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Getroffen & Gesehen! Shine / 08.10.2004, Hamburg, Molotow - La Rance Party

Auf dem Weg nach oben

Interview: Mathias Frank / Live-Review: Michael Kellenbenz

 

Shine ist eine junge, aufstrebende Pop-Band aus Deutschland, die jüngst ihr Debüt "Rock'n'Roll With A Little Bit Of Style" veröffentlicht hat und sich nun aufmacht, die Welt zu erobern. Ein Schritt auf dem Weg nach oben war der Auftritt bei der La Rance Party im Hamburger Molotow. Beginn der Show: 3 Uhr nachts. Oder nennt man das schon "morgens"? Satte sieben Stunden vorher treffen wir uns mit Sänger Frederic und Basser Thomas, um in der Meanie Bar über den Abend, die Platte und die Zukunft zu sprechen.

Shine

 

Wie reagiert man, wenn man gefragt wird, ob man um drei Uhr nachts in Hamburg spielen will?

Frederic: Ich wurde gar nicht gefragt, nur Thomas. Aber da das ja eine Party ist und es hier in Hamburg am Wochenende ja alles eh erst um 1 Uhr losgeht, finde ich das schon cool und bin sehr gespannt.

Thomas: Die Party veranstaltet ein guter Freund von uns, und die Parties sind immer gut. Es gibt sie seit ein paar Monaten, und es ist immer voll. Die haben ganz klein im Fundbureau angefangen und spielen gute Musik, schönen Indie-Rock, Brit-Pop, Alternative und so. Die Idee ist auf jeden Fall super.

 

Könnt ihr mal den Titel eurer Platte erklären?

Frederic: Das ist ein Zitat aus unserer Single "Popbitch". Wir waren mit dem Album fertig und überlegten, wie wir es nennen können. Und fanden den Titel dann einfach geil. Wir haben dann die These aufgestellt, dass wir Popmusik machen und Rock'n'Roll mit ein wenig Style eben Popmusik ist. Wir wollten mit dem Titel lieber eine Reaktion erzeugen, anstatt einen zu nehmen, den niemand braucht: "Alles wird gut", "Eis am Stiel" oder "I Love You".

 

Und warum die Balken vor dem Gesicht?

Frederic: Auch dazu gibt es eine Erklärung. Wir hatten es erst ohne Balken, und das fand ich zu Bon-Jovi-mäßig. Da musste noch was drauf. Und da hat der Layouter einfach die Balken raufgepackt, und das fanden wir spontan alle geil. Aber ich finde es cool, dass du das fragst! Besser, als wenn man raufguckt und nichts passiert.

 

Was meint ihr, wer eure Musik mag?

Thomas: Coole Leute, haha. Nein, ich denke, es ist sehr querbeet. Es ist eine sehr melancholische, aber gleichzeitig auch sehr kraftvolle Platte. Ich glaube, es gibt keinen Moment, in der man sie nicht hören kann. Wenn jemand Bock hat und sich auf sie einlässt, dann hört er sie und ist damit glücklich.

Frederic: Sie ist nicht modern und nicht unmodern, sondern ich hoffe, so ein bisschen zeitlos. Ich glaube, dass man sie sich noch in zehn Jahren hören kann.

 

Schreibt ihr gemeinsam?

Thomas: Unser Drummer Reiner und ich kennen uns schon lange, aber Frederic haben wir erst vor einem Jahr kennengelernt. Er hat schon ganz lange Musik gemacht, und daher gab es schon Demos. Das war der Grundstein: Hier steht der Zug und lasst uns alle einsteigen. Wir haben also geprobt, aufgenommen und uns super verstanden. Und nun wird sich zeigen, wie es weitergeht. Es wird sich, denke ich, natürlich verteilen. Frederic schreibt viel und da muss man gucken, was der Rest übernehmen kann.

 

Wenn es euch erst ein Jahr gibt, ging das ja schon ganz schön schnell. Plattendeal, Videos, Tour. Dafür brauchen andere Bands zehn Jahre.

Thomas: Die Vorlagen waren ja schon alle recht fortgeschritten. Wir haben einen Gig gespielt und einen Song aufgenommen, und es klappte super.

Frederic: Franz Plasa (Selig), mit dem ich früher schon gearbeitet hatte, meinte, wir sollten mal was zusammen machen. Er hat sein eigenes Label, mit dem er sein Ding durchzieht, und wir haben dann einen Monat später das Album aufgenommen. Das ging alles Hand in Hand.

 

In eurer Bio steht, "'mutig' ist wohl das erste und wichtigste Attribut, das dem Hörer zur Musik von Shine einfallen dürfte". Was meint ihr mit "mutig"?

Frederic: Einfach zu sagen, wie man ist. Es wird in Deutschland ja immer so rumgenörgelt. Warum singt ihr englisch? Wieso tut ihr so, als wärt ihr die große Welt mit großen Streichern? Warum tut ihr so, als ob ihr so international klingen könnt? Darum mutig, weil es uns egal ist. Und wenn wir dann nur 300 Scheiben verkaufen, ist es mir auch wurst. Aber wir haben das gemacht, woran wir glauben. Wir lassen uns nicht reinreden, und was wir auf dem Album abgeliefert haben, ist genau das, was wir machen wollten. Ohne Abstriche! Ich finde es mutig, keinem Trend hinterher zu laufen. Dabei ist es gerade modern, deutsche, pseudo-intelligente Texte zu machen.

 

Und warum habt ihr englische Texte?

Frederic: Weil wir nur englische Musik hören. Wir hören Beatles, aber auch Sachen von Nine Inch Nails bis Radiohead. Eben ganz verschiedene, aber doch englische Musik.

Thomas: Das soll jetzt nicht heißen, dass wir deutsche Musik nicht mögen, aber es liegt eben an jedem Sänger und jeder Band selbst, wie sie sich äußern möchte. Ich finde, die englische Sprache kann sehr poetisch sein, und man kann mit einfachen Worten viel sagen.

Frederic: Und ich mag es, den Mut zur Größe zu haben. Wenn man deutsch singt, ist man eben auf die drei Länder beschränkt. Ich finde, ein gutes Beispiel sind immer die skandinavischen Bands. Die sind so selbstbewusst und sagen: "Klar verkaufen wir das auf der ganzen Welt. Das mögen die Leute in England genau wie in Amerika." Und warum sollen das deutsche Bands nicht auch hinkriegen? Wenn die Musik gut ist, wollen das auch alle Leute hören.

 

Ist das ein Ziel von euch?

Thomas: Ja, schon! Wir würden schon gerne über die Grenzen hinaus spielen.

Frederic: Es müssen ja nicht Millionen Platten sein, die wir verkaufen. Ich finde, wenn man in jedem Land Europas 1000 Platten absetzt und in jedem Land fünf Konzerte spielt – ich meine, wie geil ist das denn? Wir sind ja nun nicht größenwahnsinnig und machen Stadion-Touren à la U2, sondern wollen einfach klein anfangen. Und wenn man gut ist, wollen das die Leute in Tschechien genauso gern hören. Und da hilft es eben, englisch zu singen.

 

Warum solltet gerade ihr das schaffen? Es gibt ja eine ganze Menge deutscher Bands.

Frederic: Aber es gibt nicht viele gute deutsche Bands, die englisch singen. Und wenn man keine Vision hat und nicht an sich glaubt, sollte man gar nicht anfangen. Es ist natürlich ein langer, harter Weg, aber für den sollte man sich nicht zu schade sein. Man spielt halt am Anfang die kleinen Clubs und verkauft nicht Millionen. Aber wenn man über die Runden kommt und das Privileg hat, das zu machen, woran man Spaß hat, ist das schon eine Menge wert.

 

Klingt ihr live anders?

Frederic: Wir haben nicht den Anspruch, das alles genau wie auf dem Album klingen muss. Das wäre ja auch total langweilig. Warum sollte man sich, wenn man sich das Album gekauft hat, das Ganze noch mal genauso live anhören? Auf der Bühne sind die Songs viel straighter und heftiger. Wir sind sehr spontan und nicht sehr durchgedacht, so dass live spannende Dinge passieren.

 

Und dann war es endlich soweit, Shine betraten die Bühne:

Es ist alles ein wenig anders an diesem frühen Samstagmorgen. Shine jetzt mit Violine und ohne den rothaargebirgigen Drummer Reiner Hubert. Wo steckt Stylo-Frontmann Frederic Waldner, der uns auf "Rock'n Roll with a little bit of Style" vor allem mit letzterem in Stimme und Gestus so verzückt? Die Antwort ist ein einfacher Platztausch. Statt der angekündigten 1 Uhr im Rahmen der "La Rance" Partyreihe, sollen sie nun doch den Kollegen "Ich jetzt täglich" Vortritt lassen und werden erst in zwei Stunden auf der Bühne stehen. Wir harren der Dinge, verspeisen zerhackte spicy Chicken und kehren rechtzeitig zurück, um noch die letzten Takte der kommenden Single B-Seite zu vernehmen. Shine, das steht außer jeder Frage, geben sich live naturgemäß viel reduzierter. Da, wo alles begann, im Gitarre-Schlagzeug-Bass-Triangel, ist der Focus ganz klar auf den ersten Teil des Albumtitels gerichtet. Weit ab jeder akustischen Vielspurromantik kommen die Songs härter, die Zerrbilder der Liebe zorniger. "Unser Herzenswunsch ist: Bands müssen spielen. Und gute Bands sollten auch gesehen werden. Und dies am Besten von Leuten, die sie verstehen. Das sexieste Publikum ist immer noch eines, das gern tanzt. Verständlich?!" So wünscht es sich der Veranstalter und sexy, so ist es alles irgendwie schon. Auch weil die Band dort im Molotow in eine winzige Ecke gedrängt spielt, wo sich sonst knutschende, bierbeseelte Pärchen tummeln. Auch weil sich das Mikro mitunter verselbständigt. Auch weil der Auftritt mit sechs Songs ein Quickie ist. Es ist eben alles ein wenig anders an diesem frühen Samstagmorgen im Molotow.

 

Links:

>> Künstlerinfo Shine bei POP FRONTAL

>> Homepage Shine

>> Shine - Rock 'n Roll With A Little Bit Of Style - bei amazon.de

 

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Shine - Rock 'n Roll with a little bit of style

Shine - Rock 'n Roll With A Little Bit Of Style

(Safety Records / Edel)

 

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