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Gesehen! Who Knew / 02.06.2010, Offenbach, Hafen 2
Live ein noch schöneres, wahres Kunstwerk
Text: Claudio Castello Live-Fotos: Moritz Lehmann
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"Bits And Pieces Of A Major Spectacle" heißt das Album der isländischen Freunde von Who Knew. Und genau diese Dinge feiern sie heute Abend in höchster Klangdichte im Hafen 2: die kleinen Schnipsel, die das große Spektakel Leben so lebenswert machen. Wer nicht schon freudetrunken von der sonnig beschwingten Atmosphäre eines lauen Juniabends über das Hafen-Gelände stolpert, den pumpen Who Knew bei ihrem Konzert musikalisch mit dermaßen viel Dopamin voll, dass man schielt. Das fühlt sich nicht nur gut an, das klingt auch hervorragend.
Die Sonne über den Booten verschwindet langsam in der Abenddämmerung. Die Strandstühle auf der am Wasser liegenden Wiese des Hafen 2-Geländes werden allmählich zu frisch, aber wenigstens den letzten Schluck Bier möchte man in der perfekten Szenerie des ehemaligen Industriehafens genießen. Was jetzt noch fehlt, ist der passende Soundtrack zum Sommer: den liefern Who Knew auf ihrem Debütalbum und an diesem Abend live im Hafen 2 in Offenbach am Main.
Und tatsächlich: trotz des von sphärischer Melancholie und verstörenden Klängen von Künstlern wie Sigur Ros (in deren Studio "Sundlaugin" auch Who Knew ihr Album aufnahmen) oder Björk geprägten Umfelds passt die junge Band nicht in das selbe Schema wie ihre Landsleute, sondern tritt dermaßen energiegeladen und positiv gestimmt auf wie ein Phönix aus der isländischen Aschewolke. Dass die sechs Herren noch jüngeren Semesters und hierzulande neu zu Gast sind, kann das Publikum allerdings an den schüchternen Bewegungen ablesen. Wortkarg, etwas unbeholfen, unbefleckt wirkt das Auftreten zu Beginn - oder hängt das mit dem zwar begeisterten, aber noch spärlichen Publikum zusammen? Das sollte sich im Verlaufe des Abends ändern.
Who Knew zeigen bereits mit ihren beiden Eröffnungsstücken "Sharpen The Knife" und "Made Belief", was sie auszeichnet. Die Band verströmt eine positive Atmosphäre, die sich durch große Melodien zieht, vereinnahmt mit kollektiven Gesängen, die ein Wir-Gefühl schaffen, alles durchflutenden Synthesizern, perlenden Gitarren und peitschenden Schlägen. Unmerklich verliert man sich in diesem Sog aus Musik, Leidenschaft und Spielfreude. Und damit schaffen sie live ein noch schöneres, wahres Kunstwerk: Musik als abstrakte und gleichzeitig zutiefst emotionale Kunst, die zwar nichts Besonderes oder Äußeres darstellen, aber innere Zustände und Gefühle zum Ausdruck bringen kann - in diesem Falle wirken die Songs von Who Knew wie ein Lieferant für stimmungsaufhellende Glückshormone.
Nach und nach gesellt sich mehr Publikum in die Halle. Gut 70 Leute sind es schließlich, die nach jedem Lied frenetisch applaudieren, sich der Musik bald nicht mehr entziehen können und vor der Bühne zu tanzen beginnen. Nachdem die Isländer sich durch ihr komplettes Album inklusive ihrer Vorzeigesingle "We Do" gespielt haben, beenden sie ihr Set mit monumentalen Klängen von "Swords And Shields". Dass die Zuschauer die Band zurück auf die Bühne jubeln, sorgt für selige Gesichtsausdrücke und ein verlegenes Lächeln bei Sänger Armann Ingvi Armannsson: "We have already played our whole album. Sorry, but that means we have to play a song again." Das Publikum nimmt die Dopamin-Zugabe dankbar an und kann dank Who Knew mit einem Lächeln den Heimweg antreten.