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Gesehen! OK Go, The Films, Bromheads Jacket und Plain White T's @ Hurricane/Southside Club Tour - Part I / 12.02.2007, München, Backstage

Festival-Probelauf mit Guantanamo-Feeling

Text / Live-Fotos: Bettina Dunkel

Zum Vergrößern der Live-Fotos bitte auf die Bilder klicken!

 

War ja eigentlich klar. Da schickt ein großer Konzertveranstalter schon mal ein paar Bands gemeinsam auf Clubtour, um seine Sommerfestivals, in diesem Fall das Hurricane und das Southside, zu promoten und was passiert? Mitten im Februar fühlt man sich wie im Juni. Nur ohne Wetterkapriolen und mit Dach über’m Kopf.

Ok Go

Soll heißen? Die neue und an und für sich sehr zu begrüßende Idee birgt etwas Surreales. Festivalstimmung ein Vierteljahr vor Saisonbeginn? Ist komisch. Hat aber was. Wenn auch nicht für die Opener des Clubabends. Die heißen Plain White T’s, kommen aus Chicago und machen eine Mischung aus Emo, Punk und Pop. Vielmehr weiß man nach Ende des Sets aber auch nicht. Denn von dem hat man vor lauter Ankommen, Rumlaufen, Jacke abgeben, Bekannte suchen und Bier besorgen kaum etwas mitbekommen. Wie es halt meistens so ist mit den frühen Festivalbands.

Kurze Pause, zweites Bier, zweite Band. Bromheads Jacket nennen die sich. Mittlerweile auch innerlich angekommen, wächst das Interesse im Publikum, aber so wirklich begeistern kann die angebliche Lieblingsband der Arctic Monkeys nicht. Demnach hat das gepflegte Gespräch unter Freunden weiterhin Vorrang. Statt mitten drin zu stehen, wird etwas außerhalb rumgelümmelt, mal wird auf das Bühnengeschehen geachtet, dann schweift der Blick wieder umher und streift eine Vielzahl ähnlich Agierender. Die heben dann auch kollektiv den Kopf, als plötzlich die Saalbeleuchtung angeht. Und die Erinnerung daran geweckt wird, wenn das oft wolkenverhangene Festivalwetter von einem kurzen Sonnenstrahl erhellt wird. Ein Moment, der so schnell wieder vorbei ist wie das Set des Sheffielder Herrentrios. Kurze Fachsimpeleien der Marke „klingen ein bissi wie Arctic Monkeys, oder?“, nächste Pause, nächstes Bier.

Und die nächste Vorab-Festival-Formation natürlich. Wie es halt so ist mit den zu späterer Stunde auftretenden Bands, hat diese schon einen gewissen Bekanntheitsgrad: The Films aus Charleston. Waren schon mit den Kooks auf Tournee, versetzten kürzlich die weibliche Indie-Fraktion auf dem Visions X-Mas Special in Verzückung und sind in der Tat gar nicht mal schlecht, in dem, was sie tun. Dass es sich hier um waschechte Südstaatler handelt, will man eigentlich nicht glauben, bei all dem britpoppigen Glamrock-Gebahren und dem rotzigen Mando-Diao-Appeal. Ihre knackigen Dreiminutensongs reißen sie zackig hintereinander ab, zwischendrin gibt’s eine Ballade, aber im Endeffekt liegt ihnen das enthusiastische Gitarrengeschrubbe doch mehr. Dass das Repertoire ihres kürzlich erschienenen Debütalbums ein wenig an Eigenständigkeit vermissen lässt, kann man den vier Jungspunden durchaus verzeihen. Sie haben ja noch Zeit. Und zumindest verfügen sie über Bühnenpräsenz. Womit der Käs’ schon mal zur Hälfte g’essen wär. Wie der Franke so sagt.

 

 

Umbaupause für den Headliner OK Go. Das letzte Bier scheint eins zuviel gewesen zu sein, denn plötzlich kommt Kuba-Feeling auf. Liegt aber eigentlich nur an den Guantanamo-Häftlingen, die geschäftig über die Bühne wuseln. Und sich bei näherer Betrachtung als in orangefarbene Blaumänner gewandete Roadies entpuppen. Was nicht minder seltsam ist. Ob das Ganze nur von Linkin Park geklaut ist (wie eine leicht angeheiterte Begleitperson behauptet) oder eine unterschwellige Kritik am System Bush sein soll, wird nicht ganz klar. Letzteres wäre jedenfalls denkbar, hat Frontmann Damian Kulash doch zur letzten US-Wahlperiode eine Anleitung mit dem Titel „How Your Band Can Fire Bush“ ins Internet gestellt. Aber für Überlegungen dieser Art ist der Abend bereits zu weit fortgeschritten. Und hinzu kommt, dass die Herren von OK Go bereits selbst zur Tat schreiten. Und als wären sie selbst nicht in der Lage, mit ihrem Weezer-beeinflussten Power-Pop das erwartungsfrohe Publikum in Wallung zu versetzen, werfen sie erst eine Handvoll Tambourine in die Menge und sodann ein kraftvolles „Do What You Want“ hinterher.

Kurz darauf schmeißen sie sich selbst ins Publikum und ziehen mit Sack und Pack von der Bühne. Inmitten der jetzt komplett aufgewühlten Meute gibt das zum Trio geschrumpfte Quartett ein zwei Stücke umfassendes Akustikset – das von dem einen oder anderen Gast aufgrund fortgeschrittenen Alkoholkonsums und den damit verbundenen Toilettengängen fast zur Gänze verpasst wird. Wieder so ein Festivalmoment. Die Natur ruft in den unpassendsten Situationen.

Was aber trotz aller Trunkenheit bleibt, ist der Eindruck, dass OK Go in den letzten zwei Jahren des Permanenttourens an Feuer eingebüßt haben. Obwohl als musizierende Showband geradezu dazu prädestiniert, überbordende Lachanfälle und Serotoninausschüttungen zu produzieren, bleibt der erhoffte Effekt aus. Erst zur Zugabe, unterstützt von jäh in die Höhe schießenden und scheinbar von der Telekom gesponsorten Jubelärmchen, springt der Funke über. Zum glanzvollen Finale gibt es dann noch die Liveperformance des via youtube.com gehypten „A Million Ways“-Hinterhoftanzes. Na also.

Derart zufriedengestellt, torkelt es sich noch mal viel beschwingter in Richtung Heimat. Und das Wissen, dass nicht ein regenbenetztes Zelt samt welligem Ackerboden und gammeligem Schlafsack die nächtliche Bettstätte definiert, macht den Abend, na, man ist fast versucht, zu sagen: perfekt. Aber so ist das rückblickend betrachtet ja fast immer.

 

Links:

>> Künstlerinfo Ok Go, The Films, Bromheads Jacket, Plain White T's bei POP FRONTAL

>> Homepage Ok Go

>> Homepage The Films

>> Homepage Bromheads Jacket

>> Homepage Plain White T's

>> Festival-Bericht Hurricane Festival 2006 bei POP FRONTAL

>> Festival-Bericht Hurricane Festival 2005 bei POP FRONTAL

>> Festival-Info Hurricane Festival 2007 bei POP FRONTAL

>> Festival-Info Southside Festival 2007 bei POP FRONTAL

 

 

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Ok Go @ München

 

 

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