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Gesehen! Sophia / 19.02.04, Hamburg, Fabrik

Die pralle Frühlingssonne samt Wind und Regenschauern

Text: Michael Kellenbenz

Ein wenig traurig klinge der Name "Sophia" ja schon, so Frontmann und Mastermind Robin Proper-Sheppard in einem Interview. Ein wenig traurig drein schauten in der Tat einige der Besucher in der ansehnlich gefüllten Hamburger Fabrik. Andere dagegen knutschten unentwegt, während ein nicht minder beträchtlicher Teil des Auditoriums sich fortwährend in Plauderlaune zeigte. Letzteres war beim gelinde gesagt unaufgeregten Support Jansen noch vertretbar.

Jansen, die aus den eigentlich unsterblichen M.Walking on the Water hervorgegangenen beiden Krefelder, erregten zwar Aufsehen durch einen sich karussellisch drehenden, aus vielen kleinen Lämpchen bestehenden Sonnenschirm, blieben ansonsten aber blass. Eloquenz und Charisma erfüllten erst den Raum, als gegen 22 Uhr Proper-Sheppard und Band die kleine Bühne betraten. Nichteingeweihten fiel es schwer zu glauben, dass dieser Mann im eleganten Dunkelblau mal Mitglied einer Industrial-Kult-Combo namens The God Machine gewesen sein soll und jetzt Lieder schreibt, die auf dem aktuellen Album "People are like Seasons" mit solch scheinender Melancholik vorgetragen werden, dass es einem die pralle Frühlingssonne samt Wind und Regenschauern in die Augen treibt.

"I left You" an den Beginn zu setzen, zeugte schon von ziemlicher Dreistigkeit. Andere würden sich alle vorhandenen Finger danach lecken, einen solchen repetitiven Edelstein als Abschluss auf der Setlist zu haben, Proper-Sheppard warf dagegen diesen großartigen Achtminüter als Opener ins Rennen. "Every Day" und "Oh my Love" wurden danach zum livehaftig gewordenen Teil eines imaginären Mixtapes. Nach Gitarrenwechsel geriet „The River Song“ hörbar zum vielfach herbeigewünschten Teil eines Ganzen, das zu zwei Dritteln aus Songs von "People are like Seasons" bestand, aber auch gerne auf "The Infinite Circle"-Zeiten zurückschaute.

"Swept Back", auf der aktuellen Scheibe schon zum Dauer-Repeat verurteilt, leitete über in einen Zugabenteil, welcher mit "So Slow", dem ersten Stück nach dem Tod des "God Machine"-Weggefährten Jimmy Fernandez, begann. Zugaben, so führte Proper-Sheppard aus, seien der Teil des Konzerts, welcher sich dem Zeitpunkt gefährlich nähere, an dem in den großen Städten die Besucher zu den letzten Bahnen eilen. Diesem Phänomen begegnete er zu oft, aber heute treffe er diese alten "Fans" wieder auf seinen Konzerten, und sie bringen alte "God Machine"-Scheiben zum Signieren mit. Man sah dem Manne während seiner Erzählungen das Unbehagen über derlei Spuren der Vergangenheit nur zu gut an. "The River Song" und das prophetische "A Change Is Gonna Come" ließen kurze Zeit später allerdings den Gedanken an die letzten Bahnen kaum zu und machten vergessen, dass das Licht an diesem Abend auch wieder angehen könnte.

Gar nicht verschlossen und abgekehrt von dieser Welt traten Sophia auf, wie mancher im Vornherein befürchtete. Warum dieses Ganze am Ende "nur" 11 von möglichen 12 Punkten auf der Richterskala bekommen kann, lag lediglich an der Akustik, die, erst einen Tacken zu laut, dem Schlagzeug eine Idee zu viel Präsenz einräumte und dann noch mit kurzen linksseitigen Insuffizienzen zu kämpfen hatte. Wohl dem, der auf der mitternächtlichen Heimfahrt im Nachklang nicht auf die Radiosender unserer Breiten angewiesen war. Ein wenig traurig wäre das dann am Ende doch auch schon wieder gewesen…

 

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