein wenig mehr ökologischen Einsatz 5 nach 12 ist.

RhEINKULTUR / Foto: Volker Lannert

 

Ihr zeigt offen, dass sich auch die RhEINKULTUR um nachhaltige Belange kümmert. Welcher Antrieb steckt dahinter?

Holger Jan Schmidt: Die RhEINKULTUR findet seit Gründung in Bonns grüner Lunge, der Rheinaue, statt. Dieser Park ist Wasserschutzgebiet, was bedeutet, dass wir immer schon dazu verpflichtet sind, mit dem Gelände schonend umzugehen, was sich in vielen kleinen Maßnahmen vor Ort niederschlägt. Darüber hinaus gibt es kaum Parkplätze an der Rheinaue, so dass wir seit jeher die Leute dazu anhalten mit dem ÖPNV anzureisen. Dafür haben wir mit der "Green Card" auch einen Anreiz geschaffen. All diese Bemühungen und Maßnahmen bündeln wir seit 2008 unter dem Namen "Green Rocks" und entwickeln dieses Programm von Jahr zu Jahr weiter. Das hat uns auch mehrere Auszeichnungen eingebracht, worüber wir uns sehr freuen.

 

Glaubt ihr, dass euer gemeiner Festivalbesucher im Grunde auch einen kleinen "Öko" im Herzen trägt?

Holger Jan Schmidt: Ich glaube, dass man gar kein "Öko" sein muss, um wahrzunehmen, dass es sich in einer saubereren Umwelt besser leben lässt. Die Klimaveränderung kann von jedem wahrgenommen werden. Da sollte sich auch der OttoNormal-Festivalbesucher Gedanken um CO2-Ausstoß machen, emissionsarm anreisen und das dann sogar noch kostenfrei von unserem Partner NaturWatt kompensieren lassen.

 

Habt ihr bereits Innovationen auf dem Festival umgesetzt um nachhaltiger zu werden? Konntet ihr euren Ablauf effizienter und ressourcenschonender gestalten?

Holger Jan Schmidt: Wir sind ja ein eintrittsfreies Festival, was bedeutet, dass unsere finanziellen Möglichkeiten überaus beschränkt sind. Wir versuchen, uns in vielen Bereichen an das Optimum heranzuarbeiten. Dabei ist das Motto "Vermeiden ist besser als Verringern" durchaus tonangebend, aber natürlich nicht immer möglich. Wir schaffen es auch mehr und mehr, unsere Dienstleister und Partner ins Boot zu holen. Das ist eine nicht zu unterschätzende Aufgabe. Es gab immer wieder Projekte und Aktionen, die richtungweisend waren: Anfang der Neunziger war die RhEINKULTUR die erste Großveranstaltung mit Pfandsystem, wie wir es heute von überall kennen. Selbst der DFB kam, um sich das anzusehen und später zu übernehmen. Wir haben nahezu maximale Angebote und Einbindung der ÖPNV mit der Green Card erreicht und in den vergangenen beiden Jahren ein großes Wastemanagement-Projekt mit Eco-Controlling und der DBU durchgeführt.

 

Wie eng arbeitet ihr mit der lokalen Bevölkerung zusammen?

Holger Jan Schmidt: Viele junge Leute aus der Region kommen zum Festival, und es ist uns ein Anliegen, diese auch zu erreichen und einzubinden. Wir binden junge Menschen, wie etwa Oberstufenschüler des Bonner Helmholtz-Gymnasiums, in unser Green Team ein und haben seit Jahren eine tolle Zusammenarbeit mit dem Scouting Bonn e.V., die an den Haupteingängen Flaschen sammeln, sortieren, das Pfand entsprechend abgeben und für die Jugendarbeit verwenden. Grundsätzlich muss man sagen, dass es nur besser und grüner werden kann, wenn alle an einem Strang ziehen. Denn die größte Belastung bei einem Festival ist der CO2-Ausstoß, der durch die Anreise des Publikums verursacht wird. Da können wir nur bedingt selbst handeln.

 

Werden lokale oder Bio-Produkte verarbeitet? Wie steht es mit dem Recycling?

Holger Jan Schmidt: Wir versuchen das mehr und mehr auszubauen, sind aber leider immer finanziellen Zwängen unterworfen und können deshalb schweren Herzens nicht immer das tun, was wir wollen. Natürlich werden, da wo es geht und machbar ist, lokale Anbieter, Produkte in Bioqualität, Ökostrom etc. verwendet. Wir trennen in der Produktion in verschiedenen Kategorien, was dann entsprechend sortengerecht dem Kreislauf zugeführt wird. Unser Wastemanagementprojekt hat ergeben, dass Trennung im Publikum ab einem gewissen Zeitpunkt und einer gewissen Publikumsstärke nicht mehr richtig funktioniert. Deshalb wird von unserem Entsorger nachträglich getrennt.

 

Werden die altbewährten Dixie-Toiletten eingesetzt oder neue Systeme genutzt?

Holger Jan Schmidt: Es gibt für uns keine Alternative zu Dixies, weil wir nichts mittelfristig im Park installieren können bzw. die Wasser- und Einleitstellen im Park sehr begrenzt sind. Wo es möglich ist, stehen WCs, die allerdings eine kleine Servicegebühr kosten. Ansonsten verwenden wir natürlich Mobiltoiletten, die allerdings ohne Chemie betrieben werden - dafür aber eine regelmäßigere Entleerung erfahren, was chemische Zusätze unnötig macht.

 

Kompensiert ihr euren CO2-Ausstoß?

Holger Jan Schmidt: Wir kompensieren über unseren "Green Rocks"-Partner NaturWatt, einen Ökostromanbieter aus Niedersachsen. Der übernimmt die Kosten für die Kompensation, sowohl was die Produktion angeht als auch die Publikumsanfahrt. Für erstere halten wir sehr genau nach, was wir im Rahmen der Produktion über Stromverbrauch, Fahrten etc. an Emissionen produzieren. Das Publikum kann sich im Vor- und Nachfeld der Veranstaltung online auf unserer Homepage innerhalb von zwei Minuten die Anfahrt kompensieren lassen. Das sind wirklich nur ein paar Mausklicks und für jeden attraktiv, ob er nun mit dem Zug und zehn Freunden aus Hünxe kommt oder mit dem Motorrad aus Köln. NaturWatt nimmt das auf und forstet in Deutschland entsprechend auf.

 

Lässt sich eigentlich Lärm auf Festivals verringern?

Holger Jan Schmidt: Ja, sicher, durch Lautstärkebegrenzungen. Das hat aber nicht die ungeteilte Zustimmung aller zur Folge. Das Landesemissionsschutzgesetz schreibt uns da klare Werte vor. Das Publikum, das natürlich auch dadurch geschützt werden soll, ist da aber häufig anderer Meinung als der Gesetzgeber. Ein kleines Dilemma...

 

Vielen Dank für das Interview!

 

 

 

Links:

>> Festival-Info Rheinkultur 2011 bei POP FRONTAL

>> Live-Tipp (03.06.11): Rheinkultur Festival: Umsonst, draußen und einzigartig

>> News (07.02.11): RhEINKULTUR gerettet - auch 2011 wieder umsonst und draußen

>> Homepage Rheinkultur

>> Homepage Green Rocks

>> Videos zum RhEINKULTUR-Line-Up bei youtube.com

 

 

Rheinkultur Green Card

 

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