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Gesehen! Grobschnitt / 15.12.2007, Neuss, Stadthalle

Heut ist ein schöner Tag

Text: Carlo G. Reßler      Live-Fotos: Festus (www.festus-fotos.de)

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Ähnlich wie früher bei der US-Kultband Grateful Dead ganze Heerscharen von Fans fast jedem ihrer Konzerte nachreisten, war es jahrelang auch bei der deutschen Rocklegende Grobschnitt. Dann kam 1989 der Schnitt, und es wurde ultimativ "The Last Party" eingeläutet. 18 Jahre danach heißt es plötzlich für die vielen begeisterten Anhänger: "The Next Party"! Denn die Band ist scheinbar wie ein Phönix aus der Asche wieder auferstanden. Nun geht die Party also weiter - und wie!

Grobschnitt

Manchmal gibt es Ereignisse, die klingen nicht nur unglaublich, sie sind es auch. Als vor 18 Jahren das letzte Grobschnitt-Konzert stattfand, hinterließ die Band eine große Lücke in der deutschen Rocklandschaft, und lange gab es kein Anzeichen, dass sich dies ändern würde. Plötzlich im Frühjahr 2007 fanden sich dann überraschend Ex-Bassist Milla Kapolke, Schlagzeuger "Admiral Top Sahne" alias Rolf Möller, Sänger "Willi Wildschwein" alias Stefan Danielak und Lichtguru "Toni Moff Mollo" alias Rainer Loskand mit ihren Söhnen und Freunden wieder zusammen und belebten die Legende neu.

Mit zwei Schlagwerkern, wie ganz am Anfang, formierte sich die Band als Oktett neu. Sie spielte im Herbst zwei mit je 500 Leuten ausverkaufte Konzerte in Aschaffenburg, zog spontan 800 Zuschauer in Osnabrück an und toppt dies nun mit einem bereits im Vorfeld mit gut 1500 Fans restlos ausverkauften Gig in der Neusser Stadthalle. Fans aus England, Holland, sogar Kanada und ganz Deutschland sind an diesem Abend angereist, um ein ultimatives Sinnesspektakel zu erleben. Die Zeit ist scheinbar wieder reif für Grobschnitt. Die Band wird überwältigend begrüßt von den enthusiastischen Fans mit minutenlangen "Oh wie ist das schön..."-Chorgesängen. Sichtlich gerührt spricht Sänger "Willi Wildschein" mehrmals von ganz dicker Gänsehaut, bevor die Band mit "Razzia" direkt in die vollen geht. Der Sound ist brillant ausgesteuert, die Akustik in der proppenvollen Halle optimal.

Die Geschichte der Band müsse nun neu geschrieben werden, vermutet Sänger Stefan Danielak, um anschließend "Heut ist ein schöner Tag..." anzumerken. Worauf es aus 1500 Kehlen schallt: "...so wie Vater Schmidt ihn mag!" Auftakt zum frenetisch gefeierten "Vater Schmidts Wandertag" vom erfolgreichen Album "Jumbo", einem Werk, das sich ironisch-kritisch mit dem Konsumverhalten befasst. Energievoll und dynamisch kommt dieser große Klassiker daher. Und wenn man die Augen schließt, fühlt es sich an, als wäre das letzte Konzert erst vorgestern gewesen. Das Folgestück "Keine Angst" gibt dem langjährigen "Lichtkönig" Toni Moff Mollo dann Gelegenheit, sich als kostümierter Superman-Sänger zu präsentieren.

 

 

Auch wenn es heute keine Bühnenspektakel mit Motorrädern und gesprengten Klohäuschen mehr zu bestaunen gibt, die Show ist nach wie vor sehr stil- und lichtvoll inszeniert. So tauchen z.B. magisch schöne Showeffekte bei "Rockpommel's Landfinale" die Bühne in ein stilvolles Gesamtkunstwerk. Natürlich gibt es auch reichlich wabbernden Trockeneisnebel, Pyrotechnik, Paradiesvogel "Maraboo", hanfgeschmückte Roadies (in der Marihuana-Hymne "Mary Green") sowie die berühmten Kreissägen-Effekte und Lichtschwerter-Kämpfe in der diesmal auf deutsch gesungenen "Solar Music"-Version. Beim Gig in Neuss ist dieses, immer wieder neu improvisierte Grobschnitt-Epos gut 40 Minuten lang - und lässt, wie gewohnt, keinerlei Wünsche offen.

Die Musiker spielen lustvoll gut gelaunt wie aus einem Guss. So überzeugt der "Admiral" mit druckvollem Powerspiel hinter seinem Schlagzeug, welches die Band beständig nach vorne treibt. Deva Tattwa sorgt hinter seiner Tastenburg für einen satten Soundteppich. Die unverwechselbare Stimme von "Wildschwein" ist ein Markenzeichen der Band und hat sich in all den Jahren kaum verändert. Des Sängers Sohn Stefan Danielak bereichert nun die Gitarrenfraktion. Milla Kapolke spielt seine gewohnt kernigen Basslinien, sein Sohn Manu steht ihm mit seinem ergreifenden Gitarrenspiel in nichts nach. Perkussionist Demian Hache fügt sein Spiel in erfrischendem Fluss in den Bandsound ein.

Auch wenn sich einige Fans weitere frühe Klassikern wünschen, wie z. B. vom "Ballermann"-Album oder die "Symphonie", ist es ein absolut perfektes Konzert, das den etwas in die Jahre gekommenen Fans mit gut 3,5 Stunden Spielzeit schon einiges an Stehvermögen abverlangt. Kurz vor 1 Uhr früh und nach drei Zugaben entlässt die Band das selig begeisterte Publikum schließlich in die kalte Nacht. Und alle, die dabei waren, wissen: die nächste Party kommt bestimmt!

 

Setlist Neuss

Intro/Razzia
Vater Schmidts Wandertag
Simple Dimple
Keine Angst
Flirt im Kopf
Silent Movie
Potpourri (May Day, Wir wollen leben, Morning Song, Waldeslied)
König der Welt
Ernies Reise
Anywhere
Rockpommel's Land Finale
- Pause -
Komm und tanz
The Sniffer
Mary Green
Solar Music
- Zugabe -
Space Rider
Illegal
Powerplay

 

Links:

>> Künstlerinfo/Tourdaten Grobschnitt bei POP FRONTAL

>> Homepage Grobschnitt

>> Grobschnitt: The International Story - Reinhören und Kaufen bei amazon.de

 

 

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