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Gesehen! Hurricane Festival 2011 / 17. - 19.06.2011, Scheeßel, Eichenring

Sturm und Drang

Text/Fotos: Mathias Frank

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Ein bisschen Angst machte sich wenige Tage vor dem Hurricane Festival breit. Der Wetterbericht nämlich versprach Schlimmes. Unwetter wurden angekündigt, Dauerregen zu jeder Zeit, Sturm und Drang von allen Seiten. Doch am Ende? Goss es zwar mehrfach in Strömen, und am Sonntag wurde es kurzzeitig so ungemütlich, dass sich die ersten der über 70.000 Besucher frühzeitig aus dem Staub machten. Aber glücklicherweise war es das dann auch. Das Wetter ging gerade noch so in Ordnung, das Chaos blieb aus, das Wochenende war toll. Auch, weil es ein paar Leckereien auf dem Programm zu entdecken gab, die es verdient haben, gefunden und gesehen zu werden. Zwischen Superstars wie den Foo Fighters oder Arcade Fire, zwischen den Hives oder Arctic Monkeys hatten es sich die Bands gemütlich gemacht, die den wirklichen Reiz des Hurricanes ausmachen. Weil sie ein bisschen anders sind, ein bisschen besonderer.

Beth Gibbons @ Hurricane Festival 2011

Portishead

Am Samstag waren das ganz klar Sublime With Rome. Die jüngst reformierte Reggae-Legende aus Long Beach war mit ihrem neuen Sänger Rome Ramirez erst zum zweiten Mal in Deutschland und sollte neben Klassikern auch neues Material spielen. Da musste man natürlich dabei sein, denn das musste gut werden. Mittelpunkt war wie schon im vergangenen Jahr bei den Extreme Playgrounds in Pinneberg Jungspund Rome, der munter quatschte und rockte und zu keiner Sekunde wie ein Fremdkörper wirkte. Ganz im Gegenteil: zusammen mit einem leidenschaftlichen Floyd "Bud" Gaugh am Schlagzeug sorgte Rome für Dampf, während Bassist und Kettenraucher Eric Wilson ein wenig ab vom Schuss seine dicken Saiten zupfte und sich weder groß bewegte, noch Regung zeigte. Was nichts daran änderte, dass diese Show mit Klassikern am Fließband ("Santeria", "Badfish", "Smoke Tow Joints" ...) eine der besten des Festivals war.

Die Rolle der besonderen Band nahmen am Sonntag dann Boysetsfire ein. Auch die haben sich erst vor kurzem zurück gemeldet und waren seitdem nur schwer live zu sehen. Am Sonntagnachmittag aber war es soweit. Es regnete, es war ungemütlich, und trotzdem wollte niemand der Anwesenden woanders sein. Nur vor dieser Bühne, um mit den Jungs ihre Rückkehr zu feiern. Sänger Nathan Gray wirkte zwar anfangs ein bisschen vom Wetter abgestoßen, wechselte aber schnell den Modus und schaltete auf Schreihals um. Wobei: Nathan schrie nicht nur, er keifte, er grölte und er grunzte. Und seine Jungs legten eine Härte an den Tag, die man so nicht erwarten durfte. Wohl aber die Dichte an Hits und Hardcore-Krachern, die gab es hier tatsächlich pausenlos. "Eviction Article", "Walk Astray", "Requiem", "Handful Of Redemption", "My Life In The Knife Trade", "After The Eulogy", "Rookie". Um mal einige zu nennen.

Was fehlt? Portishead natürlich. Die spielten am Freitagabend eine stellenweise atemberaubende Show, beherrschten das Wechselspiel von Licht und Sound und hatten eine wundervolle Beth Gibbons am Mikrofon. Schüchtern hauchte sie manch Lied, scheu und unsicher stand sie auf der Bühne, sie konnte einem fast ein wenig leid tun. Doch zwischendurch blitzte dann mal ein Lächeln auf, manchmal strotzte sie fast vor Kraft. Faszinierend. Wie auch die Musik, insbesondere "Machine Gun" oder "Give Me A Reason To Love You". Die anschließend auf der großen Bühne spielenden Arcade Fire waren zwar gut, hatten im direkten Vergleich aber keine Chance.

Auf dem diesjährigen Hurricane gab es erneut vier Bühnen. Zwei große unter freiem Himmel und zwei Zelte. Der fromme Wunsch, sich keine Band entgehen zu lassen, war also von vornherein illusorisch. Und nicht mal, keine gute Band zu verpassen, klappte nicht. Also hieß es Programme studieren, Prioritäten setzen, Pläne basteln - und ganz viel laufen. Denn das Programm hatte es in sich. Jimmy Eat World holten am Freitag die alten Emoschinken raus und boten ein herrliches Kontrastprogramm zu den Langweilern von Elbow. Suede mühten sich redlich, hatten aber gegen die geballte Hardcore-Power von Sick Of It All keine Chance. Dazu noch Jupiter Jones, Comeback Kid, Portugal. The Man, Chase & Status und nachts die Chemical Brothers? Wer soll das schaffen, liebes Hurricane?

Ähnliches spielte sich am Samstag ab. Aber wenn man ehrlich ist, macht genau das den Reiz des Hurricanes aus. Die Vielfalt und die Möglichkeiten, einiges zu sehen und tolles zu erleben. Nicht ganz überraschend gehörten Monster Magnet zu den auffälligsten Erscheinungen des Tages. Wyndorf noch immer ein bisschen molliger, seine Jungs in kompletter Moshlaune und dazu die volle Breitseite Spacerock. Herrlich. Auch Gogol Bordello boten auf gleicher Bühne eine mächtige Show. Und selbst wer musikalisch nicht so viel mit den Gypsy-Punks anfangen kann, musste sich hier eingestehen, dass sie live eine echte Macht sind und sich manch andere Band noch einiges von den Gogols abschauen könnte. Gleiches gilt eigentlich für The Sounds. Musikalisch eher mau, aber live ganz sicher eine der besseren Bands. Während My Chemical Romance dann mit tollen Songs und roten Haaren und der Two Door Cinema Club mit tollen Songs und sympathischem Understatement Spaß machten und Lykke Li im Zelt mal wieder ein bisschen schimpfte, freuten sich viele schon auf den Headliner. Incubus waren für Blink 182 eingesprungen und erwiesen sich als gute Wahl. Was sie machten, das war klasse. Songs wie "The Warmth" sind noch immer der Wahnsinn, und Brandon ist ein Hingucker. Aber man muss ehrlich sagen, dass dieses Festival schon würdigere, bessere, außergewöhnlichere Headliner gesehen hat.

Am finalen Sonntag nahmen diesen Platz die Foo Fighters ein, und die rockten dann mal wirklich alles weg. Allen voran Dave Grohl, der ja eigentlich die Foo Fighters ist und hier durchgehend unter Strom stand. So spielt man Rockmusik! Das wussten zuvor auch The Hives, deren Wahnsinnsauftritt durch einen Sprung von Pelle in den Pulk einen würdigen Abschluss fand. Und das wussten auch The Subways, die tatsächlich immer gut sind und die man sich gerne länger angeschaut hätte. Aber die Arctic Monkeys standen auf dem Zettel, also fix die Bühne gewechselt - und geärgert. Denn was waren die langweilig! Erst gegen Ende des Sets wurde es ein klein wenig besser, gut wurde es nie. Anders natürlich Flogging Molly, noch immer eine der sowohl sympathischsten als auch besten Live-Bands. Dazu gehören noch immer auch Die Ärzte. Die werden 2012 das Festival zusammen mit Blink 182 anführen. Ab sofort darf sich darauf gefreut werden. Denn neben diesen beiden wird es sicher auch im nächsten Jahr wieder ein paar Leckereien zu entdecken geben.

 

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Links:

>> Festival-Info Hurricane Festival 2011 bei POP FRONTAL

>> Festivalkurzbericht Hurricane Festival 2009 bei POP FRONTAL

>> Festivalbericht Hurricane Festival 2007 bei POP FRONTAL

>> Festivalbericht Hurricane Festival 2006 bei POP FRONTAL

>> Festivalbericht Hurricane Festival 2005 bei POP FRONTAL

>> Video "Hurricane 2011- Webisode #1" bei youtube.com

>> Video "Hurricane 2011- Webisode #2" bei youtube.com

>> Video "Hurricane 2011- Webisode #3" bei youtube.com

>> Video "Hurricane 2011- Webisode #4" bei youtube.com

>> Homepage Hurricane Festival

 

 

Sublime With Rome @ Hurricane 2011

Sublime With Rome

 

Boysetsfire @ Hurricane 2011

Boysetsfire

 

Monster Magnet @ Hurricane 2011

Monster Magnet

 

The Hives  @ Hurricane 2011

The Hives

 

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