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Gesehen! Finkenbach Festival / 31.07.2010, Finkenbach / Odenwald, Sportplatz

Buntes am Bach

Text: Carlo Reßler      Live-Fotos: Sati (www.satipics.com)

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Knapp fünfhundert Einwohner leben in dem verträumten Odenwalddorf Finkenbach, es gibt zwei Gaststätten und eine Bäckerei. Doch an diesem Sommerwochenende ist von der üblichen idyllischen Ruhe in dem beschaulichen Ort wenig zu spüren. Denn zahllose bunt gekleidete Leute von Überall her pilgern zum "Finki" und campieren auf den Wiesen am Bach. Es ist mal wieder "Guru-Fest", wie die Einheimischen ihr seit Jahrzehnten beliebtes Festival so schön getauft haben. Einladendes Sommerwetter verwöhnt die vielen Besucher im erholsamen Odenwald bei der nunmehr 28. Auflage des Festivals.

Guru Guru

Guru Guru

In dem kleinen Dorf mit dem malerisch dahin plätschernden Wildbach ist alles so wie immer, wenn Festival ist: die Einwohner locken die oft weit gereisten Besucher mit allerlei selbst gebackenem Kuchen, leckerem Kartoffelsalat und anderen Delikatessen. Die Betten der beiden Gastpensionen sind natürlich längst ausgebucht, der Duft von Gegrilltem, Räucherstäbchen und Lagerfeuern liegt betörend in der Luft, und im Ort sitzen bunte Grüppchen in der Sommersonne beim gemütlichen Bier beisammen. Alles wirkt wie bei einem großen, bunten Familienfest.

Doch neben gutem Essen und der friedlichen Stimmung gibt es natürlich auch einige musikalische Leckerli zu genießen. Zu Beginn heizen die Chucks aus Ludwigshafen auf der Sportplatzwiese gleich mächtig ein. Die junge New-Rock-Band überzeugt mit eigenen geradlinigen Songs voll spielerischer Leichtigkeit und baut gekonnt die eine oder andere Coverversion in ihr kurzweiliges Set ein, z.B. "Rock'n'Roll" von ihren Vorbildern Led Zeppelin.

Der frühere Guru Guru-Gitarrist Ax Genrich hat sein Effekt- und Rückkopplungsspiel in den vergangenen Jahren so perfektioniert, dass er zu einem wahren Maestro des psychedelischen Gitarrenspiels geworden ist. Im warmen Licht der untergehenden Sonne entert er gut gelaunt im offenen weißen Hemd mit Schlagzeuger Walt Bender sowie Bassist und Tubaspieler Mario Fadani die Bühne auf dem Sportplatz am Freibad. Das Zusammenspiel dieses Trios wirkt wie eine homogene Einheit, intensiv und stimmungsvoll, wie man es selten erlebt. Bei dem sich langsam aufbauenden, variantenreichen Spacesong "Go! Lemgo" wird dieses Miteinander besonders schön deutlich. Ax Genrichs feedbackgetränktes Gitarrenspiel erzeugt eine spielerische Bandbreite, die von sphärischen Spacesounds bis zu harten, kraftvollen Riffs reicht. Traumhaft schöne Klangfarben untermalt von gefühlvollen Percussion- und Tubaklängen erzeugen dabei einen ganz eigenen Klangkosmos, sehr zum Gefallen der vielen Fans vor der Bühne.

Zu bester Abendstunde dann, wie jedes Jahr, der Auftritt von Guru Guru am Finkenbach. Gut 1,5 Stunden spielt das bestens aufgelegte Quartett um das "Urgestein des Krautrocks" und Festivalmitbegründer Mani Neumeier, während sich die Location zusehends mit Fans füllt. Spätestens beim Groove-Song "Living In The Woods" und dem folgenden, schönen orientalischen Reißer "Izmir" wird die Festwiese auch zum Dancefloor. Ganz psychedelisch kommt später das legendäre "Ooga Booga Spezial" daher: Slide-Gitarrist Hans Reffert läuft hier zur Höchstform auf und katapultiert das Stück in unendlich weite Sphären hinein. Natürlich darf auch der berühmte "Elektrolurch" nicht fehlen, diesmal im langen Zugabenteil als neuartige 15-minütige Jamsession gestaltet. Es scheint, als erfindet sich die Band musikalisch auch nach all den Jahren immer wieder ein wenig neu: erfrischend anders und voller Power klingen selbst die alten Songs nie wie von gestern.

Später am Abend ist es Zeit für eine echte Blueslegende. Der 78-jährige Louisiana Red aus Alabama spielt mit dem dynamischen Blues- und Jazzquartett The Dynamite Daze ein ausgesprochen starkes Programm, mit welchem sie die vielen Zuhörer vor der Bühne umgehend in ihren Bann ziehen. Die ersten noch erhältlichen Bluesaufnahmen des weltberühmten Virtuosen datieren bereits auf 1949. Doch sein faszinierendes Gitarrenspiel begleitet von seiner unverkennbar markanten, etwas verraucht klingenden Stimme, mit der er wunderbare Stories aus seinem langen Leben erzählt, hat nichts von seiner immensen Ausstrahlung verloren. Im schwarzen, kurzärmeligen Hemd, mit dunkler Sonnenbrille und fast vollem Haar wirkt er bei seinen ausgiebigen Gitarrensoli noch immer frisch. Es scheint, der Mann ist, lebt und liebt den guten Blues, sicher bis zu seinem letzten Atemzug. Mit The Dynamite Daze hat er eine bestens auf seinen Stil abgestimmte Begleitband auf der Bühne: besonders der mit Schlapphut und Sonnenbrille sehr cool wirkende, unermüdlich arbeitende Drummer Mahatma Colin Jamieson und Mundharmonikaspieler Dirty Didi wissen Zeichen zu setzen.

Zu tiefer Nachtstunde präsentieren die Veranstalter mit den Straßenjungs aus Frankfurt noch ein absolutes Kontrastprogramm, welches viele ältere Besucher von der Wiese gehen und wenige Jüngere hinzukommen lässt. Der Mix zwischen Neuer Deutscher Welle, Punk und New Wave brachte der Band vor 30 Jahren mit dem Album "Dauerlutscher" Kultstatus ein, vor allem deshalb, weil es damals als jugendgefährdend indiziert wurde. Auch ihr Engagement gegen Gewalt in Fußballstadien machte die Band seinerzeit sehr bekannt. Doch ihr hartes, lautes Auftreten nach dem hinreißenden Bluesrockkonzert mit Songs wie "Dreh die Zeit noch mal zurück" oder ihrem damaligen Hit "Spießer am Spieß" will nicht so recht zum musikalischen Flair vom Finki-Festival passen.

Am sonnigen Sonntagmorgen gesellen sich viele Besucher auf den Platz zum gemeinsamen Frühstück an den geöffneten Imbissständen, während sich andere bereits auf dem Heimweg befinden, um im nächsten Jahr bei diesem feinen Festival wieder vor Ort zu sein.

 

 

Links:

>> Festivalinfo Finkenbach Festival 2010 bei POP FRONTAL

>> Festival-Tipp (14.06.10): Finkenbach Festival - Das Finki findet wieder statt

>> Festivalbericht Finkenbach Festival 2008 bei POP FRONTAL

>> Festivalbericht Finkenbach Festival 2004 bei POP FRONTAL

>> Homepage Finkenbach Festival

 

Chucks

Chucks

 

Ax Genrich

Ax Genrich

Ax Genrich

 

Guru Guru

Guru Guru

Guru Guru

Guru Guru

 

Mahatma Colin Jamieson

Louisiana Red

Louisiana Red & The Dynamite Daze

 

Straßenjungs

Straßenjungs

 

Impressionen

Impressionen

 

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