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Gesehen! Immergut Festival 2011 / 27. - 28.05.2011, Neustrelitz, Seenplatte

Willkommen in "Lichterfelde"

Text: Heike Müller/Michael Kellenbenz      Live-Fotos: Michael Kellenbenz

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Legenden ranken sich wie wildes Grünzeug um das Immergut-Festival. Und selbst die Tatsache, dass alle Indie-Mädchen und -Jungen ihre Trainingsjacken schon lange gegen zeitgenössischen Körperschmuck eingetauscht haben, ändert nicht viel am Geist der Neustrelitzer Alternative. Am Ende finden sich sogar versprengte Menschen in den Bäumen der Pampa wieder, und nicht nur einem Künstler gehen nachts die Lichter aus. Aber gerne der Reihe nach.

Darwin Deez

Darwin Deez

Man kann mit der Tatsache beginnen, dass (im Verhältnis zur Gesamtzahl der Bands) hier mit drei Bühnen überdurchschnittlich viel Aufwand betrieben wird. Doch was zunächst nach hektischer Laufarbeit klingt, erweist sich schnell als feingeistiger Schachzug auf dem grünsandigen Gelände. Während nämlich die Hauptbühne erst drei Stunden nach Einlass bespielt wird, dürfen sich im Birkenhain weit entfernt gegenüber Solisten (Frank Spilker, Touchy Mob, Gisbert zu Knyphausen) an einer Art taghellen Lagerfeuerstimmung versuchen. Hanekamp, Nagel und Kuttner präsentieren dazu ihre Lesewerke, und eigentlich kämpft an diesem Wochenende nur einer erfolglos mit der widerspenstigen Technik: Jason Collett (Broken Social Scene), der sich in purem Zynismus badet.

Haupt- und Zeltbühne tun es ein Wochenende lang mit viel Licht (Station 17, Darwin Deez, Who Knew), etwas Beliebigkeit (Those Dancing Days) und tiefschwarzen, gar nicht so gewohnt lauten Kifferromanzen (Mogwai). Letzteren stottert zwar zunächst ein wenig das Gerät auf der Bühne, was die Schotten aber nicht davon abhält, am Ende doch noch ihre Mauer zu errichten. Wer es danach mag, hibbelt sich noch bis in den Sonnenaufgang. Nôze und diverse Plattenleger können noch stundenlang. Viele Besucher nicht minder.

Tag zwei beginnt in Ruhe und Gelassenheit. Also alles wie gehabt. Gelände erkunden, über ausgestellte Kunst diskutieren, das Labelzelt besuchen. Nirgends weht das Fähnchen mit dem Abzocke-Aufdruck. Selbst der softe Eishändler wird hier zum Gutmenschen. Nur den Vegetariern bleiben außer einer eher schnöden Schale Pommes ohne Schranke eher wenige Optionen. Fleisch zum Anfassen dann auf den Bühnen.

Herrenmagazin werden so selbstverständlich abgefeiert, dass es zu Freudensprüngen rührt. Und wenn die Nervosität zu Beginn in einer vergessenen Setlist kumuliert, ist Gelassenheit oberste Bürgerpflicht. Balthazar und Waters setzen auf Headlinerplätzen Achtungszeichen. Das ist alter Ost-Fußballer-Jargon, trifft aber volley ins Netz. Unsicherheiten in der Ballbehandlung zeigen Bodi Bill im Anschluss zwar nicht. Ob das zweifellose Trio der Stunde im multimedialen Elektro-Gangbang auf lange Sicht allerdings Gehalt hat, wird sich zeigen. Die dEUS-Architektur steht hernach auf festem Fundament im einsetzenden Regen. Nur die chronisch hochgelobten Isländer Retro Stefson bewegen dagegen zwar das Zelt und seine Bodenbretter. So richtig fesseln will das Ganze trotzdem nicht.

Als um sechs Uhr Erobique langsam einpacken, dürfte auch Hans Unstern von seiner Vorstellung genesen sein. Die Bühne komplett dunkel bis auf ein baumelndes Licht vor der Künstlerstirn wirkte irgendwie nach Nerd im Bastelkeller auf der Suche nach dem nächsten Sicherungskasten. Nicht nur die Menschen im verzwickt verzweigten Geäst gegenüber schauten befremdet auf dieses Szenario. Aber wo steht schon, dass Höhepunkte laut und bunt sein müssen? Das Immergut Festival 2011 hat einmal mehr das Gegenteil im Boden verankert.

 

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Links:

>> Festival-Info Immergut 2011 (mit Bandinfos) bei POP FRONTAL

>> Festivalbericht Immergut Festival @ 2006 bei POP FRONTAL

>> Festivalbericht Immergut Festival @ 2005 bei POP FRONTAL

>> Festivalbericht Immergut Festival @ 2004 bei POP FRONTAL

>> Video "Bodi Bill @ Immergut 2011" bei youtube.com

>> Homepage Immergut Festival

 

 

Station 17

Station 17

 

Bodi Bill

Bodi Bill

 

Herrenmagazin

Herrenmagazin

 

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