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Gesehen! Battles, Fuck Buttons @ Intro Intim / 13.05.2008, Köln, Gebäude 9

Donnerwetter

Text: Florian Sekula

 

Die Band Battles mit dem ehemaligen Helmet-Drummer John Stanier und Don Caballeros Gitarrenvirtuosen Ian Williams dürfte die aktuell wohl heißeste Supergroup jenseits des Atlantiks sein. Lassen sich die einzelnen Teile der Summe zu jeder Zeit deutlich raushören, bieten die vier mit ihrem pumpenden Math-Rock genug Eigenständigkeit, um sich von ihren Ursprungsbands abzuheben. Auf der Bühne ist der Wahnsinn ihrer Musik greifbarer denn je - so man denn an den dringend notwendigen Ohrenschutz gedacht hat.

Battles

Das Publikum teilt sich. Eine kleine Schneise bildet sich, als Andrew Hund von den Fuck Buttons von der Bühne springt und inmitten seiner Zuhörer einen beschwörerischen Tanz abhält. Immer wieder kreischt er wie ein wild gewordener Schimpanse, der den Weltuntergang herbeikommen sieht, in sein Mikro. Dazu lässt Benjamin Power auf der Bühne pompös seine Trommeln krachen, als seien die Klangwände aus Noise, Drone, Gameboysounds und ekstatischen Schreien in das Fisherprize-Mikro noch nicht genug. Ohne Unterbrechung lassen die Fuck Buttons etwa eine halbe Stunde lang mit allerhand skurrilem Soundequipment das Gebäude 9 in einem Meer von verstörenden Sounds untergehen. Bei einem derart spannenden Vorprogramm würde so manch eine Band mit wehenden Fahnen kapitulieren.

Dass die Battles das Publikum mit ihrer einzigartigen Bühnenpräsenz dennoch vollständig in den Bann ziehen können, liegt zu einem nicht geringen Teil an John Stanier, dessen Drumset ganz vorne am Bühnenrand aufgebaut wurde. Wie ein besessener Zeremonienmeister drischt er mit verkniffener Mimik auf seine Tierfelle ein, als hänge sein Leben davon ab, ihnen eine möglichst strapazierende Tracht Prügel zu verpassen. Der dominant-knackige Klang des Schlagzeugs treibt viele Zuschauer in der ersten Reihe schlagartig nach hinten. Sein Becken hängt in zwei Meter Höhe über ihm und klingt bei jedem Anschlag wie ein anspornender Peitschenhieb für die Konzertbesucher.

 

 

Seine drei Mitstreiter, unter ihnen Don Caballeros Ian Williams, geben dem tragenden Gerüst von Staniers eindrucksvoller Rhythmusarbeit hinreichend Klangfarbe. Williams prägnantes Gitarrenpicking erinnert stets an seine frühere Band, überreicht den Stab jedoch immer nach kurzer Zeit an die catchigen Grooves von Bassist und Soundtüftler Dave Konopka weiter. Ex-Lynx-Gitarrist Tyondai Braxton sorgt mit seinen sporadisch verteilten hochgepitschten Vocals für das I-Tüpfelchen des Gesamtkonstrukts.

Eine wilder Kampf entfacht auf der Bühne. Die Akteure wirken rastlos, verleihen ihrer Musik eine rasante Geschwindigkeit. Die Energie, die von diesen vier Voodoo-Priestern ausgeht, droht beinahe überzuschwappen. Noch immer schlägt Stanier seine Trommeln windelweich. Den vielen Breaks, Rhythmuswechseln und nahtlosen Übergängen zwischen den Songs kommt das tanzende Publikum kaum hinterher. Dass nach einer knappen Stunde der gesamte Auftritt allerdings schon vorüber ist, kommt vielleicht dem Kreislauf zugute, das Tanzbein allerdings hatte sich selten besser gefühlt.

 

Links:

>> Künstlerinfo/Tourdaten Battles bei POP FRONTAL

>> Homepage Battles

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>> Homepage Fuck Buttons

 

 

Battles

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Battles: Mirrored

Battles: Mirrored

(Warp Records / Rough Trade)

 

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