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Gesehen! Rodrigo y Gabriela / Hamburg, Knust, 27.11.2011
Mit zwei Gitarren von der Wüste in die Tropen
Text: Julia Kussius
Auf diesen Abend haben sich so manche Hamburger gefreut. Nur zwei Wochen waren Karten für das begehrte Konzert im Handel verfügbar, dann war es bereits: ausverkauft. So munkelt man in der langen Schlange vor dem Einlass des relativ früh (20 Uhr) am Sonntagabend beginnenden Konzerts. Weder die lange Schlange, noch der Run auf die Tickets sind verwunderlich. Den der Auftritt der beiden Mexikaner Rodrigo Sánchez und Gabriela Quintero ist schlicht und einfach sensationell.
Während draußen bereits alle Fenster auf Vorweihnachtsstimmung getrimmt werden, darf im übervollen Knust dank musikalischer Inspiration und Begleitung eine Fantasiereise von der Wüste in die Tropen, auf südspanische Marktplätze und in die Balkandisko angetreten werden. Wem dies an Kopfkino nicht ausreicht, der kann sich von der Instrumentalmusik an Westernfilme, Latinoschnulzen und Emir Kusturica-Streifen erinnern lassen.
Virtuos spielen die beiden ihre Gitarren: Finger zupfen, schlagen, galoppieren über die Saiten und nutzen den Gitarrenkörper als perkussives Element, so dass diese zwei Gitarren auf der Bühne den Eindruck einer ganzen Band erwecken. Der Saal tanzt, klatscht, wünscht sich Songs und lebt den Augenblick mit der beeindruckenden Darbietung der sympathischen Formation. Herrlich uncool und dabei höchst professionell spielen Rodrigo und Gabriela nicht nur ihre Instrumente, sondern auch ihre Rolle als Darsteller.
Ganz natürlich und unverkrampft kommunizieren die beiden mit dem Publikum und untereinander, lachen viel und wickeln mal eben das als so steif verschriene Hamburger Publikum um den Finger. Gabriela hüpft auf der Bühne, während sie die Saiten zupft, und beide Musiker stellen einmal mehr ihr Können in einem Solo unter Beweis. Faszinierend. Anderthalb Stunden lang.
Mit Charme verweisen sie schließlich auf ihr im Januar erscheinendes Album "Area 52", das sie auf Kuba mit einem Orchester aufgenommen haben, und stellen gleich klar, dass dies ein Projekt sei. Man bekommt den Eindruck, dass ihnen der Ausflug in die Welt der vielen Instrumente fürs Erste reicht. Hier, bei diesem Konzert, kann man sich auch schwer vorstellen, dass die Musik, welche die beiden in immer neuen Improvisationen entstehen lassen, durch das Spiel von mehr als zwei Gitarren besser werden könnte.
Man wird es hören, und, wenn es nach dem Willen der beiden geht, auch sehen: denn sie versichern glaubhaft, dass sie sehr gerne anlässlich der Veröffentlichung auch wieder auf deutschen Bühnen stehen möchten. Schön wär’s. Und bis dahin überlegt man sich nach diesem Auftritt, ob man nicht doch noch beginnen sollte, Gitarrenstunden zu nehmen.