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Gesehen! Patrice, Fetsum / 27.10.2008, Hamburg, Docks - Präsentiert von POP FRONTAL

Wir sind das Volk!

Text: Mathias Frank   Live-Foto: Doreen Reichmann

Wenn im Ausland über erfolgreiche deutsche Bands und Künstler gesprochen wird, fallen schnell Namen wie Rammstein, die Scorpions oder auch Die Ärzte, die es bis nach Russland geschafft haben. Von Patrice aber ist selten die Rede. Dabei ist der in der Nähe von Köln geborene Sänger längst weltweit etabliert. Er spielte in Frankreich, den USA oder dem Senegal, trat mit Manu Chao auf, war mit Alicia Keys und Joss Stone im Studio. Für seine Mitarbeit am Album "The Miseducation Of Lauryn Hill" der ehemaligen Fugees-Sängerin bekam er den Grammy. Jetzt war er wieder in Deutschland unterwegs und machte im Hamburger Docks Station. Im vollen Docks.

Patrice

Den Abend eröffnete Fetsum, der auf besonderen Wunsch von Patrice mit dabei war. Zusammen mit seinem Gitarristen Leon Schurz schaffte es der gebürtige Ägypter jedoch trotz einer sympathischen Performance und netten Geschichten über z.B. die Finanzierung der Tour durch Shirt-Verkäufe nicht, richtige Stimmung in den schon bestens gefüllten Club zu bringen. Die Songs des Mannes, der bereits für Leute wie Max Herre, DJ Thomilla oder den Jungs von den Massiven Tönen sang, wollten einfach nicht zünden und bewegten sich im Nirgendwo zwischen Soul, Pop und Reggae, zwischen Cat Stevens, Ich + Ich und Lionel Richie. Ob "Meet You In Paradise" oder "Air" als Rausschmeißer - sie waren irgendwie langweilig und mit der Zeit tatsächlich einschläfernd. Und so wurde das Gemurmel im Club im Laufe der gut 25 Minuten dann auch stets lauter - der Jubel allerdings auch. Aber Hamburger sind eben nette Leute.

Die kamen an diesem Montagabend in Massen auf den Kiez. Und zwar aus allen Richtungen. Junge und Alte, Rocker, Popper und Tänzer, Männer und Frauen - Patrice ist Pop, und alle wollen ihn sehen. Anfangs ging er es aber ebenso langsam und lahm an, wie sein Support aufgehört hat. Erst alleine und dann auch mit seiner fünfköpfigen Band überaus bedächtig. Oh nein! Erst mit "Murderer" wurde es flotter, besser und so, wie man es sich erhofft hatte. Schweißtreibend und mitreißend nämlich. Jetzt kamen die Hits, jetzt wurde gefeiert. Und das Publikum nahm das dankend an, machte fleißig mit, fraß dem Sänger aus der Hand und hörte damit im Laufe des Abends auch nicht mehr auf. Bei "Everyday Good" übernahmen sie das Intro, zu Marleys "Everything's Gonna Be Alright" feierten sie genau wie zu "Up In My Room", dem tollen "Soulstorm" und natürlich dem Konzert-Highlight "Sunshine".

 

 

Patrice und seine Musiker spielten sich in Rage. Immer wieder wurde gejammt, jeder auf der Bühne durfte sich austoben. Es war ein Happening und es war ein großer Spaß. Patrice selbst erinnerte sich charmant an seinen ersten Hamburg-Gig in der Prinzenbar, die so etwas wie der Backstage-Bereich des Docks ist, vergaß zwischendurch seine Texte und forderte später seinen Bassisten zum Tanzwettbewerb heraus - und verlor eindeutig. Es herrschte eine lockere, fast schon freundschaftliche und dabei hitzige, phasenweise euphorische Stimmung. Erst nach 90 Minuten gab es eine kurze Verschnaufpause. Die Band verschwand von der Bühne, die Zuschauer atmeten durch - und alles wurde noch besser.

Plötzlich öffneten sich die Türen am Ausgang. Und direkt von der Reeperbahn wieder hinein tobten Patrice und seine diesmal ausnahmslos mit Trommeln ausgestatteten Musiker vorbei an Bar, verdutzten Leuten und Mischpult und stürmten von hinten in die Menge. Mitten im Mob wurde gefeiert, getrommelt und gesungen und zwischendurch auch noch "Happy Birthday" für eine Besucherin angestimmt. Eine große Aktion. Weiter ging es dann auf der Bühne, auf der Patrice seine gute und seine schlechte Seite zeigte: mal trällerte er in feinster Prince-Manier, dann tickte er zu deftigen Ragga-Riddims richtig böse aus - was das Beste war, was er an diesem Abend sang! Auch Mr. President sagte er noch hallo ("Dove Of Peace"), ehe der - ja, der großartige! - Abend mit "Another One" nach runden zwei Stunden ein durchaus entspanntes Ende fand.

 

Links:

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