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Gesehen! Adam Green / 27.03.2006, Hamburg, Kampnagel

Gartenbänke, Laternen und der ewige Sinatra

Text / Live-Fotos: Michael Kellenbenz

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Der feine Herr Green. Everybody's Darling bis dato. Regelmäßiger Gast auf den Konzertbühnen, dessen stilistisch verhafteter Exoten-Bonus in der einen oder anderen Pressespalte schon leichte Anzeichen von Auflösung zeigte. Den Kunden scheint das nicht weiter zu stören. Eine ausverkaufte (bestuhlte) Halle bereits im Vorfeld und ein Publikum, dessen Altersspanne zu wachsen scheint. Eigentlich alles bestens. Trotzdem sind am Ende die Meinungen gespalten.

Adam Green

Zunächst ist es vor allem dieser unsägliche und jüngst erneut aufpolierte scheinbar unvermeidbare Sinatra-Vergleich, der stört. Abstrus und in der Beschreibung wenig umfassend. Sicher croont dieser teuer zusammen geschlonzte Bengel sich in einer Art und Weise durch die Lieder, dass einem so manche altbekannte und geliebte Stimme in den Sinn zurückkehrt. Doch wer Sinatra wählt, könnte auch einen Otto Waalkes als Referenz heran holen. Nicht jeder Satz, nicht jede Geste ist eben von herausragender stilistischer Blüte. Auch Albernheiten wie "I could be your father!" werden aufgetischt. Wenn Green sich an den Bühnenrand stellt und von seiner Herkunft "...from the land of the tall buildings" erzählt, hat das fast schon etwas von Peter Pan. Nur weniger Jackson-like. Dafür macht er uns in "Emily" den Elvis. Alle haben auf "Emily" gewartet, so scheint es. Erstmalig brandet ein Jubelsturm auf, wo vorher lediglich sehr freundlicher, bestimmter Beifall durch das Haus rauschte. Zu diesem Zeitpunkt ist das Konzert aber auch schon fortgeschritten.

Queerbeet geht es durch sämtliche Alben. Am Rande der Stuhlreihen tanzt ein Mädchen fast im Dunkeln. Alleine. Auf der Bühne funzelt eine Straßenlaterne über einer Parkbank. "I never had such a bench before", sagt er und räkelt sich darauf. Ebenso alleine. Doch auch an diesem einsamen Platz besinnlicher Romantik hält es ihn nicht lange. Green ist ein liebenswertes Kind geblieben. "I feel like a man today", lügt er, ohne rot zu werden, in das Auditorium oder robbt auf Knien über die Bühne. Im Hintergrund das überlebensgroße Abbild seiner selbst aus noch sehr jungen Jahren. Strahlend und schon damals mit einer gut erkennbaren Verwegenheit im Blick.

 

 

Vier Streicherinnen, ein Orgelmann und der Rest der Band bleiben da Statisten. Sogar aus ihrer Körperhaltung lässt sich so etwas wie "Beiwerk" ablesen. Dann fummelt Green an seinem Mikro, dass es knarzt und knistert. Parolen wie "You are not my boss, dad!" könnten von Springsteen stammen, fliegen hier aber offenbar als Selbstzitate durch Raum und Zeit. Theater oder Konzert? Das Publikum erscheint wie eine gut abgewogene Mischung aus beidem. Manchmal hat das hier tatsächlich etwas von einer Aufführung. In vielen kleinen Akten. Dass nicht nur zufriedene Gesichter nach Hause gehen und ein paar wenige schon recht früh den Ort verlassen, lässt sich vielleicht erklären. Sie hatten halt gehört und gelesen von diesem schrägen Vogel Green. Von welchen, die ihn bereits sahen und als Tipp nannten. Mitgekommen sind sie nicht noch einmal. So sehenswert Green bleibt, so stark macht sich inzwischen leider auch die Mühle der Reproduktion bemerkbar.

 

Links:

>> Künstlerinfo Adam Green bei POP FRONTAL

>> Konzertbericht Hamburg (12.02.04) bei POP FRONTAL

>> Homepage Adam Green

>> Adam Green: Jacket Full of Danger - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

 

Adam Green

Adam Green

Adam Green

Adam Green

Adam Green @ Kampnagel

 

Adam Green: Jacket Full of Danger

Adam Green: Jacket Full of Danger

(Rough Trade / Rough Trade)

 

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