|
Erst gegen Ende des Abends wurde Sänger und Textschreiber Jens Rachut gesprächiger.
"Leute, 42 Kilometer können verdammt lang sein. Deshalb
hören wir jetzt auch lieber auf. Und Wasser trinken nicht vergessen!"
Vorangegangen war ein Konzertabend wie aus dem Bilderbuch. Beinahe das gesamte
Repertoire der drei Oma-Hans-Platten wurde zum Besten gegeben, davon das aktuelle
Album "Peggy" komplett. In gewohnter Besetzung mit Andreas Ness an der
Gitarre, dem genesenen Armin am Schlagzeug und Peta Devlin am Bass – die
sich den Job an diesem Abend mit ihrem Bruder teilte – wurde der Mob in
der Fabrik zum Toben gebracht. Schwitzen wie ein Sofa in Singapur, Tanzen,
Schreien. Die neuen Bosse waren da, und es sind die Alten. Niemand hätte
an diesem Abend widersprochen. Rachut: "Ich sag euch jetzt 'ne Zahl und ihr
sagt, ob die stimmt: 34!" Wenn das mal keine unterdrückten Entertainer-Qualitäten
sind.
Rachut, inzwischen 52jährig, wirkte derartig energiegeladen, dass er - immer
wenn er nicht sang – in beinahe spastische Zuckungen geriet. Kaum vorstellbar,
wie er das in Einklang mit seiner Rolle am Züricher Schauspielhaus bringt.
Dort spielt er unter der Regie von Schorsch Kamerun ein Rentier in Hans Christian
Andersens "Schneekönigin". Daher also die Entertainer-Qualitäten.
Einen bedeutend schwereren Stand hatten an diesem Abend die drei Berliner von NMFarner. Trotz
gekonnter Rückkopplungen, kräftiger Gitarren und lautem, wütendem Gesang ließ
sich der gemeine Nietenträger nicht überzeugen und buhte am Ende fleißig und unverdient.
Denn nicht nur das aktuelle Album "Die Stadt" kommt wirr, verrückt und schnell daher,
auch und gerade live weiß die Band um Norman Nitzsche, Masha Qrella (beide Mina) und Christian Farner
zu überzeugen. Hoffentlich demnächst auch als Headliner in der gut sortierten Konzertlocation deines Vertrauens.
Bleibt zu resümieren, dass selbst die beste Vorband oft keinen guten Stand
bei einem Heimspiel der Lokalhelden hat, dass ein zunächst seitens der Band
unbemerkter Ausfall an der verstärkenden Beschallungselektrik durch ein schlichtes
Wiederholen der drei untergegangenen Songs mühelos ausgeglichen werden kann
und dass sich der Hamburg-Marathon auch mit einem Tinnitus vom Oma-Hans-Konzert
des Vorabends nicht gewinnen lässt.
Links:
>> Künstlerinfo Oma Hans bei POP FRONTAL
>> Homepage Oma Hans
>> Oma Hans - Peggy: Reinhören und Kaufen bei amazon.de
>> Künstlerinfo NMFarner bei POP FRONTAL
>> Homepage NMFarner
>> NMFarner - Die Stadt: Reinhören und Kaufen bei amazon.de
|