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Gesehen! Muff Potter, Schrottgrenze / 27.10.2005, Hamburg, Molotow

Wir schwitzen so im Molotow

Text: Mathias Frank     Fotos: Christian Portz

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Mit Muff Potter und Schrottgrenze kamen an diesem Abend gleich zwei der aufregendsten und ohne Zweifel besten deutschen Bands ins Molotow, um dem gemütlichen Kiezclub zum 15-jährigen Geburtstag zu gratulieren. Der war mal wieder ausverkauft, und so war es mal wieder verdammt heiß. Wir kennen es nicht anders. Und lieben auch deshalb den wohl gemütlichsten Keller der Hansestadt.

Muff Potter

Es scheint sich rumgesprochen zu haben, dass die Shows im Molotow neuerdings auch auch etwas früher starten können, und so durften Schrottgrenze schon um 21.30 Uhr in einer vollen Hütte ihre Hits unters Volk bringen. Dicht an dicht drängelte man sich vor der Bühne und schaute immer mal wieder in den gemütlichen Vorraum und zur Bar. Da standen noch mehr Leute, immer weitere kamen in den Club, und Angst machte sich breit. Denn wenn die alle bei den Potters vor die Bühne wollen, könnte es tatsächlich eine enge bis unangenehme Kiste werden. Doch bis dahin standen Schrottgrenze auf der Bühne und machten irgendwie alles richtig. Dass sie keine stumpfe Deutschpunkband sind, wie es der Name vermuten lässt, dürfte inzwischen bekannt sein, eher dürften sie - ganz grob - zwischen den leider nicht mehr unter uns weilenden Wohlstandskindern und Tocotronic anzusiedeln sein. Und darum sprangen und tanzten und sangen die Leute zu den wunderschönen Pop-Punk-Perlen, zu alten Hits und neuen Songs.

Und die Band um den singenden Drummer schien die Hitze und die Begeisterung zu genießen. "Wir sind ja der Anheizer für Muff Potter", erzählten sie. "Also wollen wir euch mal anheizen. Könntet ihr bitte noch ein paar Pullis anziehen, damit Muff Potter einen angenehmen Abend verleben können?" lachten und baten sie. Wüsste man es nicht besser, käme man nicht darauf, dass hier eine sogenannte Vorband bei der Arbeit ist. Im Grunde waren sie es auch nicht, eine gute Stunde wurde gespielt, und irgendwie hatte es den Touch einer - wie man so schön sagt - Co-Headliner-Show. Und darum bekamen auch Schrottgrenze das volle Licht. "Früher hatten sie hier doch nur Standlicht", amüsierten sich die Musiker über das grelle Helle. "Aber das haben sie sich wohl zum Geburtstag gegönnt." Man muss diese Band einfach mögen.

Seit ihrem Major-Vertriebsdeal mögen auch alle Muff Potter. Endlich bekommen auch die Münsteraner die Aufmerksamkeit und den Ruhm, den sie nach all den Indie-Jahren mit ihrem eigenen Label und nach famosen Alben wie "Bordsteinkantengeschichten" oder "Heute Wird Gewonnen, Bitte" auch verdienen. Und tatsächlich haben sich all die Nachzügler aus dem Vorraum und der Bar in den Innenraum des Molotows gedrängt, als Muff Potter mit ihrem "I Can't Relax In Deutschland"-Beitrag "Punkt 9" fulminant loslegten. Nicht alle konnten was sehen, alle aber schwitzten und hörten, setzten sich in Bewegung, strotzten der Hitze und feierten. Muff Potter eben, immer noch Punks und wie immer charmant. "Ist das hier wirklich so warm oder bin ich nur zu fett?" fragte Nagel, wischte sich kurz den Schweiß von der Stirn, und es ging weiter.

 

 

Natürlich stammten viele Songs von "Von wegen": "Wenn dann das hier", das als "Der Ficker fickt" angekündigte "Wecker? Tickt.", das tretende "Alles was ich brauch" oder das schlicht tolle "Den Haag". Ist die Platte schon klasse, wirken die Nummern live noch eine Nummer besser, zackiger. "Im folgenden Song geht es um etwas, dass kein Hip Hopper und kein Punkrocker je als Thema nehmen würde", erzählte Nagel. "Nämlich darum, wie geil es ist, Bücher zu lesen": "Bis zum Mond" war einer der "Heute wird ..."-Highlights. Natürlich sorgten auch die "Jetzt-schon-Klassiker" "Placebo Domingo" und "Young Until I Die" sowie die "Bordstein"-Hits "100 Kilo" oder "Unkaputtbar" für Begeisterung, und mit der Zeit stellte jeder verschwitzte Anwesende fest, dass die Potters ein starkes Händchen für Playlisten haben. Die Mischung stimmte, Stimmungen und Platten wurden gekonnt vereint, und die drei letzten Alben wurde gleichmäßig gewürdigt. Von Langeweile keine Spur, nur wenige machten schlapp und verdrückten sich in Richtung Merchandise-Stand und Toilette. Weicheier, ihr!

War es eine Stunde, die sie gespielt haben? Oder nur 45 Minuten? Vielleicht war es auch viel länger, aber als sich Nagel, Brami (stilecht in kurzen Boxershorts und Turnschuhen am Drumset), Shredder und Dennis vor der Zugabe kurz versteckten, hatten sie bereits gewonnen, bitte. Und bedankten sich dafür mit einer - es war zu erwarten - fulminanten Zugabe, die das Konzert recht gut zusammen fasste. Mit "Allesnurgeklaut" gab es die neue Single, mit "Auf der Bordsteinkante" ihren frühen Hit und mit "Wir sitzen so vorm Molotow" ihre Hamburg-Hymne, die heute unter dem Namen "Wir schwitzen so im Molotow" zum Motto des Abends wurde. Im Februar wollen sie wieder hier spielen. Aber die Show wird bestimmt in einen größeren Club verlegt. Jede Wette!

 

Links:

>> Künstlerinfo Muff Potter bei POP FRONTAL

>> CD-Rezension (17.10.05): Von Wegen

>> Homepage Muff Potter

>> Infos zu Muff Potter Postern designed by AKU!

>> Muff Potter: Von Wegen - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

>> Video "Allesnurgeklaut"

>> MP3-Download "Punkt 9"

>> MP3-Download "Placebo Domingo"

>> Künstlerinfo Schrottgrenze bei POP FRONTAL

>> Homepage Schrottgrenze

 

 

Muff Potter

Muff Potter

Muff Potter

 

Schrottgrenze

Schrottgrenze

Schrottgrenze

Schrottgrenze

 

Muff Potter: Von Wegen

Muff Potter: Von Wegen

(Universal / Universal)

 

 

Poster Muff Potter

Poster von Muff Potter - Designed by AKU!

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