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Wenn eine Band 40 Jahre lang besteht und ohne Unterbrechung aktiv ist, ist dies schon etwas ganz Besonderes. Die deutschen Elektronikpioniere Tangerine Dream feiern ihren Geburtstag nun doch nicht mit der ursprünglich geplanten Jubiläumstour. Stattdessen mit einem galaktischen Konzert an einem besonderen Ort: "One Night in Space" lautet das Motto des einzigartigen Events in Frankfurts guter Stube, der Alten Oper.
Im September 1967 gründete Edgar Froese die Band und hat seitdem viel erreicht in seinem musikalischen Leben: sieben Grammy-Nominierungen, ca. 50 Filmmusiken, über 120 Tonträger, weltweite Tourneen sowie vielerlei Klangexperimente abseits des Mainstreams zeugen von seiner außerordentlichen Kreativität. Und wer den mittlerweile 63-jährigen blonden Kapitän des Raumschiffs Tangerine Dream in Interviews und im Konzert erlebt, spürt: Froese scheint die Kapitänsbinde durchaus noch eine Weile tragen zu wollen.
Einige Takte "Yesterday" spielt die langjährige Bandsaxophonistin Linda Spa zu Beginn auf einer kleinen Spieluhr, alleine am Bühnenrand sitzend. Noch ahnt niemand im Publikum, dass ihr Spiel die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm bedeutet. Plötzlich fällt der schwarze Bühnenvorhang und gibt eine opulente Bühnenkulisse frei. Vor zwei riesigen Leinwänden ist die fünfköpfige Band wie in einer zweistöckigen Raumschiffkommandozentrale positioniert. Im Vordergrund bedienen Thorsten Quäschning, Bernhard Beibl und Commander Froese drei mächtige Synthesizer mit großen bunten LCD-Bildschirmen im Hintergrund. Darüber befindet sich die kleinere elektronische Einheit von Linda Spa, ergänzt von Flöten und Saxophon. Gleich daneben das monumentale Drum- und Percussion-Gebäude vom stets fröhlichen Wiener Multitalent Iris Camaa.
Phänomenal die Soundkulisse, welche nun über das Publikum im bestens gefüllten großen Opernsaal hereinbricht. Ständig blubbert, pocht, rattert und wabbert ein orkanartiger Klangteppich in einer Lautstärke in den Saal, die viele Zuhörer erschreckt (und berechtigterweise) zum Gehörschutz greifen lässt. Dazu feuern zwei Laserkanonen, unterstützt von Nebelwerfern und großartiger Bühnenlightshow, faszinierende optische Effekte in den Raum. Zusätzlich laufen auf den großen Leinwänden Bilder und Filme aus dem Weltall. Planeten, Satelliten, Raumschiffe und auch fischähnliche Gebilde sausen während der Show durch's Bild. Mächtig was los also im Klangkosmos der Tangerine-Dream-Galaxis.
Ganz wie in alten Zeiten also? Mitnichten. Der Sound ist kühler und wesentlich lauter (man könnte auch sagen: eindeutig zu laut!). Und es fehlen die großen melodisch warmen Themen in den Klangcollagen. Vieles von dem, was den Meistern der elektronischen Musik damals zu Weltruhm verhalf, fehlt heute. Deutlich ist zu hören, dass die grandiosen Live-Werke "Richocet", Encore" oder "Logos" aus einer anderen Ära stammen. Tangerine Dream sind heute nicht unbedingt schlechter als zu Zeiten der genialen Dreierbesetzung Froese / Baumann / Franke. Eben nur ganz anders. Heftige Synthie-Bässe lassen häufig die Hosenbeine vibrieren. Bombastisch, spacig bunt, ungemein rhythmisch kommen sie heute daher - und das so pausenlos, dass es einen umhauen könnte, würde man nicht bereits im bequemen Sessel sitzen.
Doch es mischen sich auch durchaus warme Elemente in die galaktische Kühle. Sanfte Flöten- und Saxophonpassagen von Linda Spa, rhythmisch vibrierende Drum- und Percussion-Untermalungen der unermüdlichen und großartig aufspielenden Iris Camaa sowie rockige Gitarrenparts vom starken Bernhard Beibl. Doch darauf, dass - wie bei den seltenen vergangenen Konzerten geschehen - auch Mastermind Edgar Froese in seiner eigenwilligen Spielweise das Riffbrett bearbeitet, wartet der geneigte Fan an diesem Abend leider vergebens.
Nach zwei Stunden endet der eigenwillige Trip in die Weiten des Tangerine-Dream-Universums unter tosendem Applaus mit einer artigen Verbeugung und der einzigen verbalen Botschaft von Herrn Froese an diesem Abend: "Auf Wiedersehen und bis bald". Zeit ist relativ im Weltall.