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Gesehen! Nick Cave & The Bad Seeds / 21.05.2008, Berlin, Tempodrom

Lessons in...

Text: Michael Kellenbenz/Sabine Seifert      Live-Fotos: Michael Kellenbenz

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Das Berliner Tempodrom erinnert an eine überdimensionale umgekippte Vase. Von der Sorte, die niemand wirklich haben möchte. Blumig beschrieben: einen ähnlich hohlen, verwelkten Klang wie ein solches Gefäß erzeugt auch diese Halle an ihren schlechteren Tagen. Es mag heute kein überragend guter sein. Doch der Lärm, den Cave und die Bad Seeds entfachen, lässt sich noch in den hinteren Reihen akzeptabel aus der Luft pflücken.

Nick Cave

Grün ist es vor der Halle. Frühling in Berlin. Grillstimmung und grauer Beton. Die Metropole spuckt ihre Kinder aus dem S-Bahn-Schacht direkt auf den Vorplatz. Derweil beginnt drinnen der erste von zwei langen Abenden. Ed Kuepper & Jeffrey Wegener stehen auf einer gedachten Landkarte der Musik auf drei Vierteln des rauen Weges zwischen Go-Betweens und Two Gallants. Mit spürbarem Drift zu ersteren. Kein Duo für die Masse. Selbige verhält sich höflich. Der Respekt schlägt um in hohe Wellen, als die Lazarus-Jünger gegen 21:15h die Bühne betreten.

"Night Of The Lotus Eaters" eröffnet fulminant unruhig. "Today's Lesson" und sein "Gute Zeiten, jetzt!"-Versprechen an den Abend landen erst an vierter Stelle. Nicht ganz das komplette aktuelle Album kommt zur Sprache. Mit "Albert Goes West" und "Hold On To Yourself" fehlen jedoch zwei Tracks, deren Nichtanwesenheit sich verschmerzen lässt. Intensität? Caves Platz ist der oft im grellen Gegenlicht befindliche Bühnenrand. Seine Musiker mögen in der Vergangenheit schon charismatischer, energischer gewirkt haben. Trotzdem drängt die Band scheinbar von allen Seiten der lichterkettenumrahmten Bühne zur Mitte des Raumes. Davon, wie man eine Halle dieser Größenordnung für sich vereinnahmt, überzeugt sich auf den Rängen derweil auch ein Teil der Beatsteaks.

 

 

Bei Cave bedeutet intensives Auftreten etwa die mantraartige Zelebration des Fatalismus in einer einzigen Textzeile. "I'm Not Your Favourite Lover" ("Moonland") überstreicht die Haut noch in beträchtlicher Entfernung zur Bühne. Nur kurze Zeit später lassen Fans ihm einen dicken Blumenstrauß zukommen. Nicht alle Blumen finden den Weg in die eilig vom Backliner gereichte Vase. In Gedanken versunken presst später beim Verlassen der Halle eine unbekannte studentische Konzertbesucherin ihre aufgefangene Blume an sich.

Erinnerung an einen Abend, der sich zum ergreifend kumulierenden Ende mit "Get Ready For Love", "The Lyre Of Orpheus", "Into My Arms", "The Mercy Seat" (in einer differenzierten Version - am darauf folgenden zweiten Konzertabend kündigt Cave die "normale" an) und dem zum Glück wohl unvermeidlichen "Stagger Lee" in den gestreiften Hallenhimmel schraubt. Today's Lesson? She had a real good time!

 

Links:

>> Künstlerinfo/Tourdaten Nick Cave bei POP FRONTAL

>> Homepage Nick Cave

>> Konzertbericht Bonn (14.11.06) bei POP FRONTAL

>> Konzertbericht Hamburg (21.11.04) bei POP FRONTAL

>> Konzertbericht Düsseldorf (18.11.04) bei POP FRONTAL

>> CD-Rezension (20.09.04): Abattoir Blues / The Lyre Of Orpheus

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Nick Cave

 

Nick Cave

 

Nick Cave

Nick Cave @ Berlin

 

Nick Cave & The Bad Seeds: Dig, Lazarus, Dig!!!

Nick Cave & The Bad Seeds: Dig, Lazarus, Dig!!!

(Mute / EMI)

 

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