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Gesehen! The Shaky Hands / 16.11.09, Hamburg, Molotow - Präsentiert von POP FRONTAL
Pubrock auf Kill Rock Stars?
Text: Sandra Kriebitzsch
Das Album "Let It Die" von The Shaky Hands ist auf Kill Rock Stars erschienen. Auf
einem Label, das mehr für Experimentelles wie Deerhoof, Erase Errata oder Bikini
Kill bekannt ist. Sänger Nick Delffs hat sich unlängst in Indien aufgehalten und in Tempeln
gesungen. Im Anschluss sagte er, dass ihn indische Musik durchaus inspiriert
habe - aber nicht etwa zu dem, was man jetzt denken könnte: "It almost inspired
me to make straight forward rock for some reason." Einen gewissen Hippie-Einschlag
haben die Shaky Hands trotzdem, auch wenn sie die Sitar stecken lassen. Und es stimmt: es rockt
und rockt und rockt. Mal Indie, mal Schrammel-Punk, mal psychedelisch angehauchter Gitarrenrock im
allerbesten, klassischen Sinne. An einigen Stellen pub-rockt es gar.
Montagabend in einer Großstadt ist so denkbar der schlechteste Konzerttermin für eine Band, die hierzulande
kaum jemand kennt. Und tatsächlich hat sich nur eine Handvoll Leute im Hamburger Molotow, dem
kleinen Kellerclub auf der Reeperbahn, eingefunden. Die wenigen Anwesenden starren auf die Bildschirme: auf
dem einen läuft "Spinal Tap", auf dem anderen eine Woodstock-Dokumentation, beides ohne Ton.
Die Zeichen stehen auf lange Haare und Hippietum. Eine Vorband gibt es nicht, angenehmerweise fangen The
Shaky Hands gleich um halb 10 an, unbeirrt loszurocken.
Die Songs entfalten live eine noch stärkere Wirkung als auf Platte. Was nicht zuletzt an diesem
langhaarigen Tier von Drummer liegt, der wieder einmal eines zeigt: eine Band ist nur so gut wie
ihr Schlagzeuger. Jake Morris gibt alles, und alle richten sich nach ihm. Bassist Mayhaw Hoons und
Gitarrist Jeff Lehman, ebenfalls mit hippiesker Langhaarpracht, spielen fast die ganze Zeit,
leicht abgewendet vom Publikum, mit Blick in seine Richtung und stampfen im Takt mit den
Füßen. Nick Delffs spielt Gitarre und singt seine Lieder mit dieser wunderbaren
öligen Vibrato-Stimme, die an manchen Stellen ein wenig an Springsteen erinnert.
Songs wie "Slip Away" und "The Sleepless" oder "We Are
Young" haben schlichtweg Hitcharakter.
Nachdem nahezu die Hälfte des Sets verstrichen ist, richtet Delffs erstmals ein paar Worte ans Publikum. Er bedankt sich
artig, dass wir an diesem Montagabend überhaupt gekommen sind. Und bringt einen jener auf dieser Bühne immer
wieder gehörten Sprüche zum umliegenden Rotlichtmilieu. Von schlechter Laune ob der spärlichen Besucherzahl
keine Spur, die wenigen Anwesenden spenden auch ordentlich Beifall nach jedem Song. Nach einer guten Stunde ist ohne
Zugabe Schluss. Die Band kommt von der Bühne herunter, schüttelt Hände im Publikum und bedankt sich
noch mal persönlich für’s Kommen. Sie seien ja schon länger auf Tour, alle ein bisschen krank
und an diesem trüben Herbstmontag froh über jeden Gast. Wir sind gerührt
und bedanken uns ebenfalls. Für ein schönes, rundes Konzert und einen gelungenen Montagabend.