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Gesehen! Immergut Festival 2004 / 28. - 29.05.2004, Neustrelitz
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Ein wenig Glück war auch dabei!
Text: Michael Kellenbenz Fotos: Martina Nossek
Als um die Mittagszeit des zweiten Immergut-Tages das traditionelle Fußballturnier
ausgetragen wurde, stand ein Gewinner eigentlich schon lange fest. Wie die Bälle
nacheinander im Netz zappelten, traf auch der Veranstalter Stunde um Stunde und
schoss am Ende einen Sieg heraus, der auch in seiner zweistelligen Höhe vollauf
verdient war. Dass die Immergut-Mannschaft letztlich das eigene kleine Turnier
sogar gewann, passte somit nur zu gut ins Bild.
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Es war Hafenfest am selben Wochenende in Neustrelitz. Dort sang eine gewisse Cora
von Amsterdam und unerfüllten Sehnsüchten. Letztere erfüllten sich
die 5000 Besucher ausgiebig während der zwei frühsommerlichen Tage und
Nächte. Und es wurde ihnen auch leicht gemacht, denn dreht und wendet man
das Blatt, wie man es will, es bleiben unter'm Strich fast ausschließlich
fette Pluspunkte auf der Festival-Checkliste. Gerade dort, wo es immer wieder
am deutlichsten krankt, im Umfeld der Sanitäranlagen und im Eingangsbereich,
dort wo so mancher Festivalgast in der Vergangenheit schon (zurecht) geneigt war,
einzelne Security-Mitarbeiter mit dem Kopf in ein Dixie-Häuschen zu stemmen,
war relativ entspannte, respektive geruchsneutrale Atmosphäre angesagt. Das
Gelände selbst, ein überschaubar großer bunter Garten voller Klänge
und Düfte, war so hergerichtet, dass sich auch aus der Ferne noch gut die
Hauptbühne einsehen ließ. Vorbildlich auch das Zelt, in dem die Nebenbühne
Platz fand und welches zu einer Seite auf halber Länge Einlass gewährte,
so dass die Menge schnell von einer Bühne zur anderen wechseln konnte.
Zum Glück trug auch der eher ungewöhnliche Umstand bei, dass unter den
22 Bands mit Phantom Planet nur eine einzige kurzfristige Absage zu verzeichnen
war. Das anwesende Grand Hotel van Cleef half spontan mit Labelneuzugang Bernd
Begemann aus, dessen Humor und Texte zwar gewöhnungsbedürftig sein können,
der in den späten Nachmittagsstunden des Samstags aber offenbar einige neue
Freunde gewinnen konnte.
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Tomte
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Etwas gerädert ob der langen Anreise eröffnete Münchens Indie-Hoffnung
Roman Fischer am Freitagnachmittag das Geschehen. Sympathisch zu fühlen war
die noch relativ geringe Auftrittserfahrung zusammen mit seiner Band, was dem
Ganzen aber keinen wirklichen Abbruch tat. Sichinsgedächtnisspielen nennt
man das wohl. Die folgenden Marr und Tigerbeat begrüßten die vielen
anwesenden Hamburger Gesichter auf dem Platz zum (fast) Heimspiel und bereiteten
den Weg für Sometree, die überraschenderweise nicht recht ihr gewohntes
Potential ausspielten. Thees Uhlmann, dem es vorbehalten war, zu Festivalbeginn
an den verstorbenen Rocco Clein zu erinnern, muss es während des Tomte-Konzerts
selbst noch einmal eiskalt den Rücken heruntergelaufen sein. Hatten doch
die Ordner mehr als alle Hände voll zu tun, die zur Bühne drängenden
Besucher in den Griff zu bekommen. Angesichts unzähliger Crowdsurfer, die
auffällig viele harte Landungen zu verzeichnen hatten, kein wirklich einfaches
Unterfangen. Müßig zu erwähnen, dass Tomte die Schönheit
der Chance nutzten und einen erinnerungswürdigen Auftritt hinlegten.
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Tigerbeat
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The Crash, Tage vorher noch Support der Sportfreunde Stiller in der Olympiahalle
zu München, gefielen auf der kleineren Bühne besser, verkürzten
indes aber doch nur die Wartezeit auf die Weakerthans. Wie gute alte Freunde wurden
diese begrüßt, hielten sich gewohnt zurück mit überflüssigem
Gerede und taten das, was sie eben am besten können, nämlich ihre wundervollen
Songs in die beginnende Frühsommernacht spielen. John K. Samson indes dürfte
den Titel "Sympathischster Frontmann aller Indie-Kapellen" noch für
lange Zeit innehaben. Hätte er die Gabe gehabt, nach dem finalen "Exiles
among you" noch einen kräftigen Regen über dem Platz niedergehen
zu lassen, wäre dieses Schauspiel wahrscheinlich auch noch mit Hingabe entgegengenommen
worden. Broken Social Scene mit recht wenigen zündenden Momenten und Naked
Lunch brachten den Tag über den Spannungsbogen hinaus dann heil zu Ende.
"Wandering At The Waterfront" war nach dem Fußball-Event am Samstag
zunächst das Motto, denn der intensive Vortag schmerzte noch lange nach,
und die Beine wollten eigentlich durchgehend nur noch in die Waagerechte oder
ins nahe kühle Nass. Dazu passte, dass Tag Zwei zunächst recht langsam
aus der Hüfte kam, mit Tiger Lou, Porous, Tobacco, den Freiburgern Tele (an
denen sich einige Geister schieden) und dem kleinen, klappernden Apparat Delbo
viel "Kann" aber kein unbedingtes "Muss" am Start hatte.
Zeit also, sich auf dem Gelände noch einmal genauer umzusehen und festzustellen,
dass selbst die hirnlose Zerstörungswut an anderen Festivalorten vor dem
Immergut halt zu machen schien, erstaunlich wenig herumliegender Müll zu
verzeichnen war und die Getränkepreise gerade noch den Fairnesspokal einheimsen
konnten.
Kettcar hatten dann die dankbare Aufgabe, den Abend einzuläuten, und taten
das in spielfreudiger Manier. Drei neue Songs im ansonsten bekannten Set und allgemeine
Freude über die "kleinen Hüpfehäschen" in den ersten
Reihen und die Oldschool-Hände der über dem Kopf klatschenden "BAP-Fraktion"
waren die Beigaben, für die man sie mag. Lali Puna eröffneten erwartungsgemäß
mit dem spannungsvollen Titeltrack der aktuellen Scheibe "Faking the Books"
und wurden zurecht mit warmem Beifall bedacht.
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Immergutrocken 5(Grand Hotel Van Cleef/ Indigo)
Delbo
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Dass Adam Green mit Blick, Lippen und Hüftschwung, sowie einer Backing-Band wie aus dem
Rock’n’Roll-Bilderbuch zu einer einstündigen, extrem melodiösen Mordsgaudi werden würde,
war abzusehen. Allzu bedachte Zeitgenossen bedauerten die fehlende Zugabe, andere
wollten schlicht ein Kind vom jungen, schrulligen Frontmann. Und ein Track wie
"Bunnyranch" erfährt angesichts des crowdsurfenden Nachwuchses
von 16 Jahren aufwärts eine ganz neue Bedeutung. Blieben noch The Notwist
als hirnlastiger Ausklang und eine Aftershow-Party bis zum Sonnenaufgang. Dann
war Schluss und Immergut 2004 Geschichte.
"Ein wenig Glück war auch dabei!", blieb es am Ende festzustellen.
Allem voran das perfekte Festivalwetter machte das Immergut 2004 zu einer runden
Veranstaltung, der man gerne attestieren kann, dass sie immer besser wurde im
Laufe der Jahre und wohl an einem Punkt angelangt ist, der in der Open-Air-Landschaft
mittelgroßer Festivals kaum zu schlagen sein dürfte. Nachahmbar dagegen
ist es allemal, die Saison hat ja gerade erst begonnen, und dass die Messlatte
höher liegt denn je, ist der Festivalkultur alles andere als abträglich.
Links:
>> Festivalinfo Immergut 2004 bei POP FRONTAL
>> Homepage Immergut
>> Immergutrocken 5: Reinhören und kaufen bei amazon.de
>> Tourinfo Tomte bei POP FRONTAL
>> Tourinfo Tigerbeat bei POP FRONTAL
>> Tourinfo Delbo bei POP FRONTAL
>> Tourinfo Adam Green bei POP FRONTAL
>> Tourinfo The Notwist bei POP FRONTAL
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Adam Green
The Notwist
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