Startseite POP FRONTAL

Gesehen! Highfield Festival 2007 / 17. - 19.08.2007, Hohenfelden/Erfurt, Am Stausee

Von Spiderschwein-Gesang und Disko-Zelt-Vibrationen

Text/Live-Fotos: Claudio Castello

Zum Vergrößern der Fotos bitte auf die Bilder klicken!

Das Highfield Festival. Immer wieder faszinierend, was für eine Stimmung aufkommen kann, wenn die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwindet und ihre letzten Strahlen ein warmes Licht über den Stausee auf die Bühne werfen. Und das ist nur die Extrawurst. Denn wer so eine spannende Mischung aus Headliner-Bands wie den Kaiser Chiefs, Interpol, Jimmy Eat World und Indie-Hochkarätern à la Tocotronic, The Shins oder den Films serviert bekommt, hat nicht zu meckern. Tat auch keiner, im Gegenteil: Überall staubig-verschwitzte, aber strahlende Gesichter.

Eagles Of Death Metal

Was ist dieses Jahr hängen geblieben? Mit Sicherheit Bands, die man gerne noch öfter sehen möchte. Ein Novum war die zweite Bühne im "Coca Cola Soundwave"-Zelt. Und der Herr scheint das Highfield zu lieben: denn von oben prasselte lediglich kurz – und auch nur einmalig – die kleine Schwester vom Nieselregen herab. Gummistiefel waren nur unnötiger Bierplatzwegnehmer.

Bier war für die meisten der beste Festivalfreund. Wer schon am Vortag angereist ist, begrüßt die Neuankömmlinge Freitagmorgens mit duftender Fahne und "Spiderschwein"-Gesang. Ja, die gute alte "Helga" hat mächtig Konkurrenz bekommen. Zumindest dieses Jahr. Konkurrenz gab es auch unter den Bands: Durch die neue Bühne überschnitt sich das Mainstage-Programm mit dem Cola-Zelt. Der besondere Charme der Vorjahre, durch die eine Bühne keinen Act verpassen zu müssen, ist damit flöten gegangen. So eröffneten zeitgleich 22 Times und die tschechischen Newcomer NiceLand das 10. Highfield Festival in Hohenfelden.

Nach dem Jungen-Fünfer The Twang dann britische Gitarrenmusik aus Amerika: The Films packen ihre "Black Shoes" aus und schrammeln das Publikum bei untergehender Sonne zusammen. Während später From Autumn To Ashes im Zelt rumschreien und sich Emocore um die Ohren hauen, sind die Klänge draußen sanfter. Tocotronic, eine der wenigen deutschen Bands auf dem Festival, sorgen auf der großen Bühne für die ersten Mitsing-Aktionen größeren Stils. Vorletzte Gruppe für den ersten Abend: Die Indie-Popper von The Shins berieseln die Menge mit fröhlichen bis melancholischen Nummern. Wer sich vorher gefragt hat, ob so eine Band nur im kleinen Kreis seine Wirkung entfaltet, konnte in der ersten Nacht, trotz Disko-Zelt, beruhigt schlafen.

Während direkt nach The Shins, eine halbe Stunde vor Mitternacht, die Bombast-Rocker ...And You Will KNow Us By The Trail Of Dead den Abend der härteren Gangart im Coke-Zelt ausdröhnen lassen, spitzt sich die Stimmung draußen in Erwartung des finalen Acts zu. In nebelig-blaues Licht getaucht lassen die New Yorker von Interpol der Festivalmenge mit "Pioneer To The Falls" einen Schauer über den Rücken laufen. Überhaupt passen Umgebung, Musik und Atmosphäre perfekt zusammen. Die melancholische Stimme von Frontmann Paul Banks mischt sich mit der schwermütigen Stimmung, die sich langsam am dunklen Himmel über den Stausee legt. Auch das alte Material reißt mit und sorgt teilweise sogar für heftigeres Pogen.

 

 

Wer im Anschluss keine Lust hat, Stunden über den Zeltplatz zu patroullieren, längere Zeit vor dem Diskozelt anzustehen oder einfach komplett fertig vom Tag ist, horcht schon mal in seinen Schlafsack. Sind dann die nächtlichen Angriffe der Diskozelt-Vibrationen überlebt, drängelt man sich am nächsten Morgen in die Dusch- und Toilettenschlangen.

Während manche noch in den Schlafsäcken liegen oder ihr Guten-Morgen-Bier schlürfen, wird auf dem Festivalgelände schon losgelegt: Leo Can Dive. 13 Uhr, zu undankbarer Stunde, könnte man sagen, denn die vier Jungs machen ihren Job ganz gut. Doch viele warten lieber auf eine humanere Zeit, um am zweiten Tag abzugehen. Und darauf, dass The Datsuns losknüppeln und ihre "Killer Bees", verpackt als dreckigen Gitarrenrock, rausholen. Im Coke-Zelt überzeugen die schwedischen Newcomer The Animal Five mit poppig-knarzendem Sound, enger Röhrenhose, charmant-rotzigem Auftreten und einer Whiskey-Mischung, die später auf des Sängers Kopf landet.

Am Abend sorgt dann die bereits in die Jahre gekommene Altherren-Riege von Millencolin für extrem gute Stimmung und Rumgegröle. Ein Wermutstropfen am Samstag: Die vielbeachteten Klaxons müssen wegen Krankheit absagen. So wird auf der Hauptbühne diese Nacht Poppiges und Rockiges aus der Emo-Küche serviert. Fall Out Boys Teenie-Schwarm und Ego-Rampensau Pete Wentz und Anhang lassen die Menge toben und geben klanglich keinen Anlass zum Rumnörgeln. Jedermanns Geschmack treffen sie trotzdem nicht, ebenso wie die härteren Billy Talent. Die ganze Zeit mit einem Bein auf der Monitorbox, liefert Sänger Kowalewicz, sichtlich um die Sicherheit der Menge bemüht, entsprechende Ansagen. Nachdem beide Alben genügend durchforstet sind, verabschieden sich Billy Talent nach zwei Zugaben.

Am letzten Tag wird neben dem ständigen Spiderschweingesang auf dem Campinggelände Emo in seiner Ursprungsform geboten: Neben Brand New spielen Jimmy Eat World mal lauten, mal gefühlvollen und mal spaßigen Sound zum Sonnenuntergang. Highlight am Nachmittag waren die Eagles Of Death Metal. Obwohl seit dem Highfield-Auftritt im letzten Jahr kein neues Album erschienen ist, wirkt keine Nummer altbacken. Poser-Songs mit Augenzwinkern und Jesse "The Devil" Hughes Pornobalken rocken amtlich bei besten Temperaturen und strahlendem Sonnenschein. Nächstes Jahr gerne wieder.

Ebenfalls 2006 da gewesen, ist der letzte Festivalact auf der Mainstage: Um kurz nach zehn jubelt das Publikum den Kaiser Chiefs entgegen und wartet auf den Startschuss zur finalen Feierei. Das Gelände ist zum Bersten voll, die meisten Leute ebenso - eine gute Vorlage also. Die nehmen die Jungs aus dem Vereinten Königreich auf und setzen dem Festival den krönenden Abschluss auf: Alles singt und springt zu den Ohrwürmern der beiden Hit-Alben, schluckt fröhlich Staub, schwitzt, und genießt den Sonntag. Vor lauter Euphorie könnte man sich fast einbilden, auch die Die Kaiser Chiefs hätten sich selten so wohl gefühlt. Zumindest sorgen sie für ein schönes Ende und schicken das Publikum glücklich und zufrieden in die Nacht.

 

Links:

>> Festivalinfo (mit Bandinfos) Highfield Festival 2007 bei POP FRONTAL

>> Homepage Highfield Festival

>> Festivalbericht Highfield Festival 2006 bei POP FRONTAL

>> Festivalbericht Highfield Festival 2005 bei POP FRONTAL

 

 

The Films

 

The Shins

 

The Datsuns

 

Interpol

 

The Animal Five

 

The Animal Five

 

Millencolin

 

Fall Out Boy

 

Fall Out Boy

 

Billy Talent

 

Billy Talent

 

Eagles Of Death Metal

Startseite | Tickets | Konzertsuche: Genres | Konzertsuche: Städte | Konzertsuche: Bands A-Z | Konzertsuche: Festivals |

Magazin | Rundbrief | Live-Tipps | Archiv: Live-Berichte |

Konzerte eintragen | Content-Broking | Impressum | Datenschutz

© POP FRONTAL, 2003-2021; Design by Akupower!