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Gesehen! Chuck Ragan, Austin Lucas, Digger Barnes / 19.05.2008, Hamburg, Molotow

Ey, Kumpel!

Text: Mathias Frank      Live-Foto: Doreen Reichmann

 

Er hatte die Chance - und er nutzte sie. Sehr zur Freude vieler Fans. Nur wenige Tage nämlich, nachdem Chuck Ragan mit seiner wiedervereinten Band Hot Water Music auf Reunion-Tour durch deutsche Hallen reiste, spielte er in kleinen Clubs seine Solo-Sachen, die er während der Hot Water Music-Pause aufgenommen hatte. Auf den Alben "Loz Feliz" und "Feast Or Famine" gibt es weder Punkrock noch Hardcore, sondern klassische, mit Akustik-Klampfe und Mundharmonika gespielte Singer/Songwriter-, Folk- und Country-Sounds. Die aber wurden dermaßen deftig und enthusiastisch eingespielt und auch im bestens gefüllten Molotow vorgetragen, dass man als Zuhörer und -schauer schnell ins Schwitzen kommt und dem guten Chuck nur gratulieren kann. Immer und immer wieder.

Chuck Ragan

Spielte der Sänger auf seiner letzten Tour noch im Vorprogramm von Muff Potter, brachte er diesmal selbst Supports mit: Digger Barnes und Austin Lucas, zwei weitere Solo-Künstler, mit denen Chuck Ragan nicht nur eine Freundschaft verbindet, sondern mit denen er auch die Platte "Bristle Ridge" eingespielt hat. Den Anfang machte Digger Barnes, der neben seiner Gitarre und einem gelegentlich eingesetzen Banjo auch seinen eigenen VJ mit dabei hatte, der die Show mit bewegten Bildern untermalte. Ein nettes Feature, das es aber nicht schaffte, von der etwas lahmen Performance, den durchschnittlichen Songs zwischen Tom Waits, Johnny Cash und John Lee Hooker und vor allem den zum Teil üblen Texten abzulenken. Dabei war die Idee von Barnes, über sein Restaurant "Diggers' Diamond" und Geschichten über Rendezvous, Morde und ein Mädchen namens Mary zu singen, gar keine schlechte - Lyrics im Stile von "I am here and you are there - I wanna be your teddybear" aber sorgten dann für mehr als einen Schmunzler und am Ende bei einigen sogar für Wettbewerbe, den nächsten Reim zu raten. "Shirt? Dann kommt Skirt!" - "Yes!".

Als nächster kam dann Austin Lucas. Auch er mit Gitarre, auch er erstmal alleine und auch er entpuppte sich nicht als musikalische Offenbarung. Dabei scheint er ein echt netter Kerl zu sein. Sympathisch und dabei niedlich hektisch erzählte er kurze Geschichten, bat um Ruhe und trug dann hippelig, nervös und schwitzend seine Songs vor, die im Vergleich zu Mister Barnes deutlich abwechslungsreicher und vielfältiger ausfielen. Country, Bluegrass, Folk - von jedem etwas. Zwischendurch begrüßte der nach Prag ausgewanderte Austin einen Kumpel aus Tschechien. Doch als auch der zweite Vorsänger vorbei war, war niemand wirklich traurig. Denn so sehr die meisten das Duo mochten und so artig und ehrlich der Applaus auch ausfiel - gekommen waren die Damen und Herren, um Chuck Ragan auf der Bühne zu sehen.

Der lümmelte sich kurz vor seiner Show noch an der Molotow-Bar und schlürfte quatschend seine Drinks, ehe er vor die johlende Menge trat und sich durch seine Platten und mehr spielte. Begleitet wurde er von Geiger Jon Gaut, der nicht nur ebenfalls bei dem oben erwähntem „Bristle Ridge“-Album dabei war, sondern mit Vollbart, Megamatte und Avail-Cap an Jim Martin (Faith No More) erinnerte und dabei nicht weniger als eine coole Sau und der absolute Blickfang war. Doch ob mit Fiedel oder nicht – Ragan-Tracks wie „The Boat“ sorgten für fleißiges Kopfwippen, Euphorie und Party-Stimmung. Die wurde nur mal kurz unterbrochen, wenn Ragan nachdenklich von seinem Vater schwärmte („Hell of a nice guy“) und ihm das ruhige „Congratulations Joe“ widmete – und direkt anschließend „Geraldine“ seiner Mutter. Doch das waren nur kurze Momente. Meist schrie er förmlich ins Mikro, lachte zwischen den Nummern und entpuppte sich mal wieder nicht als großer Redner, doch einfach netter Kerl und famoser Musikant.

 

 

Wie natürlich jeder im Vorfeld gehofft hatte, beschränkte sich Ragan nicht auf seine eigene Songs, sondern stimmte neben dem Hazel Dickens-Cover „Coal Tattoo“ auch alte Hot Water Music-Kracher der Marke „God Deciding“ an, die dem Ganzen so etwas wie die Krone aufsetzten. Denn natürlich klangen diese Tracks auch nur mit der Western-Gitarre toll. Zum Abschluss seines Solo-Sets stimmte er mit „For Broken Ears“ und „California Burritos“ noch zwei seiner stärksten Songs an und bedankte sich sichtlich gerührt beim Publikum. „Wie wären nicht hier, wenn ihr hier nicht hier wärt“ – was bei jedem anderen kitschig und gezwungen klingen würde, kam bei Chuck Ragan aus tiefstem Herzen und dementsprechend ehrlich und authentisch rüber. Er sagt: „Ich danke euch“. Das Publikum antwortet mit: „Wir danken dir“ – Freundschaft zwischen Musiker und Hörer.

Zum endgültigen Abschluss dann kamen noch mal alle Musikanten des Abends auf die Bühne und spielten als Quartett – Digger Barnes mit Kontrabass – einige Nummern ihres gemeinsamen Albums. Merklich Spaß hatten sie dabei, und sogar der schüchterne Austin lachte ausgelassen im Schutze des großen Chuck, seinem Kumpel. Und unserem irgendwie auch …

 

Links:

>> Künstlerinfo Chuck Ragan bei POP FRONTAL

>> Homepage Chuck Ragan

>> Chuck Ragan: Feast Or Famine - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

>> Homepage Austin Lucas

>> Homepage Digger Barnes

 

 

Chuck Ragan

Chuck Ragan

 

Chuck Ragan: Feast Or Famine

Chuck Ragan: Feast Or Famine

(Side One / Cargo Records)

 

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