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Gesehen! Jean Michel Jarre / 28.05.2009, Koblenz, Sporthalle Oberwerth

Perfekte Perlen im neuen Gewand

Text: Carlo G. Reßler      Live-Fotos: Alesa Arimond

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Vor gut 30 Jahren galt er als Vorreiter: er führte mit seinen Keyboards den Elektronik-Pop in ganz neue Sphären, und das Prädikat "Avantgarde" passte selten besser als zu diesem Elektroniktüftler. Richtig still war es zwar nie um Weltstar Jean Michel Jarre, doch machte er sich rar in den letzten Jahren. Umso spannender, sein einziges Deutschland-Konzert der aktuellen "In Doors" - Welttour mitzuerleben.

Jean Michel Jarre

Der smarte Franzose mit den stets vollen, dunklen Haaren wirkt seit jeher wie ein klingender Botschafter aus der Zukunft. Seine rein elektronisch erzeugte Musik klingt dabei jedoch nur selten künstlich. Oft errichtet der mittlerweile 60-jährige Soundmagier auf seinen Alben und bei seinen Konzerten immense bombastische Synthie-Bauwerke mit entsprechenden Lightshows. Als er in den 70er Jahren damit anfing, war sein Beitrag zum Elektronik-Pop bahnbrechend. Den riesigen Erfolg seines 1976er-Albums "Oxygène" weltweit konnte er jedoch nie wiederholen.

Im Live-Geschäft spielte Jarre jedoch immer ganz vorne mit: seine Konzertinszenierungen sind legendär und brachten ihm sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde für die zwei zuschauerstärksten Open-Air-Konzerte überhaupt. Hat er früher meist nur wenige Konzerte am Stück gegeben, geht er nun zum ersten Mal auf Welttour und versprach im Vorfeld Großes: "Mit gigantischen High-Definition-Video-Projektionen, einer atemberaubenden Licht-Choreografie sowie sensationellen Laser-Effekten untermale ich das Musik-Programm, welches im Super-Sound einen Querschnitt durch meine erfolgreichsten Alben enthält. Ein Ausnahme-Erlebnis, das die Sinne der Besucher betören wird." Große Worte - gesprochen für große Hallen!

Doch leider kam irgendjemand auf die famose Idee, dem Tourplan die - womöglich für Hand- und Volleyballspiele der örtlichen Sportvereine durchaus bestens geeignete - Sporthalle in Koblenz-Oberwerth für den einzigen Live-Auftritt des Maestros in diesem Lande auszuwählen. Unglaublich, aber wahr! Auf seiner Homepage bezeichnet er dieses Venue dann auch vieldeutig einfach nur als "strange"! Allein schon die Vorstellung, für eine solch exklusive Light- und Lasershow eine Halle mit teils offener Dachkonstruktion zu wählen, lässt Kunstfreunde erschaudern. Vom Sound wollen wir hier gar nicht mehr sprechen, sondern uns lieber auf das Konzert konzentrieren.

Wegen des offenen Daches beginnt der Gig in der gut gefüllten Location leider erst nach Sonnenuntergang. Große Laserkanonen projizieren zu Beginn zwei wie riesige Gazetücher wirkende Dreiecke auf die Bühne. Dann durchbricht eine Hand dieses stoffliche Licht, und Jean Michel Jarre im schicken weißen Hemd betritt gut gelaunt unter großem Applaus die Bühne. Zu seiner Unterstützung hat er die drei ganz in schwarz gekleideten Elektronik-Musiker Francis Rimbert, Dominique Perrier und Claude Samard mit auf die groß angelegte Bühne gebracht.

 

 

Von zwei recht neuen Kompositionen abgesehen spielen sie - auf dem Originalequipment der Entstehungsjahre - "die alten Sachen", wie Jarre selbst sagt, wirklich live! Bekannte und berühmte Parts aus den frühen Erfolgsalben "Oxygene", "Equinoxe", "Magnetic Fields" und "Rendez-Vous" werden vorgetragen. Und Jarre verzeiht es sich sogar, sich bei diesen monumentalen Kunstwerken ab zu einmal leicht zu verspielen - eine schöne Geste! Manchmal interpretiert der Künstler einzelne, mitunter von übersatten Bässen durchdrungene Soundsequenzen auch ein wenig schneller und rockiger als im Original. Kleine Perlen im neuen Gewand, welche die Fans mit Standing Ovations honorieren.

Zweifelsohne hat Jean Michel Jarre viel Spaß daran, live auf der Bühne zu spielen und zwischendurch das Publikum zum Mitmachen anzuspornen. Mit diversen Roland-Synthesizern, dazu Becken und elektrischen Drumpads zaubert er seine ganz eigenen Klangwelten. Besonders beeindruckend zu erleben auch das sehr rockige Spiel am seltenen Moog-Liberation-Synthesizer zum Umhängen, mit dem er wie ein Rockgitarrist über die Bühne tanzt. Ein optisch-akustischer Höhepunkt der Show ist natürlich des Maestros Solospiel auf der Laserharfe. Mit weißen Handschuhen bekleidet unterbricht er dabei am vorderen Bühnenrand die bunten himmelwärts aufragenden Laserstrahlen für melodische Tonsequenzen. Faszinierend, auf diesem besonderen Instrument den Ohrwurm "Rendevouz Part 3" in voller Pracht zu erleben.

Auch wenn es, entgegen seiner Aussage im Vorabinterview, bei diesem Konzert absolut keine Videoeinspielungen zu bestaunen gibt, ist die monumentale Laser- und Lightshow doch vom Allerfeinsten und untermalt die oft gewaltigen Soundgewitter optimal. Leider kann sich all das in dieser Art von Location nur recht begrenzt entfalten. Jean Michel Jarre ist jedenfalls mit seiner zeitlosen "Zukunftsmusik" hervorragend im neuen Jahrtausend gelandet und zelebriert weiterhin zur Freude seiner vielen Fans Konzertevents der Extraklasse: manchmal ist mehr eben auch wirklich mehr!

 

Links:

>> Info/Konzerte Jean Michel Jarre bei POP FRONTAL

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Jean Michel Jarre

 

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Jean Michel Jarre: Oxygene - Live in Your Living Room

(Capitol / EMI)

 

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