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Gesehen! 18. Wacken Open Air / Wacken, Auf der Wiese, 2. Tag: 05.08.2007

Stille Wasser & Strohfeuer

Text: Klaus Reckert      Live-Fotos: Stephan Kunze

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Animierendes Wetter und bollernde Drumkit-Soundchecks locken aus den Lümmeltüten. Der uns am nächsten liegende Soundcheck stammt von Suidakra, die das tatsächlich noch sehr schön alles selber machen. Die Mannen um Sänger/Gitarristen Arkadius sind dabei sämtlich in eigenen "Caledonia"-Shirts uniformiert. Und freuen sich sichtlich, dass sie für Belphegor auf der Black Stage "einspringen" dürfen.

Wacken Open Air

Ihr diesmal mitgebrachter Bagpipe-Spieler sorgt für fette Farbtupfer bei Folkmetal-Knüllern wie "Darkane Times", "Gates Of Nevermore", "One Piece Puzzle" (Skyclad-Cover) oder "Wartunes" - bei dem Suidakra leider der Saft abgedreht wurde. Doch endlich ist diese sympathische, schwer arbeitende Band da, wo sie hingehört - auf die großen Bühnen.

Aufregung ganz anderer Art ergibt sich vor dem geplanten Auftritt von Amorphis: Rechts vor der True Stage brennen mehrere Strohballen. Die Organisation reagiert bemerkenswert flott. Feuerwehr (die "Wacken Firefighters") ist im Handumdrehen zur Stelle und der eigentliche Brand schnell gelöscht. Wobei das Metalvolk dies erst ermöglicht, indem es sich auf dem inzwischen schon knallvollen ("wie soll das erst bei den Headlinern werden?") Gelände zügig rüber zur Black Stage quetscht. Alle bleiben denkbar cool. Dennoch drängt sich die Frage auf, wie sich solch ein Vorfall bei komplett vollem Infield gestalten würde. Nach Verlöschen des Feuers wird das Stroh vorsichtshalber noch weiträumig angefeuchtet. In der Zwischenzeit ist auch schon uhrwerksmäßig umgeplant worden: Die neue Stagetime von Amorphis wird verkündet und Napalm Death auf der Black Stage werden vorgezogen. Barneys Feuerspezialisten erweisen sich mal wieder als sichere Groove-Bank und feiern ihr 26-jähriges Bühnenjubiläum mit einem Liederzirkel vom ersten Album über das relativ frische "When All Is Said And Done" bis hin zum Dead Kennedys-Song "Nazipunks fuck off". Die Massen bedanken sich mit dem wahrscheinlich wüstesten Kreisel-Moshpit des Festivals.

Einen Versuch mit Communic brechen wir relativ schnell wieder ab. Zum einen, weil der als "progressiv" verschriene Metal des norwegischen Quartetts vor Ort denkbar glatt, ja sogar teilweise recht soft rüberkam. Und zum anderen, weil man nach dem Einsetzen von Amorphis auf der True Stage ohnehin nur noch einen Soundmix vor der Party Stage hätte verfolgen können. Bei ihrem verbleibenden Publikum aber scheinen Oddleif Stensland & Co. mit Material wie "Waves Of Visual Decay" gut anzukommen.

Doch weiter zu Amorphis. Tomi Joutsen besticht nicht nur mit unglaublichen Dreadlocks, sondern auch mit der neben Fernando Ribeiro (Moonspell) vielleicht beeindruckendsten Singstimme des Festivals. In Sekunden wechselt er von wirklich berührendem klarem Gesang à la Vintersorg oder ICS Vortex zu abgrundtiefem Grunzen - je nachdem, was die atemberaubende Setlist verlangt. Von "Alone" über "House Of Sleep", "Against Windows", "Black Winter Day" bis hin zum immergrünen "My Kantele" wurde alles aufgeboten, was Amorphis-Fans lieb und teuer ist, einschließlich aktuellen Materials von "Silent River". Unnötig und schade allerdings, dass beispielsweise Akustik-Gitarren als Sample beigemischt wurden. Deutlich geteilt die Publikumsreaktionen: Für die einen ein Götterauftritt, andere sichtlich gelangweilt. Amorphis polarisieren deutlich.

Genau wie das Operngeschwader von Therion: Die einen freuen sich über Monster-Backdrop, vier Sänger(innen), opulente Inszenierungen von Material wie "The Blood Of Kingu". Andere suchen beim ersten Kontakt mit dem Knödeltenor von Thomas Vikström (ex-Candlemass, Ersatz für den kurz vor'm W:O:A ausgeschiedenen Mats Levén) und den Koloraturen der Sopranistinnen das Weite. Oder zumindest eine attraktive Imbissbude. Die theatralische Bühnenshow schließt übrigens die "Verlesung" von Sangespassagen aus einem ledergebundenen Buch ein.

 

 

Das denkbar krasseste Kontrastprogramm hierzu bieten die dänischen Volbeat, allerdings leider mit über halbstündiger (noch feuerbedingter) Verspätung. Doch etwa ab dem räudigen Schweinerockprogramm aus Kopenhagen läuft das Festival wieder nahezu nach Plan.

Und auf dem steht: Lacuna Coil, die für manch einen ja noch mehr optische als musikalische Meriten aufweisen. Cristina Scabbia und Sangeskollege Andrea Ferro haben die Menschentrauben vor der Black Stage jedenfalls gut im Griff. Und selbst ein sich gelegentlich einstehlendes Gerappe kann das generelle Vergnügen an z. B. "Fragments Of Fate", "Fragile", "Higher Ground" oder dem Depeche Mode-Stück "Enjoy The Silence" nicht trüben.

Weiter zu der zur Abwechslung mal fast leeren W.E.T.-Stage: Mit "We are The Answer - and we'll make you cry" weiht Sänger Cormac Neeson die wenigen Getreuen eingangs ein. Keiner dürfte sein Bleiben bereut haben, denn die hohe Stimme von Jeanstyp Neeson und Stücke wie "Never Too Late" oder "Under The Sky" tragen ebenso sicher wie die geschmackvollen Soli von Gitarrist Paul Mahon über die tiefen Matschgräben am Zeltboden hinweg. Und über einen starken Rock'n’Roll-Auftritt. Wie ja auch schon bei der Rockpalast "Classic Rocknacht" im Juni des Jahres.

Zeit für den Freitagsheadliner Blind Guardian. Auch wenn es nun langsam auf dem Infield wirklich nicht mehr voller werden kann: die Wacken-Veteranen wirken zumindest auf uns im Vergleich zu früheren Auftritten doch etwas müde. Natürlich wurde die volle Krefelder Schlachtplatte aus der aktuellen Single "Fly", aus Valhalla "The Bard Song", "Imaginations From The Other Side" und "Mirror Mirror" aufgetischt, aber die rechte Begeisterung wollte sich diesmal einfach nicht einstellen.

Weit eher jedoch bei der diesjährigen Ausgabe von Dimmu Borgir. Mit brillantem Sound schlagen die kalten Wogen von "Progenies of the Great Apocalypse" über uns zusammen. Die finstere Entschlossenheit der Schwarzheimer und die teils majestätische Schönheit ihrer Kompositionen lässt die Zuschauer bis zu "Spellbound (By The Devil)" und dem immer wieder für Gänsehäute taugende "Mourning Palace" nicht aus dem Bann. Unser Fotograf erfährt unterdessen die Entschlussfreudigkeit mancher Dimmu-Anbeter. Ein wahrlich fanatisches Exemplar bietet ihm (sichtbar vorgewiesene) 1.000 Dollar Bares im Tausch gegen seine Kamera mit Speicherkarte. Dies, nachdem er einiger geschossener Fotos ansichtig geworden war. Da unser Mann im Fotograben aber standhaft blieb, gibt es auch in diesem Jahr wieder W:O:A-Fotogalerien bei POP FRONTAL ;-)

Bei mittlerweile doch deutlich nasskühler Luft rufen die Glocken nun - buchstäblich - zu Iced Earth, die offensichtlich versuchen, Luft und Boden mit Pyro-Einsätzen von der Bühne aus zu trocknen. Nachdem die Kollegen x-mal Touren angekündigt hatten, doch nie erschienen waren, und angesichts des interessanten aktuellen Albums "Framing Armageddon", sind wir auf diesen Auftritt ganz besonders gespannt. Doch irgendwie will trotz all des Feuerwerks der Funke nicht überspringen. Was man vom tobenden Mob erfreulicherweise nicht sagen kann. Riffmeister Jon Schaffer, sein gar nicht mehr so neuer Sänger Tim "Ripper" Owens (vor den Pyro-Dauerfeuer zurückzuckend) und der tatsächlich neue Gitarrist Troy Seele scheinen sogar noch enthusiastischer abgefeiert zu werden als zuvor die Blindgardinen. Zu den Höhepunkten des Sets, das leider unter anfänglichen Soundproblemen litt, gehören "Violate", "10.000 Strong" und das von Schaffer gesungene "Stormrider".

Die abermals vorzüglichen, mit Industrial kokettierenden Blackmetaller Samael konkurrieren mit nicht mehr zu ignorierenden Ermüdungserscheinungen auf Seiten des Schreiberlings. Am großartigen Auftritt von Vorph & Co. und Songs wie "Shining Kingdom" hat es jedenfalls nicht gelegen.

 

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Links:

>> Festivalinfo Wacken Open Air 2007 bei POP FRONTAL

>> Festivalbericht Wacken Open Air 2006 bei POP FRONTAL

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