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Auf seiner Homepage bezeichnet sich der kleine urige Bonner Live-Club Mausefalle 33 1/3 als einer der
verkommensten und ranzigsten Läden der Stadt, in dem Sound und Luft unter allem Niveau seien.
Dem will man nicht unbedingt widersprechen. Der Club bietet aber eine berauschende Live-Atmosphäre,
die ihresgleichen sucht. In diesem besonderen Ambiente spielt die Psychedelic-Rockband Grundwasser ein
geradezu magisches Konzert.
Obwohl erst 2004 gegründet, haben Grundwasser ihre Wurzeln bereits im letzten Jahrhundert. Mitgründer und Gitarrenmaestro Dominik von Senger hatte bereits in den 80er Jahren mit der bekannten Kölner Psychedelic-Formation Dunkelziffer großen Erfolg in der Szene. Seitdem ist der Meister der schrägen Gitarre auf mehr als 35 Platteneinspielungen mit den verschiedensten Musikern (u.a. mit Wolfgang Niedecken) zu hören. Ihn verbindet eine langjährige Freundschaft mit dem japanischen Sänger Damo Suzuki, der bereits die frühen Can-Werke mit seinen Vokal-Lautmalereien veredelte, darunter das berühmte "Tago Mago"-Album. Suzuki ist bei Grundwasser sozusagen der "Special Vocal Guest", da er nicht ständig in der Band singt. Bassist Sito Steinforth spielte bereits 1974 Gigs mit Gary Moore, während Schlagzeuger Torsten Krämer seit den 90er Jahren in verschiedensten Punk- und Coverbands aktiv ist.
Wie fast immer geben Grundwasser auch in der Mausefalle ein völlig improvisiertes Konzert, das es in sich hat. Absolut faszinierend, wie sich z.B. beim Introstück aus einem einfachen Bassrhythmus, von zurückhaltenden Drumbeats sanft untermalt und nach einigen Minuten von spaciger Gitarre und undefinierbarem Gesang bereichert, plötzlich ein melodiös verwobener Klangteppich entwickelt. Ein grooviges und fließendes Tranceklangerlebnis, welches jeden Fan im gut gefüllten Raum unweigerlich in den Bann zieht und erst nach gut 40 Minuten unter tosendem Applaus endet.
Im Folgestück steht besonders "Soundnomade" Damo Suzuki im Mittelpunkt. Mitunter fast unmenschlich, welch seltsame Töne seiner Kehle entspringen. Mal als Sprechgesang, mal jaulend-piepsig, dann zärtlich, wieder jammernd, tief röhrend und exzessiv. Beim Lauschen seiner eigenwilligen Laute entwickelt sich mitunter das Bild von einem Fluginsekt, welches plötzlich gefangen und zappelnd im Netz einer Spinne taumelt, dabei um Hilfe fleht und schreit.
Nach kurzem Break geht es mit einem wunderbar integrierten langen Gitarrensolo weiter. Dominik von Senger steigert sich darin geradezu in einen "kosmischen Gitarrenhimmel", drückt grinsend die Verzerrer-Pedale für jaulende Loopings, läuft entfesselt spielend ins Publikum hinein und kreiert im Anschluss daran fließende stakkatoartige Läufe - wie in besten Dunkelziffer-Zeiten. Im Hintergrund verursachen Sito Steinforths kraftvolle Basszupfer ein wunderbares Prickeln im Bauch. Und das punktgenaue Drumspiel von Torsten Krämer sorgt für bestens getimeten Groove.
Grundwasser bieten Spielfreude pur an diesem Abend. Obwohl komplett improvisiert, ist ihr Spiel sehr souverän. Äußerst kurzweilig wirkt ihr gut dreistündiger Gig und könnte noch unendlich weiter gehen. Mal kosmisch-entrückt, mal funkig-rockig und hart, dabei jedoch immer melodiös und mit einer gehörigen Portion Pepp. Minutenlange Begeisterungsrufe des Publikums sind der Dank für diese große Live-Party in einem gar nicht so schäbigen Bonner Kultclub.