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Gesehen! Santana / 05.07.2006, Oberhausen, Arena

Heißes Gebräu eines Schamanen

Text: Carlo R. Reßler

 

Laut Überlieferung holen Schamanen verlorene Seelen zurück, mischen die richtigen Kräuter zu gesunden Arzneien, wehren böse Geister ab und setzen ihre Musikinstrumente in heilsamen Ritualen ein. All das verkörpert seit knapp 40 Jahren ein wahrer Schamane der Rockmusik: Carlos Augusto Alves Santana. Auch bei seinem Konzert in Oberhausen mischt er für seine Fans ein ganz heißes Gebräu.

Santana

Sein viel beachteter Gig beim Woodstock-Festival 1969 war zweifelsohne der frühe Durchbruch des Mexikaners, der damals gerade das Debütalbum „Santana“ veröffentlicht hatte. Mit seinem Sound und dem unverkennbaren Gitarrenspiel prägt er seitdem erfolgreich einen ganz eigenen Stil: den Latin-Rock mit Variationen aus Blues, Jazz, R’n’B, Pop und einer Prise Reggae. Unüberhörbar ist dabei immer Carlos Santanas’ faszinierende musikalische Handschrift.

In den 90ern Jahren kamen immer weniger Altfans und Hippies zu Santana-Konzerten, und Carlos selbst tauchte auch ein wenig ab. Bis dann 1999 mit dem Welthit „Maria, Maria“ und dem Album „Supernatural“ eines der spektakulärsten Comebacks der Musikgeschichte eingeläutet und im Folgejahr mit dem Rekord von 9 Grammy-Verleihungen gekrönt wurde. Seitdem platzen seine Konzerte wieder aus allen Nähten, doch das Publikum ist ein anderes geworden. Statt der fröhlichen, bunten und wild ausflippenden Fangemeinde von früher kommen nun gestylte Damen mit bierbäuchigen älteren Herren und sitzen meist brav applaudierend auf ihren hochpreisigen Logenplätzen - natürlich ohne den früher obligatorischen Cannabisduft bei Santana-Konzerten zu verströmen. Wie wohltuend wirkt da, dass Magie und Outfit des Meisters selbst sich wenig verändert und auch sein prägender Sound und seine hervorragende Band sich zwar weiterentwickelt, doch nicht grundlegend gewandelt haben.

 

 

Beim Nachholkonzert in der mit ca. 8.000 Besuchern gut gefüllten Oberhausener Arena tritt Sohnemann Salvador Santana leider entgegen der Ankündigung nicht im Vorprogramm auf, dafür aber ein bestens gelaunter Carlos Santana samt 7-köpfiger, großartig eingespielter Band. Gleich zu Beginn hat er auch einen WM-Trost für das Publikum parat: "Klar schade, dass die deutsche Elf ausgeschieden ist, doch dafür habt ihr Erfolg im Leben. Der und das Herz am rechten Fleck sind doch viel wichtiger!" – Wie wahr, wie wahr.

Auftakt zu einer magischen zweieinhalbstündigen Show, die keine musikalischen Wünsche offen lässt. Ob neues Songs vom eher blassen aktuellen Album "All That I Am" oder die Palette der "antiken" Hits von "Oye Como Va", über „Black Magic Woman“ hin zum Woodstock-Klassiker "Soul Sacrifice" - alle Extrakte für ein mitreißendes Schamanenkonzert wurden hier perfekt angerührt. Zwischendurch mit dem jazzigen "Sketches of Spain" eine Verehrung an Miles Davis und mit „A Love Supreme“ eine Hinwendung zur Saxofonlegende John Coltrane. Seine Band, u.a. mit dem Keyboardvirtuosen Chester Thompson und dem Perkussionwunder Raul Rekow, folgt mühelos jeder Richtungswendung des lässig die Gitarrenläufe auf dem Griffbrett hoch und runter jagenden Meisters. Natürlich lässt er seinen Leuten auch genügend kreative Spielräume, beim perfekt getunten 8-Minuten-Solo von Drummer Dennis Chambers erheben sich die Fans vor Verzückung gar von den Stühlen.

Nein, Santana erfindet sich und seine Musik nicht mehr neu, doch dies ist bei einem solchen Ausnahmegitarristen auch nicht nötig. Sein Spiel live zu erleben, ist purer Genuss. Absolut keine Chance erhielten also böse Geister an diesem heißen Sommerabend, doch Platz war für eine große weiße Friedenstaube auf der Leinwand und einige Seitenhiebe auf George W., den Carlos als "Antipol" des Weltfriedens bezeichnete. Ansonsten: sprühend gute Laune und ein purer glasklarer Sound - "Viva Carlos Santana"!

 

Links:

>> Künstlerinfo Santana bei POP FRONTAL

>> Homepage Santana

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Santana

Santana

 

Santana: All That I Am

Santana: All That I Am

(Arista / Sony BMG)

 

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