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Gesehen! Steven Wilson / 27.10.2011, Köln, Live Music Hall

Grace wide open

Text: Klaus Reckert       Live-Fotos: Tobias Berk

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Der Spitzenkomponist, -sänger, -gitarrist und -keyboarder sowie Starproduzent Steven Wilson hatte in letzter Zeit erfreulicherweise schon mit den Formationen Porcupine Tree, No-Man und Blackfield bei uns gastiert. Und dennoch versprach die hier zu würdigende Tour, schon von der Papierform her ein ganz besonderes Vergnügen zu werden. Warum? Darum: 1. Das primär betourte "Grace For Drowning", Wilsons zweites Soloalbum, ist a) eine wahre Pracht und hat b) die Charts abgeräumt (Einstieg beispielsweise in Deutschland auf #22) 2. War schon die Gästeliste des Studio-Albums ein Zuckerschlecken für Proggies (u.a. mit Steve Hackett, Trey Gunn, Tony Levin, Theo Travis, Jordan Rudess), so trifft auf die Tourband nur noch das Wort "Wunschliste" zu: Marco Minnemann (drms; u.a. The Aristocrats, Mike Keneally, Paul Gilbert, Wolfgang Schmid, Nena, Necrophagist u.v.a.), Nick Beggs (bss, stick; u.a. Steve Hackett, Iona, Kajagoogoo), Aziz Ibrahim (guit; u.a. Simply Red, The Stone Roses, Asia), Adam Holzman (key; Gary Husband musste gesundheitsbedingt kurzfristig ersetzt werden) und Theo Travis (flt, sax, clar; u.a. Gong, The Tangent, Soft Machine Legacy). 3. Der dänische Regisseur und Multimedia-Experte Lasse Hoile (u.a. Dream Theater) hat exklusive Projektionen und Filmszenen für die Shows vorbereitet. 4. Dieses illustre Package begab sich nun also gemeinsam auf Wilsons "first ever solo tour of Europe and North America", auf der 5. Stücke von sowohl "Grace For Drowning" wie auch vom durchaus nicht zu verachtenden Vorgänger "Insurgentes" gespielt wurden.

Steven Wilson

Auch der Technical Rider zur Tour hatte schon einiges erwarten lassen: "This is not a standard Rock’n Roll Show!" stand da geschrieben, und das Dokument verlangte neben einer bis zum vierten Stück mit Gaze abgehängten Bühne auch echte Quadrophonie durch Lautsprecher an den Rückwänden sowie "Speakers capable of continuous 105 dB (A) at FOH position"... Deren Güte konnte man alsbald testen: Nach erfolgreich mit einem übrigens völlig entspannt wirkenden, sehr sympathischen Steven Wilson absolvierten Interview wurde der Berichterstatter via Backstage in die Halle entlassen, die vor dem "Doors Open" noch völlig menschenleer war.

Dennoch war das von Mr. Wilson ersonnene Gesamtkunstwerk bereits im Entstehen: Soundscapes von seinem Nebenprojekt Bass Communion begannen, durch den Raum zu schweben, was zusammen mit der leeren LMH eine einzigartige Atmosphäre ergab. Später kamen - natürlich - die rund 800 Zuschauer des heutigen Abends dazu, die Lautstärke erhöhte sich permanent, und es wurden erste Hoile-Bilder auf den gewaltigen Gazeschleier projiziert, der wunschgemäß die Bühne zum Zuschauerraum halb durchsichtig abdeckte. Installation statt Vorgruppe - und diesem Kunstgenuss konnte und musste man sich nun noch bis ca. 20:30 Uhr hingeben - für manchen eine Geduldsprüfung, für Fans eine Offenbarung.

Als dann endlich das sich ändernde Licht den Blick auf die Bühne freigibt, setzt der unglaubliche Marco Minnemann mit energischen Rolls der Konservenmusik ein Ende. Er und das freundliche Bass-Monster Nick Beggs sorgten für die ersten Akzente bei einer Konzertinszenierung, die optisch, lautstärke- und soundtechnisch einfach überrollte (100 dB wurden häufig erreicht, vgl. Foto). Schließlich war die Truppe komplettiert, gewaltiger Beifall des übrigens - der Single "Postcard" sei Dank - einen für Progmusik erstaunlich hohen Frauenanteil aufweisenden Auditoriums begrüßt den jungenhaft wirkenden, gerade 44 gewordenen Bandleader. Die Kabuki-haft über der Band "schwebenden" Projektionen geben Stücken wie dem Crimsonesken "No Twilight Within The Courts Of The Sun" etwas Video- bzw. Spielfilmhaftes. Doch bei aller Festlegung und Konzeptverliebtheit tobt gerade Wilson bisweilen derwischartig über die Bühne, ist jetzt ganz offensichtlich aufgeregt und in ausgelassener Spiellaune. Erst zu "Postcard" fällt die Gaze und verändert die Szene zu einem "üblichen" Stage Setting eines Rockkonzerts. Fast nach Metal sieht es gegen Ende aus, als Steven plötzlich sogar mit der vom "Insurgentes"-Cover bekannten Gasmaske erscheint. Nach der donnernden Zugabe "Get All You Deserve", während das Publikum sich schon trollt, kehren sogar die Soundscapes wieder zurück - was den Eindruck einer Endlosschleife noch verstärkt.

 

Setlist

1. No Twilight Within the Courts of the Sun
2. Index
3. Deform to Form a Star
4. Sectarian
5. Postcard
6. Remainder the Black Dog
7. Harmony Korine
8. Abandoner
9. Like Dust I Have Cleared From My Eye
10. No Part of Me
11. Veneno Para Las Hadas
12. Raider II
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13. Get All You Deserve

 

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Links:

>> Info/Konzerte Steven Wilson bei POP FRONTAL

>> Live-Tipp (12.10.11): Steven Wilson - Grace For Touring

>> Video "Index - Live at Shepherds Bush Empire" bei youtube.com

>> Video "Sectarian - Live at Shepherds Bush Empire" bei youtube.com

>> Homepage Steven Wilson

>> Homepage Grace For Drowning

>> Steven Wilson: Grace For Drowning - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

 

 

Steven Wilson

 

Steven Wilson

 

Steven Wilson

Steven Wilson @ Köln

 

 

Steven Wilson: Grace For Drowning

Steven Wilson: Grace For Drowning

(K Scope / Edel)

 

 

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