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Getroffen! Neun Jahre und kein bisschen leise: Interview mit Migé (HIM)

Interview: Inga Beißwänger, 03.04.2004

Die Band HIM rund um den charismatischen Frontmann Ville Valo kann kommendes Jahr zehnjähriges Jubiläum feiern. In dieser Zeit veröffentlichten die finnischen Düsterrocker vier Studioalben, eine Single-Collection und die kürzlich erschienene Best-of-Platte namens "And Love Said No". Vor dem Konzert im ausverkauften Kölner Palladium haben wir den Bassisten Migé u.a. zur neuen Platte, zur Rolle Ville Valos und zu Zukunftsplänen im Interview befragt.

 

Wolltet Ihr ein Greatest-Hits-Album herausbringen oder die Plattenfirma?

Heutzutage ist es meistens die Plattenfirma. Wir haben bald unseren Vertrag erfüllt, und Teil davon ist die Veröffentlichung von Compilations. Das ist aber schon ok so, ich selbst mag Compilations auch, das sind meist gute Platten.

 

Auf dieser Platte sind andere Versionen von "Your Sweet 666" und "Wicked Game". Wann wurden diese aufgenommen?

Die haben wir während der Aufnahmen zu "Razorblade Romance" eingespielt. Denn in Großbritannien sollte dieses Album auch veröffentlicht werden, aber unser erstes Album nicht. Deshalb haben wir diese beiden Lieder für "Razorblade Romance" neu aufgenommen.

 

Wer wählt die Songs aus, die Ihr covert?

Ville hat vorgeschlagen, "Wicked Game" von Chris Isaak zu covern. Naja, ich mag die Original-Version nicht sehr. Es ist aber ein guter Song, ich mag sein Grundgerüst. Es gibt viele Vorschläge von der Band, jeder will natürlich gerne spielen, was er mag. Schon von Anfang an haben wir gern Coversongs gespielt, da die Leute gerne etwas Bekanntes hören. Unsere eigenen Sachen haben wir dann dazwischen gespielt.

 

Ville Valo ist offiziell immer noch der einzige Songschreiber. Wie viel Einfluss habt Ihr anderen bei der Entstehung neuer Songs?

Das ist schon eine komische Situation in dieser Band. Ich selbst schreibe nie Riffs oder Ähnliches. Trotzdem ist jedes Album irgendwie so geworden, wie ich mir das vorgestellt hatte. Deshalb musste ich nie eigene Sachen schreiben oder wollte auch nie was Eigenes machen. Auf irgendeine Art und Weise beeinflussen wir uns gegenseitig und bestimmen so die Richtung, in die die Musik geht. Je nachdem, wer gerade was hört oder wer wie spielt. Das ist eben keine Mathematik. Songwriting wird überbewertet. Jeder bringt im Grunde ein paar Ideen ein.

 

Was für Musik hörst Du?

Ich höre nicht so viel Musik und habe auch schon lange nichts Neues mehr entdeckt. Als letztes Monster Magnet. Ich bin also so etwas wie ein Dinosaurier. Ich mag aber auch einiges, was so im Radio läuft. Neben dem normalen Mist gibt es doch immer wieder den einen oder anderen "tense" Song, den man gerne hört.

 

Was für Musik mögen die anderen in der Band? Ihr habt alle unterschiedliche musikalische Vorlieben, oder?

Ja, ziemlich. Aber fast jeder von uns ist Fan von 70er-Jahre-Rock. Ich denke, wenn man älter als 16 bis 18 ist, wird man nicht mehr wirklich Fan einer Band, so war es jedenfalls bei mir. Auf mich wird glaube ich keine andere Band mehr so viel Wirkung haben wie Black Sabbath und Deep Purple, und das kann ich wohl auch für die anderen von HIM behaupten.

 

Ich habe gehört, dass Burton Tschaikowski mag.

Ja, als Keyboarder hat er einem etwas anderen Hintergrund. Da er auch Klavier spielt, hat er mehr mit Klassik zu tun.

 

Was denkst Du darüber, dass Ville Valo überall so im Vordergrund steht? Er ist ja auf fast jedem Cover und Titelblatt.

Ich denke, das muss fürchterlich schwierig für ihn sein. Das ist kein Spaß. Das kann vielleicht Deinem Ego ein paar Tage lang schmeicheln, aber ich halte das für einen sehr gefährlichen und unangenehmen Job. Er hat es sich so ausgesucht, aber darum beneide ich ihn nicht, höchstens um ein paar andere Dinge.

 

Wie läuft es für Euch in den USA?

Ziemlich gut, soweit ich weiß. Unser zweites Album "Razorblade Romance" kam dort gerade heraus, und wir werden auch bald zum ersten Mal auf US-Tour gehen. Das wird interessant, wir werden dann in kleinen Clubs und an legendären Orten spielen.

 

Müsst Ihr für die Promotion in Amerika mehr tun?

Nein, eigentlich nicht. Das ist auch Glückssache. Wir müssen eben nur wieder von vorne anfangen mit kleinen Konzerten, und keiner kennt unseren Namen. Ungefähr so wie 1995, als wir die Band gründeten. Keine leichte Angelegenheit, da das Risiko besteht, dass wir dort nur Zeit und was auch immer verschwenden. Denn schließlich gibt es in den USA Bands wie "Hootie and the Blowfish", die in ihrer Heimat fünf Millionen Platten verkaufen und nicht nach Europa kommen, da sie es ja nicht nötig haben. Und wir haben auch noch in Europa mehr als genug Arbeit, weil wir keine sehr erfolgreiche Band sind, nur relativ erfolgreich.

 

Wo seid Ihr denn überall erfolgreich?

Mehr oder weniger in fast allen europäischen Ländern. Auch, wo wir das nicht erwartet hätten, wie in Griechenland, warum auch immer. In Russland läuft es ebenfalls ziemlich gut für uns.

 

Nun zu Bam Margera (bekannt aus den MTV-Shows Jackass sowie Viva La Bam und Fan und Freund der Band, Amn. d. Redaktion). Wie ist er auf Euch und Eure Musik aufmerksam geworden?

Als er unterwegs im Flugzeug war, hat er in einem Magazin von uns gelesen und fand uns ziemlich „strange“. Deshalb hat er sich unsere Musik mal angehört und mochte sie. Ich habe ihn inzwischen ziemlich gut kennengelernt und mag ihn. Diese Amerikaner sind schon witzig - in manchen Dingen so dumm, in anderen wieder so smart. Und Bam ist sehr amerikanisch. Er hilft uns sehr bei der Promotion, wir haben ihm viel zu verdanken.

 

Meiner Meinung nach habt auf dem letzten Studioalbum "Love Metal" Euren düster-poppigen Stil sowohl bei den langsamen als auch den harten Songs perfektioniert. Können wir da in Zukunft was Neues erwarten?

Ja, jetzt wird es langsam Zeit, was Neues auszuprobieren. Denn auf dem Greatest-Hits-Album hört sich doch alles ziemlich gleich an. Was man natürlich auch positiv sehen kann in der Hinsicht, dass man etwas Einzigartiges, Eigenes geschaffen hat. Aber trotzdem wird es irgendwie langweilig. Wir werden sehen, was sich so Neues ergibt. Nach der Tour und einem langen Urlaub.

 

Welche anderen Länder stehen noch auf dem Tourplan?

Nach Deutschland sind wir einen Monat lang in Amerika. Dann kommen wir für ein paar Festivals zurück.

 

Dann viel Glück für Amerika und die restliche Tour!

 

Und nun ging's zum Konzert ins Kölner Palladium!

>> Zum Konzertbericht

HIM

HIM

HIM

 

 

HIM: And Love Said No...

HIM: And Love Said No...

(GUN Supersonic/ BMG)

 

 

Links:

>> Konzertbericht, Köln, 03.04.04

>> Dtsch. Homepage

>> Reinhören & Kaufen bei amazon.de

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