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Getroffen! Interview mit Roger von Blumentopf (November 2012)

Ganz plausible Lügengeschichten

Interview: Mathias Frank

Endlich geht es los. Blumentopf sind auf Tour und damit die Band, die für eine der besten Hip Hop-Platten des Jahres verantwortlich ist. Im September veröffentlichten die vier Rapper Cajus, Schu, Holunder (aka Wunder) und Roger sowie DJ Sepalot (bzw. Sebastian) „Nieder Mit Der GbR“, und die „enthält reinen, puren, klassischen und einfach tollen Hip Hop“, wie wir bereits schrieben. Und weiter schwärmten wir: „Und doch klingt hier kein Beat, wirkt hier keine Zeile altbacken oder öde, sondern einfach nur aufregend und spannend. Und manches natürlich noch aufregender und spannender. Zum Beispiel das herrliche ‚Rosi’, bei dem tatsächlich Günther Sigl mitmacht. Aber auch die ‚Supermänner’ müssen gehört werden und das nicht nur, weil hier die Sportfreunde Stiller mitmachen. Oder natürlich ‚Neulich in der City’, die Single, der Opener ‚Antihelden’ oder das deutliche, aber keinesfalls plakative ‚Alles im Lot’. Alles super hier.“ So super, dass wir uns mit Roger auf einen Plausch am Telefon verabredeten.

Blumentopf

 

Wie entsteht eigentlich eine Blumentopf-Platte?

Roger: Eine Platte entsteht erstmal aus unterschiedlichen Tracks, und die wiederum entstehen alle unterschiedlich. Es gibt den Ansatz, dass jemand mit einer Idee oder zwei Worten ins Studio kommt, uns von dem Lied erzählt und wir dann gemeinsam das Ding schreiben. Aber meistens kommt einer mit einem Entwurf, mit einem Chorus oder dem Beat. Und darauf basierend machen wir dann weiter. Alle überlegen, und wer was hat, der kommt damit ins Studio. Dann siehst du eigentlich recht schnell, ob das ne gute Idee ist und die anderen dabei sind - oder ob sich keiner meldet (lacht).

 

Und rappt dann eigentlich jeder seine eigenen Texte oder schreibt man auch mal füreinander?

Roger: Zu 90 Prozent rappt jeder die Sachen, die er selber geschrieben hat. Weil wir eben alle unseren eigenen Stil haben und man es sofort hört, wenn jetzt zum Beispiel der Schu Zeilen von mir rappt. Denn das liegt ihm nicht und mir liegen seine Zeilen nicht. Und das klingt dann einfach komisch. Daher ist es im Grunde schon so, dass das, was du von einem Typen von uns hörst auch immer sein Text ist.

 

Und muss den denn immer jeder von euch gut finden?

Roger: Geil wär's schon (lacht). Es macht ganz ehrlich keinen Spaß, einen Text zu rappen, den die anderen scheiße finden. Aber da gibt es keine Verbote. Ein gutes Beispiel: früher hat der Schu noch gekifft und hatte so einen Kiffpart auf einer Platte. Der Wunder hatte auf der gleichen Platte einen Part gegen das Kiffen gehabt. Und so was ist total in Ordnung. Und es muss nicht jedem gefallen, man kann auch sagen, dass einem ein Text total wichtig ist und den will ich auf der Platte haben. Das würde gehen - aber nicht so viel Spaß machen. Man will die anderen ja auch wegrocken. Man will schon beides haben, ganz klar: Sachen, die einem wichtig sind und über die die anderen sagen, dass sie voll gut sind. Aber wir wissen auch, dass nicht auf alle Lieder vier Leute, sondern manchmal auch nur drei passen. Deshalb ist das eh immer so ein bisschen Wettkampf. Der Schnellere und Bessere gewinnt.

 

Das wäre die nächste Frage, wie das bei vier Rappern ist. Gibt es die Gefahr von Egos und Ansprüchen z.B. nach dem Motto "Du hast aber schon so und so viel Zeilen"?

Roger: Man hat schon den Anspruch an sich selber. Wenn man auf einer Blumentopf-Platte nur bei zwei Liedern dabei wäre, wäre man schon gepisst. Aber irgendwie ergibt sich das von alleine, wir sind alle eigentlich ganz gut vertreten. Wobei ich die Frage schon verstehe, ob wir jetzt am Ende die Zeilen zählen. Doch bei uns kommt es sehr auf das Album an, es kommt darauf an, wer wie viel Zeit hatte. Mir ist es am Schluss wichtig, dass die Platte gut ist. Wenn jetzt Cajus oder Wunder mit zwei Solo-Liedern kommen würden und die wären Bombe, dann würde ich sagen, dass wir die nehmen.

 

Ist es nach all den Jahren eigentlich immer noch etwas Besonderes, eine neue Platte in der Hand zu haben?

Roger: Es ist schon ein bisschen strange, wenn die Platte draußen ist. Da guckt man dann schon mal, ob sie überhaupt im Laden steht. "Fuck, jetzt steht die hier nicht im Laden, was soll das denn?" Man würde aber nie zu jemandem hingehen und fragen, weil nachher kennt der einen (lacht). Aber klar, das ist schon immer spannend.

 

Man konnte lesen, dass ihr mit euren letzten Platten bzw. einigen Dingen auf den letzten Platten ein bisschen unzufrieden wart.

Roger: Nein, eigentlich nicht. Es ist halt so, dass sich die letzten beiden Platten von unserem, ich sag mal, typischen Sound schon unterschieden haben. Aber wir probieren immer gerne rum, und einige Experimente klappen dann halt besser, dafür sind andere wichtig für die Band, aber wahrscheinlich für die Hörer nicht so ganz nachvollziehbar. Ich mag aber trotzdem jede von unseren Platten sehr gerne. "Musikmaschine" (Anm.: vorletztes Album, erschien 2006) war sicher unsere zerrissenste Platte, weil wir einfach in alle Richtungen rumprobiert haben. Weil wir das machen wollten, was im Nachhinein für die Band auch sehr wichtig war. Denn wenn du nicht rumprobierst, weil du das Gefühl hast, du darfst das nicht, denkst du immer, du würdest was voll Geiles machen - wenn du nur dürftest.

 

Gibt es auf der neuen Platte jetzt auch solche Dinge, die ihr in ein, zwei Jahren vielleicht doch eher doof findet?

Roger: Doof vielleicht nicht, aber es ist schon immer so, dass man einen gewissen Abstand braucht, um eine Platte richtig zu beurteilen. Das merkt man besonders, wenn man auf Tour ist und schaut, was man von einer Platte live spielt. Und wenn man dann nach ein, zwei Jahren noch richtig viele Lieder von einer Platte spielt, dann weiß man, dass das eine oberkrasse Platte war. Aber natürlich gibt es immer ein paar Dinge, über die man später denkt, dass man sie hätte besser machen können.

 

Wie kommen die ganzen Gäste auf‘s Album? Gibt es erst den Song und ihr sagt, da würde ein Pohlmann gut passen, oder sagt ihr, wir haben Bock auf Pohlmann, lasst mal einen Song mit ihm machen?

Roger: Das ist grundverschieden, zu jedem gibt es eine ganz plausible Lügengeschichte (lacht). Pohlmann war so: Wir hatten das Lied und der Cajus hatte den Chorus gesungen, aber uns war allen klar, dass das nur ne Skizze oder so war und wir wussten, dass da jemand richtig singen muss. Wir rufen eher selten Leute an und sagen "Wir haben dich im Radio gehört, wir finden dich gut", aber den Pohlmann kannten wir von einem Clueso-Konzert und waren mit denen groß trinken. So war also der Kontakt da. Wir haben also angerufen und er hat dann den Song gehört, fand es gut und hat auch genau die Stimme dafür, die wir gebraucht haben. Jedem war klar, dass es eine gute Entscheidung war, ihn anzurufen.

Bei Günther Siegl von der Spider Murphy Gang war das ähnlich. Der Schu hatte diesen Rosi-Part und "Rosi" ist ja quasi "Skandal im Sperrbezirk 2012". Die Geschichte von Rosi wird weiter erzählt, und wir hatten dann im Studio die Schnapsidee, dass es der Oberhammer wäre, wenn der Kerl von der Spider Murphy Gang den Chorus singen würde. Das wäre ein Feature, auf das wir sonst nie gekommen wären, das ergab sich durch den Song. Also haben wir ihn angerufen und das hat dann super geklappt. Und das war so etwas wie der Ritterschlag für den Track.

Bei den Sportfreunden war es dann wirklich so, dass wir schon immer mal wieder bei einem Bierchen den Plan gehabt hatten, was zusammen zu machen, was aber bisher nie geklappt hatte. Jetzt hat es gepasst. Wir waren drei Tage im Studio und haben den Song gemeinsam gemacht. Man kann eigentlich nicht mehr "featuring" schreiben, das Lied ist von den Sportfreunden und Blumentopf.

 

Mit welchen Erwartungen geht ihr jetzt auf Tour? Und was dürfen wir erwarten?

Roger: Das klingt simpel, aber du willst das Ding einfach rocken. Wir erwarten, dass wir von der Bühne gehen und einfach fertig sind. Wir erwarten, dass es den Leuten vor der Bühne genau so geht. Wir lassen die Band dieses Mal zuhause und machen es mit dem Plattenspieler. Wir versuchen viel Freestyles und natürlich die beste Blumentopf-Show abzuliefern, die man abliefern kann.

 

 

 

Links:

>> Tourdaten/Konzerte Blumentopf bei POP FRONTAL

>> Live-Tipp (10.10.12): Blumentopf - Es gibt Rap, Baby!

>> Video "Rosi ft. Günther Sigl" bei youtube.com

>> Video "Neulich in der City" bei youtube.com

>> Blumentopf: Nieder mit der GbR - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

>> Homepage Blumentopf

 

 

Blumentopf

Blumentopf

 

Blumentopf: Nieder mit der GbR

Blumentopf: Nieder mit der GbR

(Virgin / EMI)

 

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