Text: Carlo G. Reßler Live-Fotos: Walter P.R. Schnabel
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Hellmut Hattler, Deutschlands Mr. Jazzbass
schlechthin, vollzieht mit seinem brandneuen Album "The Big
Flow" cool und voller Selbstverständnis wieder einmal
einen geradlinigen Kurswechsel hin zum tanzbaren "Jazz of
today". Seit gut 35 Jahren zählt dieser umtriebige und
auch mit 54 Lenzen sehr jugendlich wirkende Typ zur ersten Garde
deutscher Jazzrock-Bassisten. Schon seit Ewigkeiten ist er der Motor
der lebenden Jazzrocklegende Kraan. Doch damit nicht genug, gründete
Hellmut Hattler ein eigenes Label (Bassball) und spielt – nach
vielen weiteren Zwischenstationen – aktuell in zwei weiteren
Bands, Tab Two und natürlich Hattler. Man könnte den
unermüdlichen Soundtüftler auch mit Recht als "einköpfige
Klangfabrik" bezeichnen.
Mit dem minutenlang
jauchzenden Basssolo "Enimo Mine" startet der Maestro
ganz allein das Konzert in der gut gefüllten Harmonie: solide
Handwerkskunst mit kunstvoll verschachtelten Digital-Loopings. Ein
begeisternder Einstieg, doch dann geht es erst richtig rund. Mit
seinem Freund, Gitarristen und Sitarspieler Torsten de Winkel, dem
Drum-Elektroniker Oli Rubow und der faszinierenden Sängerin Fola
Dada kommt Hattlers aktuelle Formation auf die Bühne und steckt
mit dem druckvollen "Waiting" von der neuen CD das
Soundterrain an diesem Abend bereits zu Beginn großzügig
ab.
Orientalische Muster,
wie in dem durch de Winkels wundervoll sphärisch auf der
elektronischen Sitar gespielten Song "Assalamu Alaikum",
wechseln fortan mit bodenständigen Elektrobeats wie in "So
Low". Dabei umgarnt die junge Fola Dada mit ihrem rauchigen
Jazztimbre in der Stimme raffiniert kunstvoll die druckvollen
treibenden Beats ihrer Kollegen. Besonders beeindruckend gelingt es
ihr an diesem Abend in der großartigen Clubballade "Marseille".
Was Konzert und CD deutlich hören lassen: Hellmut Hattlers Musikkosmos scheint
schier unerschöpflich zu sein. Mühelos und mit viel Spirit
bewegt er sich dabei längst weit jenseits seiner eigenen
Basssaiten in ganz eigenen Soundsphären, die Hirn und Beine
gleichermaßen bewegen. Ob kunstvolle Elemente aus anmutigen
arabischen Musikstrukturen, vertracktem "Hippiejazz" wie
dem alten "Dinner for free" oder modern-digitalem
Elektrobassspiel – keine Minute des zweistündigen Gigs ist
monoton oder ermüdend. Hier spielt sich Außergewöhnliches
ab, zündend und voll brodelnder Energie. Bei soviel ansteckender
Dynamik darf man schon heute gespannt sein, welche Klangfabrik der
Meister wohl als nächste betritt.