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Gesehen! The Swell Season / 17.11.2008, München, Muffathalle

Kopfkino mit Werbeunterbrechung

Text: Bettina Dunkel

Anfang des Jahres, zu einer Zeit, als man Handschuhe brauchte und es früh am Tag dunkel wurde, kam ein Film in die Kinos, der der winterlichen Melancholie noch ein wenig mehr Auftrieb verlieh: "Once", die Geschichte einer tief empfundenen, aber unmöglichen Liebe. Hauptdarsteller in dem irischen Low-Budget-Movie waren Frames-Frontmann Glen Hansard und die tschechische Pianistin und Sängerin Marketa Irglova. Dem Soundtrack, der die Geschichte zu weiten Teilen miterzählte, wurde kurze Zeit später weltweite Aufmerksamkeit zuteil: "Falling Slowly", einer der darauf enthaltenen Schlüsseltracks, wurde bei der Oscar-Verleihung im Februar zum "Besten Song des Jahres" gekürt.

The Swell Season

Für Hansard hatte die Auszeichnung einen weit größeren Stellenwert, als man als außenstehender Betrachter annehmen konnte: sie war der Lohn für die jahrelange und oft nur bedingt erfolgreiche Arbeit als Musiker, der seine Karriere in fast schon kitschig klassischer Manier auf der Straße begonnen hatte. Und jetzt so was.

Der kommerzielle Erfolg, der mit dem Oscar einher geht, war bei dem Konzert, das Hansard und Irglova nach München führte, deutlich zu bemerken. Noch im vergangenen Jahr galten die Konzerte von The Swell Season, so der Name ihres gemeinsamen Projekts, als Geheimtipp unter Liebhabern ergreifender Indieballaden. Jetzt war die Muffathalle ausverkauft, bestuhlt und hauptsächlich mit Publikum der eher gesetzteren Art gefüllt. Die sonst bei Konzerten von The Swell Season häufig vernommenen Schreie ekstatischer Entzückung blieben so zwar aus, der Intensität des Auftritts tat dies aber keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil: über weite Strecken des Konzerts fühlte man sich wie zurückversetzt in den Kinosessel, die Geschichte von "Once" lief nicht nur vor dem inneren Auge ein weiteres Mal ab.

Hier wie auf der Leinwand standen der bärige Ire und die zierliche Tschechin beisammen und waren doch getrennt von einander. Sie links außen am Bühnenrand und am Piano sitzend, er im Zentrum des Geschehens, ganz nah dran am Publikum, gestützt von der durchlöcherten Akustikgitarre, die schon im Film seine treueste Begleiterin war. Auch der dramaturgische Aufbau des Konzerts hatte Filmqualitäten und -parallelen. Mal stand er im Mittelpunkt, mal sie. Und wie im Film war auch die Charakterkonstellation der beiden Bühnenhauptdarsteller: Während sie am Piano ganz in der Musik versank, betrachtete er, sobald er ihren Platz am Bühnenrand einnahm und sie ein Solostück sang, die ätherische Person vor ihm mit leicht entrücktem Lächeln. Dann gab es wieder die Momente - selten zwar, aber immerhin - wenn beide zusammenstanden und gemeinsam einsam eins ihrer herzzerreißend schönen Duette ins Mikrophon sangen.

 

 

Und dann, irgendwann in der zweiten Hälfte des über zwei Stunden währenden Abends, mittendrin: die Werbeunterbrechung. Als Hansard plötzlich, aber doch geplant in den Sinn kam, dass er fernab der Melancholie von The Swell Season noch andere Musik im Herzen trägt. Dann wurde es laut, fast ein wenig blueslastig. Die Begleitmusiker von Hansards Hauptband The Frames drehten ebenfalls am Rockregler, und verflogen war die süße Schwere des zuvor Gehörten. Es waren nur wenige solcher Stücke, die den Abend mitgestalteten. Doch wirkten sie trotz ihres nicht minder hohen Anspruchs innerhalb des eigentlichen Konzertrepertoires wie eine Ansammlung gut gemachter, aber dennoch störender Werbespots. Trotzdem: die grandiosen Liebeslieder, die großen Gefühle, die The Swell Season über 140 Minuten hinweg im Raum verbreiteten, machten den Abend zu einem Erlebnis zauberhaften Ausmaßes. Das Publikum dankte es, wenn schon nicht mit ekstatischen Schreien, so doch immerhin mit Standing Ovations.

 

Links:

>> Info/Tourdaten The Swell Season bei POP FRONTAL

>> Homepage The Swell Season

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The Swell Season

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Once (Music from the Motion Picture)

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