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Gesehen! Oma Hans, NMFarner / 23.04.2005, Hamburg, Fabrik

Unterarm-Spasmen und versteckte Entertainer-Qualitäten

Text: Mikel Plett      Live-Fotos: Sandra Kriebitzsch

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Früh aufstehen war angesagt am nächsten Morgen. Darauf will Rücksicht genommen werden, schließlich ist man als Band seinem Publikum und natürlich sich selbst ein Stück weit verpflichtet. Da hilft es auch nichts, wenn 800 Leute nach der vierten Zugabe schreien. Nach knapp zwei Stunden Hexenkessel war es wirklich vorbei, kurz vor eins, austrinken, nach Hause schweben, schlafen gehen – begleitet vom nicht abreißenden Tinnitus-Summen. Schlussendlich laufen sich 42 Kilometer ja auch nicht von selbst.

Oma Hans

Erst gegen Ende des Abends wurde Sänger und Textschreiber Jens Rachut gesprächiger. "Leute, 42 Kilometer können verdammt lang sein. Deshalb hören wir jetzt auch lieber auf. Und Wasser trinken nicht vergessen!" Vorangegangen war ein Konzertabend wie aus dem Bilderbuch. Beinahe das gesamte Repertoire der drei Oma-Hans-Platten wurde zum Besten gegeben, davon das aktuelle Album "Peggy" komplett. In gewohnter Besetzung mit Andreas Ness an der Gitarre, dem genesenen Armin am Schlagzeug und Peta Devlin am Bass – die sich den Job an diesem Abend mit ihrem Bruder teilte – wurde der Mob in der Fabrik zum Toben gebracht. Schwitzen wie ein Sofa in Singapur, Tanzen, Schreien. Die neuen Bosse waren da, und es sind die Alten. Niemand hätte an diesem Abend widersprochen. Rachut: "Ich sag euch jetzt 'ne Zahl und ihr sagt, ob die stimmt: 34!" Wenn das mal keine unterdrückten Entertainer-Qualitäten sind.

Rachut, inzwischen 52jährig, wirkte derartig energiegeladen, dass er - immer wenn er nicht sang – in beinahe spastische Zuckungen geriet. Kaum vorstellbar, wie er das in Einklang mit seiner Rolle am Züricher Schauspielhaus bringt. Dort spielt er unter der Regie von Schorsch Kamerun ein Rentier in Hans Christian Andersens "Schneekönigin". Daher also die Entertainer-Qualitäten.

Einen bedeutend schwereren Stand hatten an diesem Abend die drei Berliner von NMFarner. Trotz gekonnter Rückkopplungen, kräftiger Gitarren und lautem, wütendem Gesang ließ sich der gemeine Nietenträger nicht überzeugen und buhte am Ende fleißig und unverdient. Denn nicht nur das aktuelle Album "Die Stadt" kommt wirr, verrückt und schnell daher, auch und gerade live weiß die Band um Norman Nitzsche, Masha Qrella (beide Mina) und Christian Farner zu überzeugen. Hoffentlich demnächst auch als Headliner in der gut sortierten Konzertlocation deines Vertrauens.

Bleibt zu resümieren, dass selbst die beste Vorband oft keinen guten Stand bei einem Heimspiel der Lokalhelden hat, dass ein zunächst seitens der Band unbemerkter Ausfall an der verstärkenden Beschallungselektrik durch ein schlichtes Wiederholen der drei untergegangenen Songs mühelos ausgeglichen werden kann und dass sich der Hamburg-Marathon auch mit einem Tinnitus vom Oma-Hans-Konzert des Vorabends nicht gewinnen lässt.

 

Links:

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