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Vorneweg eines: musikalisch ist das Festival durch die Bank weg erstklassig besetzt
und muss sich auch nur weniger Absagen rechtfertigen. Athlete
verpassen zu guter letzt den Flieger, nachdem ein paar Tage vorher Richard
Ashcroft die Segel strich. Dafür sehen wir aber I Am Kloot.
Kurz nach der erfolgreichen Clubtour noch einen Auftritt draufgesetzt. Etwas suspekt
scheint ihnen die Helligkeit schon zu sein, aber was soll's. Unter erschwerten
Wetterbedingungen doch noch den Funken überspringen zu lassen, ist der Gradmesser
einer Band. Diese Hürde schaffen die meisten Künstler mit erstaunlicher
Leichtigkeit. Ein durchweg dankbares Publikum kommt ihnen aber auch auf halbem
Wege entgegen. Das Konzept, beide offenen Bühnen nicht mehr zeitlich zu überschneiden,
geht auf. Natürlich auf Kosten einer geballten Völkerwanderung. Wer
da zu spät kommt, steht am Rande und versteht kaum ein Wort. Kettcar
zum Beispiel liefern ein recht leises Konzert ab, haben etwas zu sagen, erreichen
aber mal gerade die Hälfte der Menschen. Der Rest ihrer Befindlichkeitsbeschreibungen
verweht im Wind.
Wir erinnern uns. Das Hurricane machte sich in der Vergangenheit einen Namen dadurch,
dass es polarisiert und alternative musikalische Wege aufzeigt. Doch was einst
einen guten Teil der Massen auf andere Festivals lenkte, irritiert nun selbige,
denn heuer sind sie hier am Eichenring. Fantomas, Mike Pattons
schwer verdauliche Jazz-Avantgardisten im Crossoverkill oder die trommelig kopfrauschenden
zwei Dresden Dolls sind schwer goutierbare Kost. Mancher fühlt
sich sogar bereits von ...Trail of Dead latent überfordert.
Einfachere Botschaften bringen Rammstein unter das Volk und surfen
in einem Schlauchboot über die Köpfe der Zuschauer. Knall! Peng! Lustige
Feuereien nach wie vor inklusive. Turbonegro werfen Orte und
Zeiten gleich mal komplett in einen Topf und bringen "Hurricane" irgendwie
mit Benefiz und Südostasien zusammen. Humor kracht manchmal langsam, aber
gewaltig. Richtig lustig machen Flogging Molly die Menge. Irischer
Frühling auf der von einem Hauptsponsor "begrünten" Bühne.
Dinosaur Jr. feiern eine nasskalte Legenden-Reunion. Trent Reznors
Nine Inch Nails versammeln abends Intellekt, Faustschläge
und Weblogeintragungen wie diese: "Bei 'Something I could never have'
hatten Trent und ich beide Tränen in den Augen, und dem dummen Abiturienten,
der hinter mit stand und meinte, durch das Lied durch dummes Zeug labern zu dürfen,
musste ich leider meinen Ellenbogen in die rückratslose Wirbelsäule
schlagen. 'Ich hab doch gar nichts gemacht', jammerte er. 'Doch, du wurdest geboren.'"
Hurricane im Jahre 2005.
Im wahrsten Sinne des Wortes heimlicher Höhepunkt ist ein kleines Flugzeug
am samstäglichen Himmel. Blitz und Donner fehlen zwar, aber Veranstalterkollege
Lieberberg grüßt in schwarzen Lettern vom graublauen Himmel: "Grüsse
vom Ring Still No.1!" Muskelspielchen im Sandkastenformat. Man hat's ja dicke
in der Portokasse. Ein Armutszeugnis, Klasse über Masse zu definieren. Dummheit
No. 2 folgt sogleich im Gebaren einiger weniger Sicherheitskräfte, die dem
drängenden Publikum in nichts nachstehen. Würgegriffe will niemand auf
Festivals sehen. Ebenso wenig allerdings Besucher, die blind Sicherheitshinweise
und Aufforderungen der Ordner zu ignorieren versuchen. Das alles lässt den
Beginn von Audioslave verzögern, Elton verteilt im Fotograben
Wasserbecher, und die Band stimmt später "Killing in the Name of"
an. Passt wie Arsch auf Eimer! Die Security reagiert insgesamt besonnen, doch
macht sich eines deutlich bemerkbar: das Gelände ist für eine Besucherzahl
von 60.000 nicht wirklich ausgelegt. Am Abend berichtet ein Mitarbeiter des Ordnungsamts
von Anfragen über eine Kapazität von 65.000. Wir mögen es uns nicht
vorstellen wollen. Beste Band des Festivals dürfen sich dann die Beatsteaks
nennen. Trotz anfänglicher Soundprobleme und mehrfachem unauffälligem
Mikrofontausch. Ein Fest, den Berlinern beim Feiern zuzusehen. Da scheint dann
sogar für Momente die Sonne, während andere wie Olli Schulz
samt Hund Marie von pink strahlenden Regenschirmen einer großen Telekommunikationsgesellschaft
beschützt werden müssen. System Of A Down sind Stars
von heute und vielleicht bald gestern? Madsen die heimlichen
von heute oder vielleicht bald morgen? "Diese Kinder" sind schon jetzt
sehr weit zu hören. Der Rest versinkt ein wenig in allgemeiner Sonntagslethargie.
Die Party ist vorbei. Da können die Eagles of Death Metal,
Queens Of The Stone Age, vollkommen verregnete 3 Doors
Down oder Norwegens lauteste Lyriker Madrugada noch
so solide Sets hinlegen. Und New Order? Sind alt geworden. Und
Die Ärzte? Sind reif und böse geblieben!
Irgendwo am Sonntagmorgen ruft jemand den Satz in sein Telefon. "Wie geht's
dir? Wo warst du? Wie war es?" Wir glauben, es war Sex im Spiel, und wünschen
dem jungen Glück, dass es sich nicht gegenseitig die Eintrittsbändchen
zerrissen hat. Verletzungsgefahren also, wo man hinschaut. Gebrochene Herzen sind
da noch die harmlosere Variante. Einige Knochen dagegen habe es böse erwischt,
weiß die Statistik. Das alleine auf zu hohe Zuschauerzahlen zu schieben,
wäre blind. Vor der eigenen Haustür zu kehren, ist der Beginn jeder
fundierten Kritik und Grundlage zivilisierten Handelns. Schon das aber überfordert
einige Kids der Generation Playstation. Aufwachen! Crowdsurfing kennt keine Joysticks.
Aber das merkt ihr spätestens dann, wenn ihr bei der Landung in die eigenen
Scherben fallt. Schlusswort aus dem schon zitierten Weblog: "Ich bin
extrem schmutzig und langsam auch traurigerweise sehr nüchtern!"
Willkommen zurück. Wir gehen jetzt duschen!
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Links:
>> Festival-Info Hurricane 2005 bei POP FRONTAL
>> Homepage Hurricane Festival
>> Weblog mit Hurricane-Erlebnissen
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Hurricane 2005
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