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Gesehen! Rock of Ages Festival / 31.07. - 01.08.2009, Rottenburg-Seebronn

Heiße Ü30-Party

Text: Carlo G. Reßler      Live-Fotos: Sati (www.satipics.de)

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Ein Festival, das alles bietet, was die Ohren von Classic-Rockfans erfreut. Sounds von melodisch bis hart, von der sanften Ballade bis zum knackigen Riff, gespielt von Bands, die ihr Handwerk verstehen, versprechen die Veranstalter für das zweitägige Sommer-Open-Air Rock of Ages südlich von Stuttgart. Bestes Sommerwetter und mit Status Quo und Gary Moore zwei Headliner, die Massen von Fans anziehen, sind hervorragende Voraussetzungen für eine prall gefüllte Wiese am Ortsrand des Dörfchens Seebronn.

Gary Moore

Gary Moore

Nach langem Warten verursacht durch peinlich genaue Einlasskontrollen, denen nicht nur kleine Wasserflaschen, sondern kurioserweise auch Campingstühle zum Opfer fallen, folgt für alle Vegetarier dann der absolute Kulturschock auf dem Gelände: dort wird, wie bereits im Vorjahr, an fast allen Essensständen nur der Fleischeslust gefrönt! Also heißt es, zwei Tage lang von triefender Schlabberpizza und gutem hausgemachten Kuchen zu leben. Wahrlich trübe Aussichten und ein absolutes Manko der Veranstaltung!

So konzentrieren wir uns bei einem Stück Schwarzwälder Kirschtorte ganz auf das abwechslungsreiche Musikprogramm, welches am Nachmittag von der lokalen Schülerband Chucks mit deftigem Hardrock eröffnet wird. Den Newcomern folgt mit Epitaph eine bereits 1970 gestaltete Grabinschrift, die es richtig in sich hat. Feinster melodischer Gitarrenrock mit Lust gespielt von einem sehr lebendigen Urgestein deutscher Rockmusik. Neben vielen alten Klassikern spielt die Band um die Gründer Cliff Jackson (git) und Bernd Kolbe (bass) auch Material von den starken Alben der aktuellen Dekade.

Dem anschließenden Auftritt der britischen Hardrocker Thunder folgen viele hierfür weit angereiste Fans mit Freude und Trauer zugleich. Die Band um den charismatischen Sänger Danny Bowes hat nämlich bekannt gegeben, nach dem Seebronn-Gig und einem endgültigen Abschlusskonzert beim Knebworth Festival am nächsten Tag, sich dauerhaft zu trennen. Bei ihrem Konzert spielen sie unter großem Applaus nochmals alte und neuere Songs aus ihrer zwanzigjährigen Karriere und verabschieden sich dann mit ein wenig Wehmut endgültig aus deutschen Landen.

Zeit für einen großen Deutschen der oberen Metal-Gitarren-Liga. Axel Rudi Pell und seine Band entern zum Sonnenuntergang mit schweren Riffs die Bühne. Das Quintett zeigt sich in Seebronn frisch, extrem spielfreudig und bestens gelaunt. Die Stromgitarren-Anhänger werden dabei von Mr. Pell und seinen Freunden über eine satte Stunde mit melodiös ausufernden Breitseiten auf stets hohem Niveau bedient. Nach kurzer Umbaupause ist es dann Zeit für Status Quo, den absoluten Headlinern des ersten Festivaltages. Kollektives Headbanging ist angesagt für die Soundminimalisten um die beiden scheinbar ewig jungen Gründer Rick Parfitt und Francis Rossi. Nicht erst seit dem Erscheinen ihrer letzten CD "In Search of the Fourth Chord", sondern bereits seit über 40 Jahren scheinen sie auf der Suche nach diesem vierten Akkord zu sein. Doch genau jene einprägsamen und kurzen Hitsongs wie "Down the Dustpipe" oder "Caroline" sind es, für welche die noch immer riesige Fanschar ihnen treu bleibt.

 

 

Der Samstag ist sehr heiß und wolkenlos, weit über 30 Grad zeigt das Quecksilber am Nachmittag. Da auch die meisten auftretenden Bands schon über dreißig Bühnenjahre hinter sich haben, ist das diesjährige Festival wahrlich eine "heiße Ü30-Party" für die Beteiligten. Während viele Besucher zu den wenigen schattigen Plätzen auf der Wiese flüchten, spielt die Deutschrockinstitution Birth Control - von äußerer Hitze scheinbar unbeeindruckt - groß auf. Einen lupenreinen Gig mit vielen beliebten Songs von "The Work Is Done" bis zum Megahit "Gamma Ray" serviert das verjüngte Quartett um Drummer, Sänger und Bandgründer Bernd "Nossi" Noske ihren zahlreichen der Hitze trotzenden Fans vor der Bühne.

Mit Mother’s Finest geben anschließend echte Fusionspioniere ihre Live-Visitenkarte auf dem Festival ab. Sie gelten als eine der ersten Bands, welche harten Rock mit Funk und Soul mixte und so einen ganz eigenen Stil kreierte. Feurige Hits wie "Baby Love" oder "Mickey’s Monkey" und einer furiosen, energiegeladene Show fordern geradezu zum kollektiven Wiesentanz heraus: denn "live" ist jetzt, und heißer geht’s kaum noch.

Auch schon seit 35 Jahren ein fester Bestandteil der Rockszene ist die Reibeisenstimme von Roger Chapman mit seiner Combo The Shortlist. In Seebronn jedoch liefert Chappo leider einen solch seichten Gig ab, dass man ihm dringend nahe legen sollte, eventuell mal über den Gang in die durchaus verdiente Rockerrente nachzudenken. Ganz anders die nur äußerlich gealterte englische "Potenztruppe" 10CC, deren Bandname Gerüchten zufolge auf die durchschnittliche Ejakulationsmenge beim männlichen Samenerguss anspielt (9 Kubikzentimeter). Der eine Kubikzentimeter mehr macht auch auf der Bühne zur Freude der vielen 10CC-Anhänger den Unterschied aus. Große stilistische Vielfalt sowie kollektive Spielfreude mit perfekt getimeten Balladen wie ihrem Welthit "I’m Not In Love" oder leicht satirische Popperlen wie "Dreadlock Holiday" haben auch nach gut 30 Jahren nichts von ihrer Faszination verloren.

Die Düsseldorfer Metallady Doro Pesch spaltet seit jeher die Rockanhänger. Die einen fahren seit vielen Jahren voll auf ihr nervig-burschikoses Anmachgetue ab, die anderen sehen dahinter "viel Sch(r)ein um nichts". In Seebronn jedenfalls liegen Doro samt eigenem Orchester zur besten Festivalzeit tausende Fans vor der Bühne zu Füßen und lassen sich gerne zum bierseligen Mitgrölen ihrer Hardrocksongs animieren.

Nachdem die zierliche Metal-Röhre mit der ihr eigenen "Breaking the Law"-Coverversion ihren Abgang gebührend inszeniert hat, ist es Zeit für den Headliner des Festivals und zugleich einem der besten Blues-Rockgitarristen der Gegenwart. Gary Moore mit seiner Band bietet über neunzig Minuten eine aufregende Lehrstunde in Sachen wieselflinker Fingerakrobatik. Auch nach vierzig Bühnenjahren wirkt sein unverwechselbares Gitarrenspiel atemberaubend. Ausufernde Blueskaskaden peitscht der eigenwillige Ire genauso in die warme, von Mond und Sternen beleuchtete Sommernacht, wie seine ruhigen Rockballaden. Ein energiegeladenes, meisterliches Konzert gekrönt von einer gut zwanzig Minuten langen Improvisation als genialer Zugabe!

Während Mr. Moores Gitarrenriffs noch in den Ohren nachhallen, ist es um kurz vor Mitternacht Zeit, das diesjährige Rock of Ages mit einem leuchtend schönen Höhenfeuerwerk ausklingen zu lassen, um anschließend den vom vielen Kuchen geplagten Magen zu beruhigen!

 

Links:

>> Festivalinfo Rock Of Ages 2009 bei POP FRONTAL

>> Homepage Rock Of Ages

>> Festivalbericht Rock Of Ages 2008 bei POP FRONTAL

 

Epitaph

Epitaph

 

Thunder

Thunder

 

Axel Rudi Pell

Axel Rudi Pell

 

Status Quo

Status Quo

 

Birth Control

Birth Control

 

Mothers Finest

Mother's Finest

 

Roger Chapman

Roger Chapman

 

10cc

10cc

 

Doro

Doro

 

Gary Moore

Gary Moore

 

Feuerwerk

Feuerwerk

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