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Gesehen! Sivert Hoyem solo / 20.04.2004, Hamburg, Weltbühne

Ohne Opposition zwischen den Lampenschirmen

Text: Michael Kellenbenz

Hell scheint es noch durch die große Fensterfront, als er plötzlich da steht. Sivert Hoyem. Mitten in unserem WG-Wohnzimmer. Wir lümmeln in unseren Sesseln herum, sitzen um die Tische und schauen gespannt. Die Gespräche verstummen, einer nimmt die Ennio Morricone-Scheibe vom Plattenteller. Fast scheu hat er sich dort vorne auf die kleine Bühne zwischen die beiden Lampenschirme gestohlen. Der charismatische Madrugada-Frontmann bietet ein Bild wie beim Vorspielen an einer Akademie. Wir lachen wohlwollend und höflich ob der sympathischen Begrüßung "I never did this before. I'm a little bit scared."

Sivert Hoyem

Im Gepäck hat er Stoff für reichlich Interviews. Deswegen ist er in der Stadt. Daher steht er jetzt auch hier und spielt uns eine reichliche halbe Stunde aus seinem Album vor, welches im Juni auch hier erscheinen wird. "Ladies and Gentlemen of the Opposition" wird es heißen, und "The Opposition" ist zugleich der Name seiner Begleitmusiker. Die indes sind heute nicht vertreten.

Mit dem getragenen, auf dem Album lustig umspielten "First day of Summersault", einem "Song über Bonnie & Clyde", beginnt er, lässt das kurze, endzeitig verklärte "Black Box" folgen, welches angeblich kaum jemand bisher mochte, und erzählt natürlich, wie schön es sei, wieder hier in Hamburg zu sein. Wir hören die Geschichte von den Straßenpunks, die ihn einst beim ersten Hamburgaufenthalt penetrierten. Heute, so voller Genugtuung ob der ungastlichen Begegnung, stehe auf ihrem ehemaligen Domizil ein "Kentucky Fried Chicken"- Palast. Das mitternächtlich sehnsüchtige „Far from here“ folgt darauf mit der Frage "If I did not come for love, what did I come for?". Aus dem Lachen heraus schwelgen wir, während es draußen dämmert.

"Song for Cornelis" wird noch eben einer Quelle der Inspiration gewidmet. Dann geht Hoyem, und in Gedanken schreien wir nach dem wunderschönen "Ladyfriend", einem Ruhepol des stilistisch recht gemischten Albums, auf welchem Folk und Country sich zeitweise mit Lou-Reed-Attitüde und roher Melancholie paaren. Sivert bedient sich kurz am Kühlschrank, kehrt noch einmal zurück und erfüllt unseren unausgesprochenen Wunsch umgehend mit dem Track, der auch Norwegens Vorzeige-Melancholiker Kristofer Aström zu Ruhm gereicht hätte. Dann ist auch schon Schluss. Wir trinken noch gemütlich den Rest des Bieres aus, bis es vor der Tür endlich dunkel ist, und gehen schwer angefixt ins Bett.

 

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Sivert Hoyem

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Sivert Hoyem - Ladies And Gentlemen Of The Opposition

(Virgin/EMI)

 

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