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Gesehen! Röyksopp / 16.11.2005, Hamburg, Grünspan

Der gepflegt perfekte Feierabend

Text: Julia Kussius      Live-Fotos: Michael Kellenbenz

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Ein Abend im haarscharfen Gratwandern zwischen dezent langweiligem Mainstream und entzückend emotionaler Tanzbarkeit. So lässt sich kurz, aber auf den Punkt gebracht ein Abend mit dem norwegischen Popdance-Duo Röyksopp resümieren. Mit dem im Gegensatz zum Vorgänger "Melody A.M." noch einmal deutlich poppiger geratenem Album "The Understanding" kann der neugierige Konzertgänger schließlich auch entsprechendes erwarten. Eingängig, gefällig und in perfekt ausgeklügelter Form emotional kreieren die beiden hochgelobten Herren Dancemusik zum Zuhausehören.

Roeyksopp

Dabei hat vom Clubgänger bis zur Couchpotato jeder das Gefühl, "richtig schön" elektronisch beschallt zu werden. Dass sich viele – auch ganz unterschiedliche Ohren – auf Röyksopp einigen können, bewies nicht zuletzt auch ein äußerst gut besuchter Abend im Hamburger Grünspan. Denn wer es trotz Kälte und herbstlicher Bequemlichkeit schafft, eine derart große Schar Konzertwilliger auf die beiden Etagen des alten Konzerthauses auf St. Pauli zu verteilen, der muss eine große Zielgruppe haben. Schließlich schläft auch an diesem Abend die Konkurrenz keineswegs.

Konzert ist aber beileibe nicht Konzert, und dieser Abend zeichnete sich eben ganz besonders durch die Mischung aus Tanzbarkeit und "Livegefühl" aus. Pünktlich um 21 Uhr bereitete der mitgebrachte Support-Act Booka Shade mit harschen Beats und deepen Tönen die eintrudelnde Meute auf die zu feiernde "Party" vor. Klassisches Warming Up nennt sich das. Im knackigen Tempo und Takt ging es weiter. Die ersten Tänzer fühlten sich bereits in Stimmung, die Temperatur näherte sich den oberen Gefilden, und die Spannung stieg. So exakt das Maß an Lautstärke, Schnelligkeit, akademischen Wartezeiten und Sichtverhältnissen eingehalten wurde, so perfekt war der ganze Abend gestrickt. So nahtlos und eben ist das Konzept des Konsensduetts Röyksopp. Dass in der Umbauphase zwischen Vorgruppe und Haupt-Act die ebenfalls aus der kleinen Nische in die Wohnzimmer der ganzen Popgeneration gekletterte Stimme von Erlend Oye erklingt, wunderte da wenig. Niemand sonst würde besser in die Rolle des unaufdringlichen, nicht zu aufwühlenden, aber dennoch sanft einstimmenden Pausenfüllers passen.

Eingetuned auf Emotionalität und Melodien holte einen der choreographisch ebenfalls sehr professionell gestaltete Auftritt von Torbjørn Brundtland und Svein Berge alias Röyksopp ab. Mit einer bombastischen Lichtshow und einem ihrer besten Lieder ("Röyksopps Night Out") gelang in der Tat ein gewaltiger Einstieg in ein Konzert, das diesen gigantischen Start leider nicht in gleicher spannender Weise weiterführen konnte. Was folgte, war ein gut abgeglichenes Verhältnis von alten Hits und Liedern des neuen Albums, die zum Teil von der markanten neuen Stimme Kate Havnevik vorgetragen wurden und bei aller Sympathie immer einen Geschmack von (zu) extrem gepflegter Clubatmosphäre verstreuten.

 

 

Die starken Lichtakzente zauberten in den Räumen des Grünspans zwar eine außergewöhnliche Atmosphäre, erinnerten aber häufig an pompöse Lasershows aus Konzerten der Stadiengröße. Seltsamerweise blieb die visuelle Untermalung des gestylten Auftritts auch bei den Lichtern und brachte so gar keine Animations- und Projektionsüberraschung mit. Schade, denn bei einer "Band", die viel Wert auf Ästhetik und Gestaltung legt, sich dazu in einem recht schnieken und styleorientierten Kontext präsentiert (und mit dem Video zu "Poor Leno" auch bereits bewiesen hat, dass sie einen ausgeprägten Sinn für ergreifende Audiovisualität besitzt), hätte ein begleitendes Multimediaprogramm den Abend ungemein bereichert.

Als das LED-Text-Laufband über der Bühne, welches während des Konzertes die Titel der vorgetragenen Lieder mitteilte, das Publikum nach dem Auftritt mit einem "Wollt ihr mehr?" in den Rufen nach einer Zugabe anfeuerte und dem noch obendrauf ein "Lauter lauter" setzte, gingen der Sinn für Humor bei Röyksopp und so manchem Anwesenden getrennte Wege. Aber die Musik bleibt berauschend schön - live wie auf Tonträger - und beherrscht den schmalen Pfad ergreifender Popmusik, ohne peinlich, banal oder unecht zu wirken. Hoffentlich bleibt das so.

 

Links:

>> Künstlerinfo Röyksopp bei POP FRONTAL

>> Homepage Röyksopp

>> Röyksopp: The Understanding - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

 

Roeyksopp

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Röyksopp @ Grünspan

 

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