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Gesehen! Dream Theater / 07.10.2005, Düsseldorf, Philipshalle

Betörende Zeitreise im Lichtgewitter

Text: Carlo G. Reßler

Ungewöhnliches tat sich an diesem Abend bereits lange vor Konzertbeginn an der altgedienten Philipshalle: So fragten einige besorgte Konzertbesucher das Personal nach den letzten Anschlusszügen, während andere noch verzweifelt um die rar gewordenen Parkplätze kämpften. Doch die meisten der ca. 5.500 Besucher feierten schon lange vor Showbeginn mit lauten Gesängen, begeistertem Klatschen und Pfeifen das, was da kommen sollte. Und exakt um 20.10 Uhr betrat in kollosalem Licht- und Soundgewitter mit Dream Theater eine der innovativsten Progressive-Rockbands überhaupt die riesige Hallenbühne.

Dream Theater

Als sie dann sogleich mit "The Root of all Evil" voll loslegten, war die Stimmung der Fans bereits am Siedepunkt. Keyboarder Jordan Rudess prüfte auch direkt in schwindelerregender Weise, ob sein Instrument wirklich frei drehbar war, während Bassist John Myang die Halle mit seinen abgrundtiefen wilden Zupfübungen schon zu Beginn zum Beben brachte. Was nun folgte, war eine knapp dreistündige Zeitreise vom allerfeinsten durch 20 Jahre Bandgeschichte. Im Hintergrund hatten die Jungs dabei neben vielen eingeblendeten Plattencovern und Filmen auf einer Leinwand einen 20-Jahreskalender installiert, welcher scheinbar wahllos bei den verschiedensten Jahren zwischen 1985 und 2005 halt machte - und "spontan" spielte die Band ein Stück vom jeweiligen Album aus diesem Jahrgang. Im Gründungsjahr 1985 hieß die Band allerdings noch Majesty, doch wen stört dies - ihr Sound überzeugte schon damals.

Weiter ging die betörende Reise mit "Panic Attack" vom aktuellen Octavarium-Album, bei dem der langmähnige Sänger James LaBrie die in seiner Opernsängerausbildung erlangten Sangeskünste in allen Facetten vorführte. Der etwas spröde wirkende LaBrie wird - und auch das zeigte sich bei diesem Konzert recht deutlich - von vielen Fans zu Recht immer wieder mit Alt-Rockröhre David Coverdale verglichen. Bis auf einen kurzen Erholungsbreak ging es zur Freude der vielen Fans abendfüllend weiter mit ihren vielen Erfolgsstücken; darunter mit "Peruvian Skies" auch ein Abstecher in gute alte "Wish you where here"-Zeiten von Pink Floyd! In teils balladenartigen Kompositionen - besonders schön hier das 24-minütige Titelstück der neuen CD "Octavarium" - sorgten ausgedehnte minutenlange Riffs gepaart mit glänzenden Keyboard-Soli und Stakkato-Drumeinheiten für oftmals begeisterten Szenenapplaus. Abgerundet wurde der Abend schließlich mit noch drei Zugaben.

 

 

Dream Theater verlangen ihrem Publikum schon einiges ab, mit leicht konsumierbarem Massenrock hat diese Spielkunst rein gar nichts zu tun. Welche Band bietet schon ein dreistündiges Programm, das bei aller Perfektion auch Platz für Improvisation, spontanen Witz und Spielfreude lässt? Auch der Live-Sound ließ in der Halle nichts zu wünschen übrig - laut, druckvoll, dabei aber immer klar und strukturiert. Eines zeigte auch ihr Düsseldorfer Konzert wieder: Dream Theater biedern sich nirgends an, und es geht ihnen nicht um Massenhysterie. Diese Band geht einen konsequenten und kompromisslosen Weg, bei dem immer die Musik und die Kreativität ihrer außergewöhnlichen Solisten im Vordergrund steht. Gerade in Zeiten, in denen ständig neue Superstars gesucht werden, bleibt hier nur das Prädikat "wertvoll" zu vergeben und noch viel Positives für die Zukunft zu erwarten.

 

Links:

>> Künstlerinfo Dream Theater bei POP FRONTAL

>> Homepage Dream Theater

>> Dream Theater: Octavarium - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

>> Konzertbericht Dream Theater, Köln (27.01.2004)

>> CD-Rezension (08.01.2004): Train of Thought

 

 

Dream Theater

Dream Theater

(Foto: sku)

 

Dream Theater: Octavarium

Dream Theater: Octavarium

(Elektra / Warner)

 

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