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Gesehen! Veagaz, Illusion Island / 05.03.04, Bonn, Kult 41

Viva Las Veagaz!

Text: Klaus Reckert       Live-Fotos: Bettina Reckter

1. Die Hamelner werden von der Kritik mit Lob und mit olympischen Vergleichen à la Nick Cave, Iggy Pop oder Madrugada schier überschaufelt. 2. "Luise" von der aktuellen CD "Gold" hat sich auch im Langzeittest zu einem Lieblingslied und unabschüttelbaren Ohrmade beim Rezensenten entwickelt. 3. POP FRONTAL präsentiert die aktuelle Tournee. Grund genug, sich direkt an die Pop-Front zu bewegen, wenn dieses heftig bundesweit tourende Spitzentrio denn schon in der eigenen Stadt ist...

Die vorgruppierenden Lokalmatadoren von Illusion Island (aus Köln) schafften es nur teilweise, das anfangs noch sehr spärlich besetzte, aber urgemütliche Kult 41 für ihre Illusionen zu gewinnen. Am teils recht ansprechenden Songmaterial wie "Wednesday 17th" oder "Hills & Pills" lag das sicher weit weniger, als an der für den vergleichsweise kleinen Raum mal wieder völlig überdimensionierten Lautstärke. Obwohl die noch sehr jung wirkenden Kölner mit modernem und teurem "In Ear"-Soundsystem ausgerüstet waren, drehte der herz- beziehungsweise offensichtlich gehörlose Unmensch am Pult auf, bis es fast nur noch clippte und wummerte. Bei der letzten Nummer "The Room We Share" war schließlich auch noch das Schlagzeug lauter als bei Billy Cobham. Überdies trägt die Stimme des Sängers bei Stücken wie "Taxi Ride" einfach nicht genug für die teils ambitionierten Gesangslinien.

Dann aber Veagaz - der Unterschied hätte kaum größer ausfallen können: drei Persönlichkeiten betraten zu einem minimalistischen Loop aus Jörg Stillers Gitarre die Bühne und bemächtigten sich ihres Publikums sofort mit einer fast greifbaren Präsenz, die über die gesamte Konzertdauer niemals nachließ. Wir hatten uns vorab gefragt, wie sich die Stücke der meisterlich und sehr dicht produzierten aktuellen CD "Gold" überhaupt auf der Bühne reproduzieren lassen. Antwort: Es fehlte nichts. Im Gegenteil, durch besagte Ausstrahlung der drei Vollblutmusiker, die Intensität ihres Vortrags und vor allem den gekonnten Umgang von Gitarrist Jörg Stiller mit Sequenzer und Echo hatte man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, weniger als ein zehnköpfiges Orchester zu belauschen. Dennoch matschten die Hamelner nicht etwa alles zu, sondern ließen Pausen und damit den Stücken sowie dem Publikum Zeit zum Atmen. Sven Hesse an seinem relativ kleinen Drum-Kit erwies sich als meisterlicher Drummer, der dem breiten Programm von Rock'n’Roll über Noise-Attacken bis hin zu finsteren Moritaten à la Lou Reed stets den richtigen Drive versetzte.

Zur Setlist des Abends (siehe Abbildung - bis Riversong kamen sie, bis der lieben Nachbarn wegen das Konzert abgebrochen werden musste): Höhepunkte waren sicher "Luise", denn was sich Sänger/Bassist Tom Schindler hier mit Wechsel zwischen Kopf- und abgrundtiefer Normalstimme antut, ist allein schon einen Konzertbesuch wert, und "Suffering Ghost". Aber auch das noch unveröffentlichte Material wie "Coalmine" oder "Fireball" baute gewaltigen Appetit auf die nächste Scheibe auf. Der Rezensent hatte dieses Jahr schon reichlich Livemusik um die Ohren - einschließlich Millionseller wie Dream Theater - aber so wie Veagaz aufspielten, war das bislang der stärkste Gig.

 

Links:

>> Künsterinfo Veagaz bei POP FRONTAL

>> Interview mit Veagaz im Januar 2004 bei POP FRONTAL

>> Homepage Veagaz

>> BluNoise Mailorder

>> Glitterhouse Mailorder

Veagaz

Veagaz in Bonn

Veagaz in Bonn

Veagaz

 

Illusion Island

Illusion Island

 

Veagaz: Gold

Veagaz: Gold

(Schallplattenmanufaktur Hameln/FinestNoise)

 

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