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Getroffen! Interview mit Maurice Summen (Die Türen) / Dezember 2007

"Es herrscht Redebedarf und Redefreiheit."

Interview: Sandra Kriebitzsch

Kurz vor Start ihrer Dezember-Tour baten wir Maurice Summen, Sänger der Berliner Band Die Türen und Inhaber des Labels Staatsakt, zum Interview. Unlängst haben Die Türen ihr drittes Album "Popo" veröffentlicht und dafür scheinbar in der Tankstelle am Rande unseres Planeten eine kräftige Ladung Soul, Disco, New Wave, Rock, Boogie getankt – nun bitten sie zum Tanz in die Clubs. Und da Die Türen nicht nur Töne in Bewegung bringen, sondern auch gekonnt Worte zu jonglieren wissen, wird der eine oder andere verbale Schlagabtausch nicht ausbleiben. Denn: "Es herrscht Redebedarf und Redefreiheit." In diesem Sinne! Manage frei: Maurice Summen im Gespräch!

Die Türen

Maurice Summen (Die Türen)

 

Warum heißt Eure neue Platte "Popo"?

Maurice Summen: Ist einfach ein guter Titel. Ich wurde noch nie so oft nach der Bedeutung eines Titels gefragt wie bei "Popo". Finde ich erstaunlich. So gesehen erfüllt der Titel seinen Zweck ganz formidabel.

 

"Uncool ist das neue Cool" - sind Aldi-Tüten inzwischen cool?

Maurice Summen: Darum geht es uns nicht, um cool oder uncool. Wir sind ja keine 10-jährigen Sponge-Bob-Fans. Es geht eher um Fragen wie "arm oder reich". Um die Umverteilung von Kapital. Um Einkäufe mit kleinem Geldbeutel, um das Pech der Armen und das Glück der Reichen. Und umgekehrt. Also "Bikini-Bottom" in real.

 

Welchen Einfluss haben die Neuzugänge Michael Mühlhaus (Ex-Blumfeld) an den Keyboards und Schlagzeuger Markus Spinn auf den musikalischen Output gehabt?

Maurice Summen: "Popo" ist eine Bandplatte. Was den Sound und die Dynamik angeht, haben alle Instrumentalisten ihre Spuren hinterlassen. Mit einem anderen Schlagzeuger hätten wir niemals den einzigartigen Rhythmus unseres Herrn Spin. Und kein Keyboarder, der mir einfallen würde, spielt so wie Michael Mühlhaus.

 

Auf "Popo" verwendet Ihr nicht nur viele musikalische Referenzen. In den Texten zitiert Ihr oftmals Alltagsredewendungen und andere Bands. Wie würdest Du selbst das dahinter steckende sprachliche Konzept beschreiben?

Maurice Summen: Das Konzept ist ganz einfach: Die Sprache ist lebendig. Wie im HipHop oder Punk kommt bei uns einfach alles zur Sprache, was zur Sprache kommen muss. So wie ein Gespräch unter guten Freunden: Uns ist erstmal nichts peinlich. Es herrscht Redebedarf und Redefreiheit.

 

Die Türen sagen: "Kunst ist die Cousine der Arbeitslosigkeit". Was ist die Kunst des Musikmachens für Euch? Arbeit? Gehobene Form der Freizeitgestaltung? Etwas, das Euch von einer "ordentlichen" Arbeit und damit vom Reichtum abhält?

Maurice Summen: Die Türen haben sich diesen Satz aber ausgeborgt, und zwar beim Berliner Autor Thomas Kapielski. Ich fand den immer extrem stimmig. Musik ist erstmal lebensnotwendig. Sie hält uns keineswegs von "ordentlicher Arbeit" ab. Ich weiß gar nicht so genau, was das sein soll, ordentliche Arbeit?! Wer macht denn die? Beamten vielleicht?

 

Rocko Schamoni sagt, Ihr seid "das Beste, was es zur Zeit in diesen Straßen zu finden gibt!" Du selbst sagst (vgl. intro-Redaktions-Charts 2007), dass "Popo" das beste Album 2007 sei. Was macht "Popo" so viel besser, als alles andere, was in diesem Jahr erschienen ist?

Maurice Summen: Ich verabscheue jedes Superlativ im Musikgeschäft. Ich finde es grausam, Musik an Verkaufszahlen oder auch an anderer Musik zu messen. Da ist mir viel zu viel Sportsgeist drin. Dass ich die Platte in meinen persönlichen Jahrescharts auf Rang Eins gesetzt hab, war erstmal pure Provokation (und siehe da: schon wird man darauf angesprochen). Zweitens habe ich dieses Jahr fast gar keine andere Musik gehört. Die Produktion dieser Platte hatte mich voll und ganz im Griff: Mit Haut und Haaren. So gesehen ist es für mich auf jeden Fall die Platte des Jahres. Rocko Schamoni ist ein ausgebuffter Medienprofi und weiß, wohin man die Messlatte hängen muss...

 

Ihr geht Anfang Dezember auf Tour. Was dürfen die Zuschauer erwarten? Von welcher spießigen Seite werden wir Dich bei den Konzerten kennen lernen?

Maurice Summen: Oh, ich denke ein Türen-Konzert ist immer etwas Besonderes. Das liegt vor allem an den Charakteren, die da zusammen Musik machen. Von Soul über Garagenrock und Electro bis hin zu psychedelischen Ausflügen ist da alles drin. Eine kleine Reise durch die Pop- und Rockgeschichte. Spießig ist sicherlich mittlerweile mein Anspruch an gutes Essen, bequeme Betten und höfliche Menschen um mich herum geworden.

 

Ist es das, was man will, wenn man eine Platte herausgebracht hat: die Songs endlich auf die Bühne bringen? Wie wichtig ist das Live-Spielen für Euch?

Maurice Summen: Natürlich extrem wichtig, sonst würden wir uns den Stress nicht antun. Ein, zwei Wochen auf Autobahnen, in Backstage-Räumen und morgens vor Instantrührei-Buffets zu stehen, ist nicht so glamourös, wie es von außen vielleicht manchmal aussieht. Um zu Deiner Frage nach Arbeit zurückzukommen: Das ist unsere Arbeit.

 

Mit welcher Band würdet Ihr gerne mal zusammen touren?

Maurice Summen: Könnte mir einiges vorstellen, behalte ich aber lieber für mich.

 

 

Links:

>> Künstlerinfo / Tourdaten Die Türen bei POP FRONTAL

>> Homepage Die Türen

>> Die Türen: Popo - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

 

 

Die Türen

 

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Die Türen: Popo

Die Türen: Popo

(Staatsakt / Indigo)

 

 

 

 

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