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Gesehen! Wolfmother, Gods of Blitz / 23.08.2006, Hamburg, Markthalle
Vorwärts in die Vergangenheit
Text: Nico Schmidt Live-Fotos: Felix Pensky
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Dass eine Band, deren Debüt noch gar nicht in deutschen Plattenläden erhältlich war,
für lange Schlangen vor den Clubs gesorgt hat, war sicherlich nicht gewöhnlich. Insofern
war bereits der Andrang bei den Konzerten im Frühjahr eine Überraschung für alle Anwesenden.
Denn jeder hatte auf seinen individuellen Geschmack gesetzt und sah sich am Ende als einer unter vielen.
Diese hatten allerdings die Zeichen der Zeit richtig gedeutet, was sich am vergangenen Mittwoch
in der Hamburger Markthalle erneut bestätigte.
Nachdem auch die Karten für die aktuelle Wolfmother-Herbsttournee großen Absatz fanden,
beschloss der Veranstalter prompt, die Konzerte in größere Clubs zu verlegen. So wurde
aus dem Molotow die Hamburger Markthalle, und selbst die schien nicht auszureichen. Denn bereits
lange vor Konzertbeginn war klar, dass es eine Abendkasse nicht geben wird - stattdessen Pappschilder
mit der Aufschrift "Sold Out!". Das Publikum in der bis auf den letzten (Steh-)Platz
gefüllten Markthalle kommt bereits in Fahrt, als die erste Band des Abends - Gods of Blitz aus
Berlin - die Bühne betritt. Explosiv der Garagenrock auf der Bühne und die Wirkung auf
die Zuschauer. Ein Spektakel, in dessen kleinen Pausen es selten still bleibt. Derweil haben
begeisterte Fans Objekte der Begierde ausgemacht und verlangen lauthals nach ihnen. Grinsend
zeigt Jens Freudenberg, Stimme der "Blitzgötter", sie: seine Lederstiefel.
Einige stöhnen vor Begeisterung. "Goodbye Generation". Dann Aus. Lauter Applaus
begleitet das Quartett beim Gang von der Bühne.
Lautstarker Jubel kommt ebenfalls auf, als Andrew Stockdale, sein Afro und seine zwei Mitmusiker
die Bühne betreten. Man meint, eine gewisse Routine in den Bewegungen zu erkennen. Tatsächlich
tourt die Band, seitdem ihr erstes Album im Herbst 2005 in ihrer australischen Heimat veröffentlicht
wurde, nahezu ohne Unterbrechung. Im Juni dieses Jahres landete ihr selbstbetiteltes Debüt endlich
in den Regalen der deutschen Plattenläden. Es besteht Nachholbedarf, den, wie sich im Laufe
des Abends zeigen wird, das Trio exzellent zu befriedigen versteht. Bereits der Opener "Dimension"
gerät zum Feuerwerk.
Manche meinen, eine Band sollte ihr Pulver nicht bereits am Anfang verschießen. Aber erstens
hat eine Band selten das Publikum so schnell auf ihrer Seite wie Wolfmother, und zweitens mangelt
es ihnen trotz vermeintlicher Grünschnäbelei nicht an Munition. "Now we live in another
time", singt Stockdale irgendwann später im Set. Natürlich referenzieren Musik
und Bühnenpräsenz der drei auf Vergangenes: Ohne Kompromisse stürzen sich Wolfmother
in die Stücke und frönen einem psychedelischem Hardrock, mit dem sie auch in den 70ern
beim Publikum bestens angekommen wären.
Später befördert Chris Ross, der Bass-
und Orgelspiel auf sich vereint, eine riesige Verstärkerbox in die Horizontale. Dass die Band
nicht zimperlich mit ihrem Equipment umgeht, beweist das Panzertapeband, mit dem die Orgel von Ross
verklebt ist. Zusammen hält auch die Band. Zwischen improvisierten Jams und prestrukturierten Parts
zeigt sich ein musikalisches Rückgrat feinster Güte. Am Ende des Sets schütteln sie
ein Blues-Instrumental aus dem Ärmel, das sich gewaschen hat. Die wahren Geschütze lernt
der Getroffene eben erst dann richtig kennen, wenn sie direkt einschlagen.