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Gesehen! Stephen Malkmus And The Jicks / 29.09.2005, Hamburg, KDW

Indie-Gott Malkmus: Älter, nicht alt

Text: Simone Deckner

>> Zum Interview vor dem Konzert

Älter werden ist unangenehm: 17-jährige Punks schnorren einen in der Fußgängerzone mit "Haben Sie mal 'nen Euro?" an, beim Besuch in der Indie-Disco überschlägt man, von wie vielen der Anwesenden man die Mutter sein könnte und kommt zu deprimierenden, dreistelligen Ergebnissen. Die Creme für die sensible Augenpartie ist auch schon wieder alle. Nur noch selten hat es etwas Gutes, über 30 zu sein. Etwa, wenn man Stephen Malkmus bereits live gesehen hat, als er noch Sänger und Songwriter von Pavement war. Denn: wenn Malkmus jetzt auf die Bühne geht, spielt er konsequent nur Stücke seiner Solo-Alben, allen voran vom neuesten Werk "Face The Truth".

Stephen Malkmus And The Jicks

Auch wenn das dritte Werk in Deutschland bislang keine überwältigende Resonanz erfahren hat, wie Malkmus im Interview mit POP FRONTAL vor dem Gig lakonisch konstatiert hatte, ist das KdW gut besucht: So oft hat man auch in einer musikverwöhnten Stadt wie Hamburg nicht die Möglichkeit, einen der einflussreichsten und wichtigsten Indie-Songwriter der 90er Jahre live zu sehen.

Doch schon bevor er und die Jicks die Bühne betreten, brennt diese sprichwörtlich. The Cribs schlagen den nicht wenigen jüngeren, augenscheinlich nur ihretwegen angereisten Fans die Gitarren um die Ohren. Drummer Nick besteigt schon beim ersten Song seine Bass Drum, um fortan von oben auf sein Schlagzeug einzuprügeln. Rotziger Rock mit Punk-Attitüde trifft es wohl am besten, was die drei Brüder aus Leeds an diesem Abend auf die Bühne bringen, und das gefällt nicht nur der nervigen Pippi-Langstrumpf-Doppelgängerin im Publikum.

 

 

Dann Auftritt Malkmus: Der Indie-Gott ist seit sechs Monaten Vater, trägt seine Haare deutlich kürzer als auf dem berühmten Surfer-Poster, und das Getränk der Wahl auf der Bühne ist Wasser. Seiner besonderen Ausstrahlung irgendwo zwischen schlichter Freundlichkeit und bissiger Ironie, Nerd-Tum und Fan-Sein ist das alles in nichts abträglich. Malkmus verwirrt das Publikum – Frühzwanziger bis Mittvierziger – mit Kenntnissen über den bevorstehenden Abriss des Musik-Gebäudes am Nobistor, macht sich Sorgen über das politische Schicksal von Gerhard Schröder und philosophiert minutenlang über die Schönheiten von Bremen.

Spielen tut er dann übrigens auch – das Repertoire umfasst nahezu alle Stücke von "Face The Truth", etwas von "Pig Lib" und vom selbstbetitelten Debut-Album. Er tut das mit der ihm eigenen Kauzigkeit, durchsetzt von heiß geliebten kleinen Unberechenbarkeiten wie etwa dem abgewandelten Gitarrensolo bei "Baby C'Mon". Dazu allerhand fliegende Gitarrenwechsel auf und ein begeistertes Publikum vor der Bühne. Prophezeiung erfüllt - Pilger erleuchtet.

 

>> Zum Interview mit Stephen Malkmus vor dem Konzert

 

Links:

>> Künstlerinfo Stephen Malkmus bei POP FRONTAL

>> Homepage Stephen Malkmus

>> Stephen Malkmus: Face The Truth - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

 

 

Stephen Malkmus

Stephen Malkmus

 

Stephen Malkmus: Face The Truth

Stephen Malkmus: Face The Truth

(Domino / Rough Trade)

 

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