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Gesehen! The Horror The Horror / 01.04.08, Frankfurt, Das Bett

Von heimischen Gefilden oder wenn Schweden den Tag rettet

Text/Live-Fotos: Claudio Castello

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Der Frühling ist gekommen. Nicht wirklich klimatisch, aber klanglich, und zwar aus dem Schwedenland in Form von The Horror The Horror. Während in Frankfurt verlustreiche "Volksaktien" und Ostereierreste im Regen und Schneematsch versinken, sorgt der Indie-Pop-Fünfer für faltenfreie Stirn und lädt zur kleinen Runde ins Bett. "You know that I’ll be coming back for more!" wie es im Song "Hold The Line" des neuen Albums heißt. Erste Nummer des Abends und ein Versprechen, in zweifacher Hinsicht. Sie sind wieder da und: Die Linie des Vorgängers wird weitergeführt. Der Tag ist gerettet.

The Horror The Horror

Schon auf dem Hinweg hebt sich die Laune. Kleine Gasse, Fachwerk, Kopfsteinpflaster und warm leuchtende Lichterketten, die über den Köpfen hinweg dem dunklen Abendhimmel trotzen. Klein und gemütlich ist das Bett, um nicht zu sagen heimelig oder heimlich, wenn man das Ganze psychoanalytisch aufhängen möchte. Nach Kollege Freud leitet sich daraus "unheimlich" ab und das passt ganz wunderbar zum Namen der ersten und einzigen Band des Abends. Vorprogramm gibt’s heute nämlich nicht. Wer pünktlich zum Einlass erscheint, versüßt sich die Wartezeit mit dem einen oder anderen Bierchen.

So eröffnen The Horror The Horror das Konzert erst gegen 22 Uhr mit "Hold The Line" ihres Zweitlings "Wired Boy Child". Trotz der limitierten Kapazitäten des Clubs bleibt zur Bühne noch ein gutes Stück Platz. Zuviel für Sänger Joel Lindström, der sich für gegenseitiges Näherkommen einsetzt. Gute Laune hat er, weist mehrmals auf die Ernennung ihrer Platte zur "Record Of The Week" bei Rough Trade und Piccadilly Records hin und scherzelt sympathisch mit Publikum und Band. So tanzt oder besser marschiert er den Abend über leichtfüßig zum Beat der größtenteils neuen Songs. Und weil der Platz zum Spielen nicht unbedingt gigantisch ist - die Drums seitlich zur Linken, die Gitarren zur Rechten und Bass hinterm Sänger - weicht Herr Lindström auch gerne von der Bühne auf den Boden aus und tummelt sich vor der ersten Menschenreihe. Die scheint noch etwas reserviert und lässt alibiweise schon einmal den Fuß mitwippen.

Vielleicht sind die neuen Stücke einfach noch nicht so oft gehört worden. An das altbewährte Konzept, melodiöse und federleichte Indie-Kost zu servieren, wurde jedenfalls angeknüpft. Und live hat der Sound, wie schon beim Debüt zu bemerken war, mehr Energie. Jedes blecherne Schnarren der Gitarren bekommt durch den fuzz-verzerrten Bass noch mehr Kontrast. Fabelhaft. Selbst wenn beim Schlagzeug nicht jedes Becken einzeln abgenommen wird, der dicke Bassamp auf der Beckskiste keinen soliden Eindruck macht und die vor der Bühne positionierten Monitorboxen mal wieder zurecht gerückt werden müssen: Der Schwedenpop klingt gut abgemischt und kommt an. Gemütlich intime Atmosphäre, nah dran an der Band und ein guter Klang. Was will man da eigentlich mehr? Vielleicht Hände aus den Taschen und mehr aktive Teilnahme am Geschehen? Die Hälfte des Publikums fühlt sich auch zu fortgeschrittener Zeit nicht nach Tanzen, was aber keineswegs an mangelnder Begeisterung für die Band liegt, denn Beifall gibt es von den Konzertbesuchern allenthalben.

 

 

Die applaudieren The Horror The Horror nach der Setlist noch zwei weitere Male zurück auf die Bühne. Als Dankeschön gibt’s unter anderem noch die Schmankerl "This Is A Lovesong" und "Sound Of Sirens" vom Debüt. Dann, nach einer knappen Stunde ist Feierabend. Aber wer bitte möchte jetzt schon raus in die dunkle, unbehagliche Nacht jenseits schöner Popsongs, um heimische Wärme und weltoffene Schwedenmentalität mit Kälte und Regen zu tauschen? Keiner. Darum bleibt, wer kann, nach dem Gig noch ein wenig, genießt ein letztes Pils und plaudert entspannt mit den Jungs über Gott, die Welt und den geretteten Tag.

 

Links:

>> Tourdaten The Horror The Horror bei POP FRONTAL

>> Homepage The Horror The Horror

>> The Horror The Horror: Wired Boy Child - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

 

 

The Horror The Horror

 

The Horror The Horror

 

The Horror The Horror

The Horror The Horror

 

The Horror The Horror: Wired Boy Child

The Horror The Horror: Wired Boy Child

(Tapete / Indigo)

 

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