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Gesehen! Rock Am Ring 2008 / Nürburgring (Eifel), 2. Tag: 07.06.2008

Get in the Ring!

Text: Klaus Reckert      Live-Fotos: www.iTouchMag.com

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Chef im Ring waren an diesem Samstag unangefochten die R.A.R.-Veteranen Metallica. Bis die allerdings endlich an der Reihe waren, gab es noch jede Menge musikalischer Angebote, die von In Flames bis zum Gestöhne Mannheims reichten. So zum Beispiel der Indie-Poprock von Kate Nash, die mit ihrer fetzigen Mischung aus Cranberries, Eddie Brickell und Tori Amos Höhepunkte ihrer jungen, auf MySpace begonnenen Karriere bot, darunter das viele Fans zum Mitsingen animierende "Mouthwash". Aber auch "Birds", "Pumpkin Soup" und "Foundations" gaben ein prächtiges Kontrastprogramm zu beispielsweise den singenden Barthecken von Madsen ("Die Perfektion") ab.

Manic Street Preachers

Manic Street Preachers

Oder auch zu den schwedischen Brandstiftern von In Flames. Bei noch strahlendschönem Wetter erteilten Anders Fridén und Co. den gefügigen Massen eine heftige Lektion in Sachen Melodic Death Metal. Zu Stücken wie "Transparent" (mit phantastischen Soli von Gitarrist Jesper Störmblad) bildeten sich Moshpit-Phänomene, die wie Mauerbrecher auf die Bühne zurasten. Vom "Laubengang" über der Boxengasse war das prächtig anzuschauen, direkt vor dem Fotograben aber gab es natürlich Verletzte. Darauf folgten "Come Clarity", dann leicht bizarre Fußballansprachen und endgültig absurde Product Placement-Einlagen für ein hier nicht genanntes Softdrink-Mixgetränk seitens des wortgewaltigen Schweden. "I don't care how old you are or if you happen to have just one leg – I want you to JUMP", verlangte er dann, den Song "Only For The Weak" einleitend. Und bekam seinen Willen. Soweit das Auge reichte, wogte es auf und nieder wie eine gigantische Hüpfburg aus Menschen. Ein ordentlicher Zugabenteil einschließlich "Take This Life" bildete den würdigen Schlusspunkt.

Wer vor der Center Stage verharrte, erfuhr mit dem Auftritt von Nightwish jetzt ein krasses Wechselbad. Zahllose Fans der Finnen sind ja bis heute nicht recht über den Rauswurf von Tarja Turunen hinweggekommen, die inzwischen durch Anette Olzon ersetzt wurde. Dass gleich zu Beginn das Mikro der sichtlich nervösen Dame noch nicht offen war, schien irgendwie programmatisch. Auch noch so viel Pyro-Einsatz im Verlauf des ziemlich manierierten Auftritts konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass wohl eine Mehrzahl der Fans nicht wirklich angetan von den Neuinterpretationen von Kuschelrock-Songs wie "Amaranth" oder "Nemo" war. Als jemand, der auch schon die alten Nightwish nie ernst nehmen konnte, vermochte man sich immerhin darüber zu freuen, dass "die Neue" wenigstens ein wenig kehliger und natürlicher intonierte, als die Opernsängerin Turunen – dafür aber eben auch weit weniger virtuos.

Großes Kino boten auf der Alterna Stage die Manic Street Preachers, die unsereiner seit den späten Neunzigern eigentlich gar nicht mehr auf dem Zettel hatte. "Umbrella" oder "Motorcycle Emptiness" rissen die Massen alsbald mit. Der schöne Satzgesang und die jubelnden Les Paul-Soli von Sänger/Gitarrist James Dean Bradfield bei "If You Tolerate This" beschworen auch die Glanzzeiten von "This Is My Truth…" herauf – eine schöne Überraschung!

Mit The Offspring hüpfte sich sodann auf der Center Stage eine deutlich gealterte Boy Group warm. "Come Out And Play (Keep 'Em Separated)", "Hammerhead", "What Happened To You", "(Can’t Get My) Head Around You", "Self Esteem", "All I Want" – die Truppe um Noodles durfte erleben, dass sowohl älteres wie teils auch neueres Material recht textsicher mitgegröhlt wurde. Vom zeitweiligen Beobachtungspunkt direkt neben dem vom Deutschen Roten Kreuz, freiwilliger Feuerwehr u.a. betriebenen "Medical Center" gewann man einen nochmals anderen Blick auf den Auftritt der Punkrocker: Während es zuvor dort noch einigermaßen ruhig zugegangen war, liefen nun binnen 20 Minuten über 40 Geschädigte und Verletzte am Stützpunkt ein. Darunter fanden sich natürlich Fälle, die offensichtlich in keinem direkten Zusammenhang mit der Noodles-Truppe standen, denen etwa mit Magenpulver oder Kondomen ausgeholfen werden konnte. Doch es blieb erschreckend, wie oft seit dem Offspring-Auftrittsbeginn auch die Jungs mit der Krankentrage ausrücken müssen, um teils stark Blutende in die Station zu holen. In einem Fall musste sogar der Rettungswagen mit einem Patienten losrasen, dem vor Ort nicht zu helfen war. Beruhigend hingegen zu sehen, dass dieses Festival sogar mit einem "Notfallseelsorger" gesegnet ist.

Warten auf Metallica. Das wird allerdings deutlich von Stephanie Tückings derbdoofen "Moderationen" versüßt. 30 Minuten vor Stage Time: "Habt Ihr Bock auf Metallica?" Weitere zehn Minuten später: "Auf WEN wartet Ihr?" Zehn Minuten vor dem Gig "Wartet Ihr immer noch auf Metallica?" Das ist so professionell wie originell, das hat einfach Esprit, das kann sich fast mit Marta Jandovás legendären Ansagen messen! Weitere Abwechslung verschaffte die nette Szene, als ein Trupp Anfangzwanziger lautstark seinem Unmut darüber Luft verschaffte, dass die Babyshambles nicht aufgetreten waren. "Pete ist bestimmt wieder auf Droge", schimpften sie. Und konnten nicht ahnen, dass der – dem Vernehmen nach allerdings unglaublich fade – Auftritt sehr viel später doch noch nachgeholt werden würde.

 

Der Ring röhrt

Viertel nach zehn hatte das Warten ein Ende, zu den bekannten Morricone-Klängen erklimmt die Legende Metallica die Center Stage. Schien bei "Creeping Death" der Sound noch etwas mulmig, stimmte ab "For Whom The Bell Tolls" akustisch alles. Positiv auffallend auch, dass auf den drei gigantischen Projektionsflächen nicht etwa nur ein stumpf abgefilmtes Kamerasignal, sondern zwei gewissermaßen "produzierte" und geschnittene Bilder mit vielen Effekten gezeigt wurden. James Hetfields Aufforderung "I want you to SING it" führten zu diesem Zeitpunkt allerdings noch zu keinem deutlich hörbaren Resultat. Weiter ging's mit "Ride The Lightning" und argem Geschleime Hetfields: "Ihr wisst ja, dass Rock Am Ring unser Lieblingsfestival ist". Das machten sie aber mit "Harvester Of Sorrow" wieder gut, das von einem starken "Bleeding Me" noch getoppt wurde. Auch bei "No Remorse" gab es nichts zu bereuen, ebenso wenig wie bei "Devil's Dance" und einer komplex arrangierten Version von "… And Justice For All", die mit zweistimmigen Gitarrenparts glänzte. Mit "Fade To Black" nahm man das Tempo etwas zurück, um bei "Master Of Puppets" wieder aufzudrehen.

Dann "Nothing Else Matters" – und diesmal klappte es: Sogar unaufgefordert fielen Zehntausende Stimmen ein. Hetfield hörte einfach auf zu singen, denn – der Ring röhrt! Wer den Film "Some Kind Of Monster" gesehen hat, dem mussten die konstanten Beschwörungen der hart erarbeiteten neuen Band-Harmonie auffallen. "My Friend Lars" war wohl Hetfields zweithäufigste Formulierung, gleich nach dem ans Publikum gerichteten "We love you". "Sad But True" wurde gefolgt von Artillerie-Samples, einem Pyro-Einsatz wie einem kalifornischen Waldbrand und schließlich das großartige "One". Zu "Enter Sandman" ist die Bühne allein durch Feuerwerkskörper blutrot gefärbt. Enorme Sympathiepunkte fahren Metallica noch dadurch ein, dass sie nicht nur auf "our friends Saxon" verweisen, sondern sogar ein paar Takte lang deren "Princess Of The Night" anspielen. Biff & Co. hatten früher am Tag ihren R.A.R.-Auftritt absolviert – von allen denkbaren Orten übrigens ausgerechnet im Cola-Zelt. Flotte Fassungen von "Die, Die My Darling" und "Motorbreath" rissen dann selbst die Mosh-Müden nochmal hoch, bis es schließlich "Gut' Nacht Nürburg" heißt. Nach der Zugabe "Seek And Destroy" und vielen Kusshändchen seitens Lars, James, Kirk und Rob war es dann auch tatsächlich zu Ende. Starker Gig einer inzwischen wieder beeindruckenden Band, lohnende zwei Stunden!

Sollte man sich diesen tollen Eindruck jetzt wirklich noch durch neue verwässern? Der Versuch ging jedenfalls erbärmlich schief, denn was die Brit-Popper The Verve kunstgeigentriefend mit ihrem alten Hit "Bitter Sweet Symphony" oder auch mit "The Drugs Don't Work" veranstalteten, hatte mehr von Reanimationsversuchen als von Revival. Vielleicht lag es ja zum Teil an der von Richard Ashcroft auch in stockdüsterer Nacht und inzwischen schnell steigenden Eifelnebeln getragener Sonnenbrille. "Have you ever been down?" begehrte Ashcroft zu wissen. The Verve waren das definitiv schon. Und hätten sich vielleicht besser nicht wieder zusammengetan.

 

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Links:

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