Aktuelle Konzerttipps gibt's jede Woche im Newsletter!
Ticket-Shop
Gesehen! The Soft Pack / 06.03.2010, Hamburg, Grüner Jäger
Präsentiert von POP FRONTAL
History Repeating
Text: Sandra Kriebitzsch
Da kommt man als inzwischen doch etwas älteres Semester in Hamburgs Top-Anlaufstelle für
die blutjunge Indie-Hörerschaft, um sich eine ebenso junge
Indie-Band aus Kalifornien anzuschauen. Und diese Band fährt
dann einen dermaßen ausgeprägten Old-School-Sound auf, wie ihn altvordere
Bands schon vor 30 Jahren kreiert haben. Immer wieder erstaunlich,
dass das heute noch funktioniert. Aber warum soll das, was damals gut
war, heute schlecht sein? Eine gewisse Form von Wertkonservatismus
hat sich eben schon längst in vermeintlich progressiven
Musikhörerkreisen breit gemacht. Aber dagegen ist nichts zu
sagen, wenn es so erfrischend schrammlig-schnoddrig wie bei The Soft
Pack aus San Diego zugeht.
Die vier Jungs hatten unter dem
Namen The Muslims bereits zwei EPs und mehrere Singles
veröffentlicht, bevor im Februar dieses Jahres ihr
selbstbetiteltes Debüt-Album erschien. Der Name The Muslims habe
zu vielen rassistischen Beschimpfungen geführt, daher hat sich
die Band entnervt umbenannt. The Soft Pack - angeblich ein Ausdruck
für einen erschlafften Dildo - scheint die Gemüter weniger
zu erregen. Der kleine Kiezclub Grüner Jäger war jedenfalls
gut gefüllt - mit vielen wohlwollenden jungen Menschen und
einigen wenigen Faltengesichtern. Und alle schienen auf den Sound von
The Soft Pack abzufahren.
Bereits um 20 vor 10 standen die
Kalifornier auf der Bühne, um durch ihr ca. 40-minütiges
Set zu rocken. Um 23 Uhr musste das Konzert schließlich durch
sein, um für die Party-People des Samstagsabends den Tanzflur
wieder frei zu machen. Aber dass The Soft Pack es eilig hatten, lag
weniger am Termindruck - es ist Merkmal ihrer Musik. Die prescht
gerne nach vorne los. Schlagzeuger Brian Hill prügelt sogar im
Stehen auf Becken und Trommeln ein, als gelte es, kein Tempo zu
verlieren. Sänger/Gitarrist Matt Lamkin nölt sich melodiös
durch's Set und liefert sich mit Bassist David Lantzman tolle
Wechselgesange. Gitarrist Matty McLoughlin spielt stoisch seine
markanten Riffs. Nicht nur die Musik, auch die leicht entrückten
Frisuren und schluffigen Shirts bestärken die typische 80er
Art-School-Punk-Erscheinung der Band.
Aber so ganz in eine
genaue Schublade lassen sich die Jungs doch nicht stecken. Wenn die
Gitarren in Stücken wie "More Or Less" nicht allzu
sehr zerren, klingen sie poppig wie die guten alten Feelies. Im Song
"Parasites", wenn Matt Lamkin die Gitarre beiseite stellt
und Lead-Gitarrist Matty McLoughlin zu so etwas wie einem
Gitarrensolo kommt, lassen sie es plötzlich krachen, wie es Joy
Division zu Warsaw-Zeiten kaum besser konnten. Und auch Wire-artige,
monoton anmutende Stakkato-Stücke oder ordentliche mit einem
Hauch Sixties versetzte Garage-Knaller fehlen nicht im Programm. Ein
wirklich prächtiger Parforceritt durch vergangene, glorreiche
Zeiten eben, den die Herren ohne Zugabe mit ihren beiden Album-Hits
"Answer To Myself" und "C'mon" beenden. History
Repeating! Why not?