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Gesehen! ProgPower Europe Festival 2005 / 2. Tag: 02.10.05, Baarlo (NL), JC Sjiwa

To Be Or Not To Be

Text: Klaus Reckert      Live-Fotos: Stephan Kunze

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Der zweite Festivalhaupttag begann mit dem bislang vollsten PP-Auditorium für eine Eröffnungsband, einem minimal verkatert wirkenden PP-Veranstalter René Janssen sowie einer zünftigen "Morgenröte". Den Vorschusslorbeeren für das niederländische The Aurora Project zufolge sollte dieses Anklänge von Pink Floyd, Porcupine Tree, Tool (!) und Anathema aufweisen. Das noch sehr junge Sextett aus Katwijk polarisierte schon durch das Bühnenbild: Für manche waren die Science-Fiction-Film-Zitate, White Noise aus Fernsehern auf der Bühne neben Kerzenständern sowie der Gastauftritt einer deutlich bejahrteren Querflötistin das wahre Evangelium, andere flohen vor diesem "Gähnquark". Denn sehr gesetzt blieb der gesamte Auftritt einer nicht uninteressanten Band, bei der noch am ehesten die relativ dünne, hohe Stimme des Sängers und der abermals entgleisende Sound enttäuschte.

Pain Of Salvation

Pain Of Salvation

Sauber und druckvoll geriet der Klang jedoch bei Dynamic Lights aus René Janssens eigenem Labelstall DVS Records. An Dream Theater geschulte Heavy-Riffs, häufige Tutti-Läufe des gesamten Ensembles und der enorm versierte, bisweilen geradezu swingende Drummer ließen die Italiener als bislang technischste Prog-Vertreter im Billing erscheinen. Doch auch Didgeridoo-Intros sowie ganz stille Momente waren im Programm, als etwa für "In The Hands Of A Siren" die Schwedin Jamina Jansson zum ersten Mal live auf der Bühne den Part sang, den sie dank moderner Studiotechnik auch auf dem Debütalbum der Band schon hatte beigesteuern können.

Nach diesem Technikprog erschien der recht simpel gestrickte Rock von Cloudscape, mit dem sie laut Ansage ihren ersten Gig außerhalb von Schweden bestritten, natürlich deutlich bodenständiger. Das hätte noch weniger gestört als das Dauergepose des Sängers sowie die Quietschkeyboards von Konserve, die besonders bei "Reaching Out" ernstlich irritierten. Offensichtlich war eines der 2005er Auswahlkriterien für Bands gewesen, dass man "Still Of The Night" spielen kann, denn auch diesen alten Klopfer brachten Cloudscape noch zu Gehör.

Leichtes Fieberdelirium verhinderte nun zugegebenermaßen eine tiefere Beschäftigung mit dem schnellen Prog/Power Metal von Pagan's Mind. Mitzubekommen war aber auch so noch, dass der selbstverliebte Sänger Nils K. Rue in ernster Gefahr stand, sich an seinen Haarens selbst zu Tode zu nesteln. Und dass der vom Publikum recht begeistert gefeierten und kaum zu bremsenden Truppe am Ende des Auftritts nahezu der Saft abgedreht werden musste, um das weitere Stage Time-Schema nicht zu gefährden.

Die gleichfalls schwedischen Wolverine sind alte Freunde von R. Janssen und dem PP-Publikum: Schon 2001 verzauberten sie alle mit einzigartigen Kompositionen zwischen MeloDeath und Prog Metal. Höhepunkte eines sehr intensiven Auftritts waren u.a. das vom hier noch unveröffentlichten Projekt "Still" stammende "Bleeding", sowie die Duette "Hand in Hand" mit der schon bekannten Jamina Jansson und "Towards Loss" mit dem Grunztalent Peter Rudberg, Nachbar von Wolverines Stefan Zell. Vor allem aber natürlich "His Cold Touch", dem Wolverine-Meisterstück.

 

 

Schade, dass nach einem der bislang insgesamt erfreulichsten PP-Tage nun ausgerechnet das Warten auf Pain Of Salvation zu einer argen Geduldsprobe geriet. Die schwedische Wundertruppe um Daniel Gildenlöw war schon zum Soundcheck am Sonntagmorgen nicht erschienen, kam auch spät an der Halle an (da sich POS-Boss Gildenlöw nicht wohl fühlte) und verweigerte nun den Auftritt, da u.a. die allerspätestens zum aktuellen multimedialen "Be"-Konzeptalbum gehörenden Projektionen zunächst nicht funktionierten. Das Publikum bekam davon aber nur mit, dass es anderthalb Stunden in der Halle eingequetscht und nur von wenigen konfusen Ansagen informiert auf die Festival-Headliner warten musste. Und so wartete man und wartete, der mit seiner Landesfahne allgegenwärtige Prog-Fan aus Australien vom Dienst ebenso wie die Labelchefs von InsideOut und Tempus Fugit, wie der extra zum POS-Auftritt erschienene Arjen A. Lucassen (ex-Vengeance, Ayreon, Ambeon u.v.m.), wie Metal Mike von der wohl wichtigsten niederländischen Rockmusikzeitschrift Aardschok usw. Auch der Veranstalter war verzweifelt über die Technikprobleme und etwas enttäuscht von der auf jedes Technikdetail beharrenden Band: "Vor vier Jahren waren sie noch nicht so" (POS hatten bereits beim PP Europe 2001 gespielt, auch hier war der Sänger allerdings schwer unpässlich gewesen).

Als die Band dann um 23 Uhr doch noch auf die Bühne kam, tat sie dies mit einer wenig positiven, wenig professionellen, in jedem Falle nicht zu einem kleinen Festival passenden Einstellung: "What you are going to see tonight is Pain Of Salvation at its worst - is going to be our worst gig ever". Dabei war Gildenlöw sichtlich immer noch weit mehr mit seiner Enttäuschung über mangelnde künstlerische Selbstverwirklichung und unauslebbaren Perfektionismus beschäftigt, als mit dem Publikum, das so lange auf ihn und P.O.S gewartet hatte: "Zum allerersten Mal wird P.O.S. improvisieren". Big Deal. Als sich die DVD-Einspielungen im Laufe des Auftrittes dann doch noch zu funktionieren anschickten, zeigte sich schnell, dass die so atemberaubend nun auch nicht sind. Wer die en detail bewundern will, hat ja vermutlich auch die "Be"-DVD daheim in der Vitrine. Dafür aber war der Bühnensound leider zunächst nahezu unerträglich, was aber nur neue öffentliche Rumzickereien des Frontmannes herausforderte. Zu diesem Zeitpunkt lachen ihn der Cloudscape- und der Pagan's Mind-Sänger, die im Thekenbereich das Konzert verfolgen, nur noch aus, während Lucassen, die niederländische graue Prog-Eminenz, den Saal kopfschüttelnd verlässt. Vielleicht nicht nur wegen des zu diesem Zeitpunkt nur aus Schrilltönen bestehenden Sounds, sondern weil es kein schönes Schauspiel ist, was Gildenlöw da veranstaltet.

Fairerweise muss zugegeben werden, dass sich der Sound im Laufe der Zeit einregeln ließ, worauf die P.O.S.-Diva sich zwar etwas abregte, aber eine gewisse Galligkeit bis zum Schluss nicht ablegte. So frug er etwa vor "Second Love", einer der eindringlichsten musikgewordenen Betrauerungen, sein Publikum, wie viele von Ihnen in Liebesdingen "immer" glücklich gewesen seien. Worauf er die Glücksverwöhnten, die sich mit Handzeichen zu erkennen gaben, mit sarkastischem Gelächter überschüttete. Auch die albernen Publikums-Animierspielchen ("Germany is louder than you are" - bei Auftritten in Deutschland hatte das natürlich noch "France is louder than you are" geheißen) wollten nicht so richtig zu Band und Umfeld passen. Wie auch immer: Etwas Bühnentheatralik auf Schultheaterniveau, vor allem zu "Mr. Money", eine zur Abwechslung wirklich schöne Version von "Ashes" rundeten einen dann doch noch zweistündigen Auftritt ab, von dem sich einige P.O.S.-Fans allerdings wünschten, sie hätten ihn lieber nicht gesehen...

PS: Winzige Verbesserungsvorschläge zu einem immer perfekter werdenden und stets sympathisch bleibenden Event: 1. Das Konzept mit dem ruhigeren ersten und dem heftigeren zweiten Festivaltag sollte im Sinne eines guten Mixes nicht überbetont werden. 2. Die so genannte Lightshow war an beiden Tagen über weite Strecken nur vom Automaten gesteuert und dementsprechend uninspiriert. 3. Es mag am Zustand gelegen haben, aber die Oase aus Gartenstühlen wurde schmerzlich vermisst, die letztes Jahr noch zwischen Halleneingang und Pommespuff gewinkt hatte.

 

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Links:

>> Festival-Bericht ProgPower Europe 2004 bei POP FRONTAL

>> Homepage Progpower

>> Homepage The Aurora Project

>> Homepage Dynamic Lights

>> Homepage Cloudscape

>> Homepage Wolverine

>> Homepage Pagan's Mind

>> Homepage Pain of Salvation

 

Aurora Project

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Dynamic Lights

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Cloudscape

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Pagans Mind

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Wolverine

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Pain Of Salvation

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