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Gesehen! Black Light Burns & Brad / 1.2.13, Hamburg, Logo & 18.2.13, Hamburg, Knust

Brad Light Burns

Text: Mathias Frank      Live-Fotos: Doreen Reichmann (www.doreen.es)

So was passiert aber auch nicht oft. Innerhalb weniger Tage besuchen zwei ziemlich berühmte Musiker von zwei noch berühmteren Bands mit ihren Nebenprojekten die Stadt und spielen in für sie geradezu winzigen Clubs. Erst kommt Wes Borland von Limp Bizkit mit Black Light Burns ins kuschelige Logo, später dann besucht Stone Gossard von Pearl Jam mit Brad das nur unwesentlich größere Knust. Klar, das müssen wir uns aus der Nähe ansehen. Denn schließlich sind es nicht nur die beiden Herren, die uns interessieren. Die jeweils neuen Platten sind obendrauf auch noch klasse.

Black Light Burns

Mit sogar gleich zwei neuen Alben sind Black Light Burns unterwegs. Nachdem sie erst im vergangenen Jahr "The Moment You Realize You're Going To Fall" veröffentlichten, schoben sie kurz vor der Tour noch "Lotus Island" nach, ein ziemlich verschrobener, wenig verdaulicher, aber doch äußerst geschmackvoller und fiktiver Soundtrack. Und zusammen mit den - man kann sie nicht anders nennen - Krachern von eben "The Moment..." sowie alten "Cruel Melody"-Nummern wird das - das weiß man vorher - eine aufregende und vor allem wilde Geschichte.

Kaum sind Black Light Burns in ihren schicken Anzügen auf der Bühne, sind sofort alle Blicke auf den Fronter, den Freak, auf Borland gerichtet. Und der? Ist dezent geschminkt, wartet noch ein bisschen - und schmunzelt dann: "Ist es schon 10 Uhr? Dann können wir ja anfangen." Mit "Stop A Bullet" beginnt es eher bedächtig, aber stark. Man groovt sich ein, man schaut sich um, man lässt sich ein auf diesen Typen, auf diese Band, auf diesen dunklen, kranken Scheiß, der dann kommt. Borland beginnt zu hüpfen, die Leute beginnen mit dem Feiern, das Ganze wächst minütlich und schon mit dem zweiten Song "I Want You" hat diese Kapelle gewonnen. Was folgt ist dann die erwartet großartige Reise durch die Borlandsche Fantasie, untermalt von Supersongs wie "It’s Good To Be Gold", natürlich "How To Look Naked", "Cruel Melody" oder - besonders super - "4 Walls". Ganz ehrlich, besser können das Leute wie Patton oder Reznor auch nicht.

Doch es ist nicht nur die Musik, die diesen Abend so toll macht. Es ist auch die Band, es ist ihr Auftreten. Alle sind mit Leidenschaft dabei, jeder zieht seine Grimassen, steht selten still. Sie alle machen das, was man von einer Band sehen will. Und bei anderen häufig leider nicht sieht. Auch macht Borland von Beginn an klar, dass er keinen Bock auf Allüren hat. Ein Lachen hier, ein Schnack dort. "Ich hier oben" gibt es nicht. Und das gipfelt dann darin, dass er nach dem Konzert seine Runde durch den Club macht und sich mit jedem fotografieren lässt, der es möchte, mit jedem einen Schnack hält, jedem etwa signiert und sich dabei einfach mal feiern lässt.

Ein gänzlich anderes Bild bietet sich zweieinhalb Wochen später bei Brad. Klar, genau wie Wes Borland wird Stone Gossard von allen genauestens beachtet. Doch im Gegensatz zu Borland scheint es ihm nicht so wirklich zu behagen. Es scheint ihn fast zu stören. Da gibt es keinen Blick nach vorne, kein Lächeln, fast schon verbissen spielt er seine Gitarre, zieht dabei vermutlich ungewollt komische Grimassen und stimmt lieber seine Klampfe, während sich sein Sänger Shawn Smith - eine überaus imposante Persönlichkeit übrigens - zwischen den Liedern bedankt. Aber was im ersten Moment ein wenig seltsam scheint, löst sich mit der Zeit schon wieder auf. Denn erstens wird die Musik schnell wichtiger, zweitens taut auch Gossard irgendwann auf. Da ein Lächeln, dort ein Dank, später singt er dann "Desenfando". Und trotzdem ist es ein Erlebnis, diesen Kerl in diesem Rahmen zu sehen.

Brad sind heute zu fünft auf der Bühne. Neben Smith (Pigeonhed, Satchel) und Gossard sind der Drummer Regan Hagar (Satchel, Malfunkshun), der wie ein kiffender Lehrer aussehende und herrlich häufig lachende Bassist Keith Lowe (Fiona Apple, David Sylvian) sowie ein junger Gitarrist dabei, der bestens gelaunt mit Augenklappe und Wollmütze gerne in feinster Stevie-Wonder-Manier den Kopf schüttelt. Und zusammen bieten sie meistens großes Kino. Denn ja, manch ruhigere Nummer kommt hier ein ganz klein bisschen lahm. Aber meistens? Ist das schon stark, was die Band spielt, wie sie spielt und wie sie sich gibt. Und besonders dann, wenn es ein bisschen zur Sache geht, wie es zum Beispiel bei "Secret Girl" vom 1997er Album "Interiors" oder dem aktuellen "Diamond Blues" zur Sache geht. So sehr, dass Gossard hier tatsächlich seine Brille verliert. Der alte Mosher...

Als ob dieser Abend nicht schon besonders genug wäre - alleine, weil es die erste Deutschland-Show ever von Brad ist! - wird es zur Zugabe dann nochmal besonders besonders. Shawn Smith setzt sich ans Klavier und spielt "Crown Of Thorns" von Mother Love Bone, später dann zocken sie alle gemeinsam auch noch "Jumpin‘ Jack Flash" von den Stones. Beides kommt ganz hervorragend. Wie auch die beiden Konzerte ganz hervorragend waren. Brad und Black Light Burns. Brad Light Burns.

 

 

 

Links:

>> Info/Konzerte Black Light Burns bei POP FRONTAL

>> Live-Tipp (14.12.12): Black Light Burns - Bizkit-Borland

>> Video "Black Light Burns. How To Look Naked" bei vimeo.com

>> Homepage Black Light Burns

>> Black Light Burns: Lotus Island - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

>> Info/Konzerte Brad bei POP FRONTAL

>> Live-Tipp (18.12.12): Brad - Superstars? Super!

>> Video "Brad - Full Performance (Live on KEXP)" bei youtube.com

>> Homepage Brad

>> Brad: United We Stand - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

 

 

Black Light Burns

Black Light Burns @ Logo

 

 

Black Light Burns

Black Light Burns

 

Black Light Burns: Lotus Island

Black Light Burns: Lotus Island

(Neo Membran / Sony)

 

Brad

Brad

 

Brad: United We Stand

Brad: United We Stand

(V2 / H'ART)

 

 

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