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Gesehen! Garish / 19.10.04, Hamburg, Weltbühne

Bescheidene Burgenländer

Text: Simone Deckner

 

Österreicher haben’s nicht leicht: Eine rechte Regierung, den Blick versperrt durch Berge, und der bekannteste Musik-Export fährt sich vollgekokst gegen einen Baum. Kein Wunder, dass nur wenige aufmerken, wenn sich eine Band aus dem Burgenland ankündigt. Ein Fehler. Garish zuzuhören ist gut. Das haben sie bei ihrem zweiten Besuch in Hamburg innerhalb kurzer Folge erneut bestätigt.

Garish

"Mein Gott, ich fühle mich alt", sagt die Begleitung zur Linken. "Mein Gott, sind die blutjung", sagt die Begleiterin zur Rechten. Am besten Bier holen gehen. Das sind so seltsame Abende. Die Jungs der Vorband Campus können ja nichts dafür. Bloß weil sie so wie gerade geschlüpft aussehen. Auch ihre Musik wirkt noch etwas unfertig. In guten Momenten wie eine Mischung aus Coldplay, Starsailor und Ultravox – in schlechten Momenten wie eine Mischung aus Coldplay, Starsailor und Ultravox.

Ganz anders Garish, die Hauptakteure dieses Abends. Hier drängt sich nichts auf. Das fängt schon bei der Begrüßung an: Sänger Thomas Jarmer empfängt die kleine Gästeschar (mehr als 50 Menschen haben es an diesem Abend nicht geschafft) mit einer höflichen Entschuldigung. Es könne sein, dass seine Stimme möglicherweise in den vergangenen Tagen gelitten habe: "Wir haben jetzt sechs Tage hintereinander gespielt, gestern war ein Tiefpunkt. Wo war das noch gleich?" Die Bandkollegen lächeln.

Thomas fängt an zu singen. Kein Stimmproblem nirgends. Er singt auf eine sehr bestimmte Art, die zwischen sanft, vorsichtig und leidenschaftlich wechselt. Wer das live noch nie gehört hat, gerät spätestens beim zweiten Stück in Verzücken. Man muss das so altmodisch sagen – sie sind ja selbst so:

"Ich weiß – hier wo ich Halt gemacht und Punkt soeben / erwacht in absehbarer Zeit / ein Wald zum Leben / hier wollt’ ich her so wart’ ich zu hier bleib ich stehen / der Wald, er wächst es neigt sich mir ein Baum entgegen / Später ist egal."

Neben der neuen Single "Später ist egal" spielen Garish fast alle Stücke ihres letzten Albums "Absender auf Achse". "Jedes Lied ein Hit", raunt die Rezensentin ihrer Begleiterin zur Rechten ins Ohr. Die lacht und sagt, das höre sich an wie ein Plattenboss. Die Frage bleibt, ob die Plattenbosse eigentlich genug getan haben für diese Band. Diese Musik müsste so vielen Menschen mehr gefallen, als hier heute versammelt sind.

Der Abschied fällt genauso höflich aus wie schon die Begrüßung: Thomas Jarmer verbeugt sich, bevor er sagt: "Danke fürs Zuhören, das ist für uns eine wunderbare Erfahrung gewesen." Es bricht einem fast das Herz. Plattenbosse – hört doch endlich einmal richtig hin.

 

Links:

>> Künstlerinfo Garish bei POP FRONTAL

>> Homepage Garish

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Garish

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