Startseite POP FRONTAL

Gesehen! 19. Wacken Open Air / Wacken, Auf der Wiese, 1. Tag: 31.07.2008

Familientreffen

Text: Klaus Reckert      Live-Fotos: Christoph Lenz

>> Foto-Galerie     >> Bericht 2. Tag     >> Bericht 3. Tag    

 

Endlich wieder W:O:A! Endlich wieder ad acta gelegte Pleistozän-Gespenster wie Girlschool im Billing, aber auch endlich mal wieder Maiden live: Das hatten gleich uns noch deutlich über 70.000 gedacht und die 19. Ausgabe des Kultfestivals für den harten Geschmack zur bislang belebtesten gemacht. Bereits im März konnten die Veranstalter den Ausverkauf melden. Bislang beispiellos in einer allerdings von Jahr zu Jahr mehr Massenmedien-Aufmerksamkeit erringenden Erfolgsgeschichte. Dieses Jahr waren 2.500 Journalisten aus aller Welt vor Ort.

Iron Maiden

Iron Maiden

Apropos Girlschool: Das war nicht etwa ein Scherz. Diese "Mädchen" rockten sich tatsächlich als Festival-Eröffnung durch ein, hm, Greatest Hits-Programm. Denn als "Best Of" kann man das nun wirklich schwer bezeichnen. Aber "Race With The Devil" war ja auch schon '86 scheiße. Dennoch - dem Zeltaufbauen und auf Kumpels warten verlieh es einen gewissen Schwung, während auch um uns herum auf dem V.I.P.- und Pressecamping-Areal bei diesen Tönen keinerlei, aber auch wirklich nicht die geringsten Anzeichen eines Runs auf's Festivalgelände zu bemerken waren.

Vor die Black Stage lockte uns allerdings Lauren Harris. Dass Steve Harris' Tochter und ihre Band den ersten Teil der "Somewhere Back In Time"-Welttournee der Maidens als Vorprogramm begleiten durfte, machte auch den Eröffnungstag des 19. W:O:A zu einer Art Familientreffen - als das sich dieses Festival allerdings trotz aller inzwischen zu beobachtenden Gigantomanie ohnehin noch häufig anfühlt. Miss Harris ist bildhübsch und arbeitet mit einer ausgesprochen lasziven Bühnenshow, bei der sie weite Teile des Gigs mit 90 Grad zurück gebogenem Oberkörper und entsprechend ins Publikum gereckter Beckenregion absolvierte. Solang's die Bandscheiben hergeben... Was dem, was sie als Gesangstechnik auszugeben versucht, keinen Abbruch tat. Die präsentierten Kompositionen (meist vom Album "Calm Before The Storm") waren dem Simpelst-Hardrock zuzurechnen, unterhielten aber - zumindest in dieser Optik dargeboten - die Massen offensichtlich ganz ausgezeichnet: "Like It Or Not" oder "Let Us Be" wurden jedenfalls je nach Alkohol- und Testosteron-Pegel verbindlich bis frenetisch beklatscht.

Apropos Sexismus - schnell weiter zu Nashville Pussy, die gerade die True Metal Stage mit einer "Rose Tattoo meets Quiet Riot"-Version von "Nutbush City Limits" bespaßten. Weitere Erkundung des Geländes schließen sich an, wobei wenige Neuerungen auszumachen sind. Allerdings wurde heuer lobenswerterweise die künstliche Abteilung der Party Stage beseitigt, die 2007 noch zu potenziell gefährlichen Menschenverklumpungen geführt hatte.

 

 

 

Gruppenbild mit Dame

Kurz nach sieben: Die rumänische Black Metal-Formation Negura Bunget zeigt der Wet Stage, wo Satan den Most holt. Und wie ein Klangholz klingt. Und zu was für majestätischen Steigerungen sich diese Musikrichtung aufpeitschen lässt, wenn Meister des Fachs sie episch-opulent inszenieren. Von Blockflötenpassagen über geschmackvolle Samples seitens der Keyboardbeauftragten bis hin zu Feedback-Orgien schien bei diesem Ketzer-Metal alles in den Dienst einer hohen künstlerischen (wenn nicht gar diabolischen) Intelligenz gestellt. Nach diesem erhebenden Erlebnis noch ein paar Takte von Airbourne. Die australischen Jungspunde ließen mit nett gemachtem Rock'n'Roll ("Too Much, Too Young, Too Fast") die Luft erzittern.

Warten auf Iron Maiden und ihren einzigen Festivalauftritt in deutschen Landen in diesem Sommer. Das "Doctor, Doctor"-Intro (im Original von UFO, aber vgl. Maidens '96er Virus-EP) lockt noch die letzten Metalheads zu einem entsprechend überfüllten Gig, der allerdings via sechs Videoleinwände noch auf alle anderen Bühnen und den "Movie"-Bereich übertragen wird. Der zunächst in Harlekinhose und Kopfsocke gewandete Bruce Dickinson tobt wie ausgebrochen durch prachtvolle, teils ägyptisch anmutende Bühnenaufbauten und ein Set von Maiden-Nummern, die jahrelang - teils seit einem Vierteljahrhundert! - nicht mehr zum Standardprogramm gehörten, wie The Bruce erläutert: "The Ides Of March", "Aces High", "Two Minutes To Midnight", "Revelations", "The Trooper" (wozu sich Mr. Air Raid Siren entsprechend umzog und athletisch den Union Jack schwenkte), "Wasted Years" (wirklich lange nicht gehört. Starke Ansage), "The Number Of The Beast" (unvermeidlich; unheimlich gute Version), "Can I Play With Madness", "The Rime Of The Ancient Mariner" (bei dem The Bruce einleitend die selbst schon legendär gewordene Ansage vom "Live After Death"-Album zitiert; das Ganze vor Bootskulissen), "Powerslave" (Pyramiden wurden sichtbar; Bruce mit Federmaske - sparsame, aber ungemein effektvolle Accessoires, also Iron Maidens "Free Bird", wo beispielhaft aufgeführt wurde, was man mit drei Sologitarristen veranstalten kann), "Heaven Can Wait" (das ca. 100 Fans auf der Bühne sieht. Die darauf vermutlich auch lange gewartet haben), "Run To The Hills", "Fear Of The Dark" (mit auffallend gelungen mitsingendem Publikum, "Iron Maiden"... Die Zugaben waren "Moonchild" (bei dem Eddy über die Bühne schwankte), "The Clairvoyant" und schließlich "Hallowed Be Thy Name", bei dem ein teuer aussehendes Feuerwerk losbrach. In Summe ein starkes Konzerterlebnis, das sämtlichen Band- (und Sänger-)Perioden gerecht zu werden versuchte und die von den Publikummassen sichtlich angetan scheinenden Maiden in vortrefflicher Form zeigte. Besonders viele Sympathien hatte Band und aktuellem Sänger eine Szene am Anfang verschafft, wo Bruce - ob gestellt oder wirklich spontan, sei dahingestellt - den Auftritt unterbrach, bis eine der (nicht nur ihn) störenden Galgenkameras von der Bühne weggedreht war ("Park the fucking crane! This is a rock show, no fucking television").

 

Dixiland After Dark

Als weniger prickelnd wurde erlebt, dass das Infield-Gelände zwischen 23:30 und 00:00 Uhr sehr schwungvoll weitestgehend geräumt wurde. Die unaufhaltsame Metal-Party ging zwar jeweils irgendwo weiter, aber definitiv nicht in Sichtweite der jetzt verdunkelten Bühnen. Auch die Privilegierten, die sich theoretisch im Backstage-Bereich bewegen durften, standen plötzlich ebenfalls vor - ohne erkennbarem Grund - von breitschultrigen Sicherheitsbeauftragten verschlossenen Zu- bzw. Ausgängen und mussten eine halbe Umrundung des Festivalgeländes auf sich nehmen, um zu ihrer Heimstatt oder zu neuen Wasserstellen zu gelangen. Wobei der Marsch allerdings auch einige interessante Perspektiven bot...

 

>> Zur Foto-Galerie     >> Zum Bericht 2. Tag     >> Zum Bericht 3. Tag    

 

W:O:A 2008 at a glance

GOODIES

- Band-Mix.

- Zur Abwechslung tendenziell sinnvolle und glaubwürdig erscheinende Reunions.

- Negura Bunget, Iron Maiden und deren Bühnenarchitekt in bester Form. Cynic, Ensiferum, Opeth, Mercenary, As I Lay Dying, Carcass!

- Neues Verkehrskonzept funktioniert - kaum Staus.

- Weiterhin turboschnelle Abfertigung am Akkreditierungscontainer.

- Verlegung der Partystage, dadurch etwas weniger Soundbrei bei parallelen Auftritten, aber jetzt unter Beseitigung des Bottleneck, der im Vorjahr noch existierte.

- Vergrößerung des Wetstage-Zeltes.

- The Bruce unterbindet Galgenkamera-Turnerei vor laufenden Kameras.

 

NOT SO GOODIES

- Mit gemeldeten 75.000 Menschen wirkt das Gelände nach wie vor am Rande seiner Kapazitäten.

- Die "Night To Remember" am Donnerstag fand zumindest programmtechnisch ein erinnerungswürdig-abruptes Ende.

- Sweet Savage statt Exodus bewundert - selbst schuld.

- Taschendiebstahl als neue Modeerscheinung.

- Sabina Classen als Markt- oder Thrash-Schreierin: schön und gut. Als "Moderatorin" von Pressekonferenzen: das geht GAR nicht...

 

 

Links:

>> Festivalinfo Wacken Open Air 2008 bei POP FRONTAL

>> Homepage Wacken Open Air

>> Festivalbericht Wacken Open Air 2007 bei POP FRONTAL

>> Festivalbericht Wacken Open Air 2006 bei POP FRONTAL

>> Festivalbericht Wacken Open Air 2005 bei POP FRONTAL

>> Festivalbericht Wacken Open Air 2004 bei POP FRONTAL

>> Homepage Girl School

>> Homepage Lauren Harris

>> Homepage Nashville Pussy

>> Homepage Negura Bunget

>> Homepage Airbourne

>> Homepage Iron Maiden

>> Iron Maiden @ Wacken 2008 bei youtube.com

 

Lauren Harris

Lauren Harris

 

Negura Bunget

Negura Bunget

 

Iron Maiden

Iron Maiden

 

 

Startseite | Tickets | Konzertsuche: Genres | Konzertsuche: Städte | Konzertsuche: Bands A-Z | Konzertsuche: Festivals |

Magazin | Rundbrief | Live-Tipps | Archiv: Live-Berichte |

Konzerte eintragen | Content-Broking | Impressum | Datenschutz

© POP FRONTAL, 2003-2018; Design by Akupower!