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Gesehen! Olli Schulz, Frank Spilker / 10.03.04, Hamburg, Weltbühne

Text: Michael Kellenbenz

Hamburger After Fußball Club

Die Club- und Bühnendichte pro Quadratkilometer in Hamburg gilt bereits als fabulös und tritt Woche für Woche den Beweis an, dass sich hinter sehr viel Masse auch enorm viel Klasse verbirgt. Sparsam an Raum wird die neu eröffnete Bar "Weltbühne" sehr wohl mit zur qualitativen Vielfalt beitragen. Dafür spricht außer ihrem geschmackssicheren Betreiber und Booker Tino Hanekamp ("Alert", "Visions", u.a.) auch das plüschig-trashige Interieur des Clubs für den (laut Eigenwerbung) "kulturell aufgeschlossenen Trinker".

Die Vergangenheit des Gebäudes lebt am Fuße der erhaltenen, wenn auch nun befestigten Rolltreppe. Dort auf dem Boden ist immer noch deutlich eines dieser aufgeklebten "E"s erkennbar, die früher Kaufhausstockwerke anzeigten. Wir dagegen befinden uns in "1". Wo sich heute die niedrige Bühne befindet, mögen vor Jahren noch ganz andere Heerscharen zwischen den Schlussverkäufen nach Ober- wie Unterbekleidung gesucht haben. Nun werden hier von freundlichen Prinzessinnen ausgewählte Frischgetränke an den Endverbraucher gebracht, und man kann vortrefflich durch die große Fensterfront in Richtung Reeperbahnlichter schauen. Weltbühne eben.

Auf dem Rasen des Estadio Bernabeu in Madrid vergeigte Olli Kahn nicht ganz alleine, und man hatte sich allgemein damit abgefunden, bis zum Ende der Fußballübertragung warten zu müssen, als sich Namensvetter Schulz plötzlich doch schon mit Gitarre und ohne "den Hund Marie" auf die Bretter begab. Einige Flüche später war man mitten drin im Geschehen, wie man es kannte. Olli Schulz begann zu erzählen, unterbrach sich immer wieder selbst vom Hundertsten ins Tausendste und sang seine Lieder. "Das letzte Königskind", "Song ohne Grund", "Unten mit dem King" und "Rock’n Roll Lifestyle"... dazu Improvisiertes und "eben gerade im Auto Getextetes". Es funktionierte wieder einmal. Anders als in Halle neulich, als er mit der, auf die hohe lokale Arbeitslosenzahl und die inflationär vielen After-Work-Clubs abzielenden Bemerkung, dass man letztere lieber in "After-Arbeitsamt-Clubs" umbenennen sollte, den größten anzunehmenden Fettnapf traf.

Ob es an der Fertigstellung der neuen "Sterne"-Scheibe lag oder einfach an seinem Naturell, dass es beim Auftritt Frank Spilkers nicht gar so locker zuging? Sei’s drum. Die erste Hälfte war verständlicherweise den neuen Songs gewidmet. "Was ist los?", "In diesem Sinn" und "Verstehen" könnten die Arbeitstitel sein, und sie nahmen den roten Faden des letzten Albums mühelos auf. Ein Testlauf vor fachkundigem Publikum, wohlwollend aufgenommen mit freundlichem Applaus. Als Dreingabe zum Preview kamen danach noch ein paar alte Lieder wie "Scheiß auf deutsche Texte", "Was hat dich bloß so ruiniert", "Universal Tellerwäscher" oder "Wahr ist was wahr ist". Ein spezieller Hamburger Abend an einem schon jetzt speziellen Ort.

 

 

Olli Schulz

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Frank Spilker

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