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Gesehen! The Roots / 04.12.2004, Hamburg, Große Freiheit 36

Es geht noch besser

Text: Alexandra Beck   

Es gibt Hip-Hop-Konzerte, da stehen die Fans lässig an ihren Plätzen rum, trinken Bier, rauchen Joints, nicken mit dem Kopf, und bei einem Hit heben sie gebieterisch ihren rechten Arm in die Luft und schlagen den Takt mit, so feuert man an. Man kann auch anders anfeuern und das auch auf Hip-Hop-Konzerten. Spätestens wenn sich die klassische Zusammensetzung von einem DJ und in der Zahl variablen MCs um eine Band mit Schlagzeug, bei Bedarf auch noch mit zusätzlichen Percussion-Instrumenten, wie Congas, einem Bass, einem Keyboard und einer Gitarre erweitert, dann befindet man sich meist auf keinem klassischem Hip-Hop-Konzert. Ist dann aber doch Sprechgesang und Beats das elementarste, was auf der Bühne passiert, ist man wohl auf einem Konzert von The Roots.

The Roots

Die Band aus Philadelphia gilt als die beste Hip-Hop-Live-Band überhaupt und verteidigt diesen Titel unangefochten und scheinbar vollkommen unbeabsichtigt mit einer stylischen Lässigkeit seit Jahren. Regelmäßige Touren zeichnen die Jungs ebenso aus, wie die sich stetig steigernde Qualität der Live-Auftritte. Und noch besser, als The Roots in einer netten und überschaubaren Halle zu sehen, ist ganz klar, The Roots auf einem Festival oder noch besser auf einer überschaubaren Open-Air Bühne zu sehen: kein Wunder also, dass viele Fans enttäuscht waren, als im Sommer das Konzert im Stadtpark abgesagt wurde, weil die Band einfach mal eine Auszeit brauchte und nicht mehr touren wollte.

Nun denn, Anfang Dezember war es soweit, und das Hamburg-Konzert ihrer "Tipping Point Tour" wurde in der Großen Freiheit 36 nachgeholt. Und das mit Stroboskop-Licht und Gitarren-Riffs für ein breites Publikum, das sich grundlegend vom typischem Hip-Hop-Fan unterscheidet, und jeder von ihnen hat seine Nische, seinen Hit und vor allem seine gelungene Samstagabend-Unterhaltung gefunden. Während sich der Frontmann Black Thought schick im Nadelstreifen-Sakko zeigt, besticht Questlove mal wieder mit seiner Frisur, die er gerne mal zum Verstauen seiner Drumsticks nutzt. Das Publikum ist von der ersten Minute des gut 100-minütigen Sets an begeistert von der einzigartigen Weise, wie die Roots Hip Hop mischen und zu ihrem eigenen und typischen Sound verschmelzen lassen.

Da darf ein Lied gerne mal mit "Apachi" von der Incredible Bongo Band ausklingen oder mit "Black Betty" eingeläutet werden. Led Zeppelin fehlt ebenso wenig, wie eine eigene Version von "The Message" - ja, die Roots dürfen sich an diesen Klassikern vergreifen, denn sie machen das großartig. Und immer wieder kommt das umfangreiche Musik-Portfolio zum Tragen, das sie auch auf ihren Alben zelebrieren. Da gibt es lange Gitarrensoli und plötzlich den Groove Armada Klassiker "I see you Baby". Der Höhepunkt aber ist ein Medley, das durch viele Jahre Hip-Hop-Geschichte führt und von LL Cool J’s "I need Love", Ol' Dirtys "Shimmy Ya", Salt’n’ Pepas " Push It" und vielen anderen bis zu Beyonces "Crazy in Love" führt. Black Thought jagt das Publikum von einem Hit zum nächsten, und als stilsicherer Rapper zieht er auch nicht beim drohenden Schweißausbruch sein Sakko aus. "Ach, das ist auch von denen?" hört man gerne mal im Publikum, das häufig auf Empfehlung auf diesem Konzert gelandet war und nicht wusste, was es erwartet.

Wahrscheinlich eines der bestmöglichen Hip-Hop-Konzerte. Denn mit ihren insgesamt sieben Alben, haben die Roots nicht nur eine beachtliche Diskographie und jede Menge Hits vorzuweisen, sondern auch eine Bühnenpräsenz und -routine, die nur Spaß macht und niemals droht, das Gefühl der individuellen Konzertminuten zu verlassen. Auch Lieder wie der Hit des letzten Albums "The Seed" werden in vollkommen neue Live-Versionen gepackt und sind gerade mal durch den Refrain wiederzuerkennen. Schade nur, dass die Große Freiheit nach dem Konzert noch die Studentenfutter-Party auf dem Plan hat und somit die Ordner der Band eine Zugabe verweigern. Auch wenn die Fans enttäuscht sind über das abrupte Ende, gehen viele nicht mit leeren Händen nach Hause, da die Band neben Drumsticks, Set-Listen und T-Shirts, die sie ins Publikum werfen, sich auch noch die Zeit nimmt, um Autogramme zu geben.

 

Links:

>> Künstlerinfo The Roots bei POP FRONTAL

>> Homepage The Roots

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The Roots

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